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Foto: Kieser
Dr. Martin Weiß Facharzt für Allgemeinmedizin und Chirotherapie in Rosenheim (D) und verantwortlich für die Schulung der Ärzte im Kieser Training
 
osteoporose 27. Oktober 2010

Osteoporose ist kein Schicksal und heute absolut unnötig

Noch vor 30 Jahren nahm man an, dass Krafttraining jenseits der Altersgrenze von 40 Jahren nutzlos sei. Heute ist es wissenschaftlich belegt, dass die Muskulatur bis ins hohe Alter gut trainierbar und ein probates Mittel gegen Knochenschwund ist. Zum Glück haben wir die Grenzwertdiskussion hinter uns und halten uns mehr an das individuelle Frakturrisiko, in das eine Reihe von Faktoren einfließen und die Bewertung des T-Wertes unterschiedlich ausfallen lassen.

Eingeschlossen sind etwa das Alter und das Geschlecht, aber auch zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen, Schilddrüsenüberfunktionen oder die Immobilisierung. Der Differenzierungsgrad ist mit dieser Bewertung aus meiner Sicht hinreichend und davon leiten wir auch ab, welche Trainingsintensität wir wählen. Natürlich hat auch diese Einschätzung ihre Unschärfen, aber wir brauchen einfach „Kästchen“, in denen wir die Patienten klassifizieren können, um wenigstens Anhaltspunkte zu haben, wer mit welchem Risiko lebt.

Wir wissen heute sehr genau, dass Krafttraining dem Abfall an Knochenmasse entgegenwirkt und eines der effektivsten Osteoporose-„Medikamente“ ist. Bei ausreichender Versorgung mit Kalzium und Vitamin D kann Kieser Training, ein gesundheitsorientiertes Krafttraining, in der Vorsorge zu annähernd 100 Prozent zum Erfolg führen. Das gilt im Wesentlichen auch für leichte bis mittelschwere Osteoporose, wobei die Anforderungen an die Regelmäßigkeit und Genauigkeit des Krafttrainings höher sind.

Selbst bei fortgeschrittener Osteoporose liegt die Zunahme der Knochendichte bei 5 bis 15 Prozent allein im ersten Jahr. So eine Verbesserung erreicht kein Medikament. Wenn man seine Osteoporose mit Krafttraining bekämpft, braucht man in der Regel auch die recht teuren Medikamente nicht so lange zu nehmen. Außerdem gilt: Wer kräftige Muskeln hat, stürzt nicht so leicht und kann einen Sturz besser abfangen.

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  • Herr Mag. Gerald Brandt, 27.10.2010 um 20:06:

    „Die Aussage, dass Osteoporose kein unabwendbares Schicksal und somit vermeidbar ist, kann nicht allgemeingültig getroffen werden. Dafür gibt es schlichtweg zu viele genetische Faktoren, die unabhängig von individuellen Lebensgewohnheiten zu einer Knochenschwäche führen können.
    Ein solcher Faktor, der bis heute stark unterschäzt wird, ist das Enzym alkalische Phosphatase, das für die Mineralisierung der Knochen ebenso wichtig ist wie körperliche Aktivität und die Versorgung mit Kalzium und Vitamin D. Ein Mangel an alkalischer Phosphatase (Hypophosphatasie) ist in den meisten Fällen erblich bedingt und kann somit auch nicht über die Ernährung oder Physiotherapie ausgeglichen werden.“

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