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Univ.-Doz. Dr. Werner Lill Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie
 
Zahnheilkunde 3. November 2010

Das Zahnfleisch im Fokus

Beim Zahnärztekongress 2010 präsentierte die Österreichische Gesellschaft für Parodontologie eine neue Initiative.

Parodontitis und ihre möglichen Folgen für die Gesundheit sind in der Bevölkerung noch zu wenig bekannt, obwohl Zahnfleischentzündungen die häufigste Ursache für Zahnfleischverlust sind. Um diesem Missverhältnis entgegenzuwirken, hat die Österreichische Gesellschaft für Parodontologie (ÖGP) mit Unterstützung der Österreichischen Zahnärztekammer (ÖZÄK) die Initiative „Schau auf dein Zahnfleisch!“ ins Leben gerufen.

Entsprechend der Bedeutung parodontaler Erkrankungen war auch ein Teil des Programms des Zahnärztekongresses diesem wichtigen Thema gewidmet: Prof. Sören Jepsen und Doz. Andreas Braun (beide Universität Bonn), Prof. Ulrich P. Saxer (Universität Zürich), Dr. Corinna Bruckmann und Prof. Hui Rausch-Fan (beide MedUni Wien) sprachen über verschiedene Aspekte der Diagnostik und Behandlung: unterstützende Lasertherapie, Bedeutung des Biofilmmanagements, Gefahr für Implantate im parodontitisinfizierten Gebiss, Risikoeinschätzung bei der aggressiven Parodontitis, regenerative Operationsmethoden sowie den Einfluss von Überlastungen der Zähne durch falsche Kontakte auf den Krankheitsverlauf.

Folgen von Bisphosphonaten

Ein weiterer wichtiger Vorlesungsblock beschäftigte österreichische und internationale Experten mit den sogenannten Bisphosphonaten. Diese Medikamente verlangsamen den Knochenumbau und werden gegen Osteoporose und Knochenmetastasen von bösartigen Tumoren eingesetzt. Eine unangenehme Nebenwirkung dieser Medikamente können dauerhafte und extrem schwer zu behandelnde Infektionen des Kieferknochens sein, die nach zahnärztlichen chirurgischen Eingriffen bei Einnahme dieser Medikamente aufzutreten drohen. Die Anzahl der weltweiten Verschreibungen von Bisphosphonaten ist von 20 Millionen im Jahr 2003 auf 190 Millionen Rezepte im Jahr 2009 gestiegen. Dass diese Problematik die Zahnärzte und Patienten immer mehr beschäftigen wird, ist daher evident.

Symptome nicht bagatellisieren

„Die Initiative „Schau auf Dein Zahnfleisch!“ unterstreicht die Bedeutung der Parodontologie und räumt mit dem weitverbreiteten Vorurteil auf, dass Parodontitis nicht erfolgreich behandelt werden kann“, erläutert Univ.-Doz. Dr. Werner Lill, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Parodontologie. Beschwerden und Symptome wie Zahnfleischbluten werden von vielen Betroffenen bagatellisiert und kaum als gesundheitliche Risiken eingestuft. Schlechte Zähne und entzündetes Zahnfleisch können den gesamten Organismus schädigen. Es gibt Hinweise, dass Parodontitis ein bedeutender Faktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Auch für Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder einer chronischen Erkrankung wie Diabetes können Parodontitisbakterien gefährlich werden. „Daher ist es besonders wichtig, die Patienten frühzeitig einer parodontalen Therapie zuzuführen“, so Lill.

Auf breiter Basis

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden rund 70 Prozent der Erwachsenen an Zahnfleischerkrankungen, mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Krankheiten des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates. Da Zahnfleischerkrankungen sehr langsam voranschreiten und die ersten Beschwerden wie Zahnfleischbluten häufig verharmlost werden, wird Parodontitis, also die Entzündung des Zahnhalteapparates, vielfach erst in einem fortgeschrittenen Stadium vom Patienten wahrgenommen und dadurch von Zahnärzten spät diagnostiziert. Langfristiges Ziel der Initiative ist es daher, das Bewusstsein für Zahnfleischerkrankungen und ihre möglichen Folgen in der Bevölkerung generell zu stärken. Idealerweise werden durch die Initiative besonders die Risikopatienten dazu animiert, regelmäßige Kontrolltermine bei ihrem Zahnarzt oder Parodontologen wahrzunehmen. „Schau auf Dein Zahnfleisch!“ wird darüber hinaus nicht nur an die ÖGP-Mitglieder, sondern auch an Mitglieder anderer medizinischer Fachgesellschaften und letztlich an alle in der Zahnmedizin relevanten Berufsgruppen kommuniziert. Als Kooperationspartner der Kampagne konnten in einem ersten Schritt die Österreichische Zahnärztekammer sowie die Österreichische Ärztekammer und die Ärztekammer für Wien gewonnen werden.

Die Aktion „Schau auf Dein Zahnfleisch“ stellt die Zahnfleischgesundheit der Österreicher in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen. Ein Apfel dient dabei als Logo der Initiative, das bei jeder Art der Kommunikation an alle Zielgruppen getragen wird. Mit diesem aufmerksamkeitsstarken Aktionslogo wurde ein unverwechselbares Markenzeichen geschaffen. In einem ersten Schritt werden Informationsmaterialien für Patienten und Servicematerialien für Zahnärzte auf der neuen Website der ÖGP als Downloads zur Verfügung gestellt. Das Informationsportal www.oegp.at ist nun technisch zeitgemäß, in anspruchsvoller Optik gehalten und vor allem userfreundlich. Die Patienten erhalten klare und übersichtliche Informationen über Ursachen, Symptome sowie die Behandlungsmöglichkeiten von Parodontitis.

ÖGP-Mitglieder werden zusätzlich via elektronischen Newsletter regelmäßig über Neues aus Wissenschaft und Forschung aus dem Bereich der Parodontologie informiert.

 

 www.oegp.at

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