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Foto: flickr / patrix
 
Innere Medizin 9. November 2010

Knochenbruch nicht unterschätzen

Der 9. Wiener Osteoporosetag wandte sich mit Vorträgen zum Thema Knochengesundheit an Ärzte und Patienten.

Über 700.000 Österreicher sind derzeit von Osteoporose betroffen. 2050 könnten es, aufgrund der demographischen Entwicklung, sogar doppelt so viele sein. Dennoch wird weniger als die Hälfte der Patienten nach einer Wirbelkörperfraktur einem Osteoporosemanagement zugeführt.

 

Viele Patienten denken, dass Osteoporose eine normale Alterserscheinung ist. Diagnostiziert wird sie oft erst nach einer Fraktur. „Dabei wäre eine Früherkennung relativ leicht möglich“, meint Prof. Dr. Heinrich Resch, Präsident der Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des Knochens und Mineralstoffwechsels und Vorstand der II. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien.

„Die WHO empfiehlt für jede Frau ab dem 65. und jeden Mann ab dem 70. Lebensjahr routinemäßig eine einmalige Knochendichtemessung. Davon ausgehend wird zusammen mit der Beurteilung des speziellen Risikoprofils und des klinischen Gesamtbildes entschieden, ob eine Therapie nötig ist oder nicht.“

Atypische Frakturen

Bei Stressfrakturen kommt es ohne Gewalteinwirkung zu einem schleichenden Versagen der Knochenstruktur. „Die Symptome dieser Veränderungen treten spontan ohne Trauma auf und sind im konventionellen Röntgen in der Anfangsphase oft nur schwer erkennbar“, erklärte Prof. Dr. Reinhard Windhager, Vorstand der Klinik für Orthopädie an der Medizinischen Universität Wien.

„Als ursächlich für diese atypischen Frakturen wurden in letzter Zeit Bisphosphonate bei langfristiger Applikation verantwortlich gemacht. In einer rezenten Analyse von drei großen Bisphosphonat-Studien mit über 14.000 Patienten konnte jedoch kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Langzeitbehandlung mit Bisphosphonaten und dem Auftreten von schleichenden und atypischen Frakturen hergestellt werden“, so Windhager.

Lebensqualität erhalten

Ist die Erkrankung bereits manifest, muss in der Regel eine medikamentöse Therapie erfolgen, die immer von einem maßgeschneiderten Bewegungsprogramm unterstützt werden sollte – eine ausschließliche Behandlung der Grunderkrankung ist nicht genug. „Die Sanierung der Fraktur, die Osteoporoseabklärung und -therapie sowie die Behandlung der funktionellen Beeinträchtigungen müssen zeitversetzt parallel laufen, um langfristig eine optimale Lebensqualität der Betroffenen zu gewährleisten“, so Prof. Dr. Elisabeth Preisinger, Leiterin des Instituts für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel, Wien.

Minimierung des Sturzrisikos

Die Minimierung des Sturzrisikos, auch im Spital, sei ein wesentlicher, weiterer Teil des Risikomanagements im Zusammenhang mit einer Osteoporose, erklärte Dr. Brigitte Ettl, Ärztliche Direktorin am Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel und Obfrau der Plattform Patientensicherheit. Dazu könne etwa eine Checkliste beitragen, auf der neben dem Ernährungszustand des Patienten, der Zustand des Herzkreislaufsystems und eine Neigung zu Stürzen erfasst wird. Auch ein Wechsel zu rutschfesten Socken statt der üblichen Hausschuhe im Krankenhaus könne den einen oder anderen Sturz verhindern.

Positiver Trend: Rückgang der Hüftfrakturen

„Ich freue mich, dass wir nach einem halben Jahrhundert Knochendichtemessen einen Aufbruch in eine neue Zeit erleben können“, leitete Resch sein Statement auf der Pressekonferenz zum 9. Wiener Osteoporosetag ein. „Wir haben die Hüftfrakturrate der letzten 20 Jahre analysiert und sehen, dass es 2006 zum ersten Mal zu einem Rückgang gekommen ist, dasselbe zeigt sich 2007 und 2008 und trifft auch auf andere hoch entwickelte Länder zu.“ Wünschenswert, so Resch, wäre es, wenn dieser Rückgang der vermehrten Awareness der Patienten und Fortschritten in der Pharmakologie zu verdanken sei.

Verbesserte Zusammenarbeit

Dr. Andreas Greslehner, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Direktion der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt, Wien, möchte in Zukunft vor allem stationäre Patienten auf der Unfallchirurgie einem Screening unterziehen, um festzustellen, ob eine Fraktur lediglich auf ein Trauma oder auch bereits auf eine Osteoporose zurückzuführen ist. Im letzteren Fall könnten, durch Überweisung an einen Osteoporose-Experten, weitere Frakturen verhindert werden.

 

Quelle: Pressekonferenz vom 22. Oktober anlässlich des 9. Wiener Osteoporosetages.

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