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 Frau  Mann  - 2,0 bis -2,5  -2,5 bis -3,0  -3,0 bis -3,5  -3,5 bis -4,0  < -4,0  50 – 60  60 – 70  Nein  Nein  Nein  Nein  Ja  60 – 65  70 – 75  Nein  Nein  Nein  Ja  Ja  65 – 70  75 – 80  Nein  Nein  Ja  Ja  Ja  70 – 75  80 – 85  Nein  Ja  Ja  Ja  Ja  > 75  > 85  Ja  Ja  Ja  Ja  Ja  mit WK-Fraktur  Ja – Rasche Therapie wichtig, da hohes akutes Folgerisiko für WK-Frakturen!  Bei zusätzlichen Risikofaktoren wie 1. Proximale Femurfraktur eines Elternteils; 2. periphere Fraktur nach Bagatelltrauma; 3. fortgesetzter Nikotinkonsum; 4. multiple Stürze; 5. Immobilität ist das Risiko 1,5 – 2 x erhöht  „1,0“ T-Score frühere Therapie
 
Innere Medizin 26. Mai 2010

Osteoporosepatienten sind dramatisch unterversorgt

Frakturrate von 19,70 auf 10.000 Einwohner – Österreich ist Schlusslicht in Europa.

Prof. Dr. Marcus Köller forderte anlässlich eines Vortrags zum Thema Osteoporose im Wiener Sophienspital eine bessere Vernetzung zwischen niedergelassenen Ärzten und den Spitälern.

 

Jedes Jahr erleiden 16.000 Menschen in Österreich eine Hüftgelenksfraktur. 60 Prozent der Betroffenen erlangen nach einer solchen Fraktur nicht mehr ihre frühere Beweglichkeit zurück, 25 Prozent werden zu Pflegefällen und insgesamt ist die Osteoporose in Österreich die sechsthäufigste Todesursache beim älteren Menschen.

Österreichweit sind – Schätzungen zufolge – rund 750.000 Menschen an Osteoporose erkrankt. „In den kommenden 50 Jahren wird sich diese Zahl verdoppeln“, sagte Prof. Dr. Marcus Köller, Leiter der Internen Abteilung mit Schwerpunkt Akutgeriatrie und Remobilisierung im Sophienspital in einem Vortrag, den er anlässlich einer Veranstaltung mit dem Titel „Herausforderung Osteoporose – Beinharte Lösungen für Wien“ am 21. April im Wiener Sophienspital vor Bezirksärzten hielt. Diagnostiziert wird die Osteoporose in 77 Prozent der Fälle von Allgemeinmedizinern. Neun Prozent der Erkrankungen werden von Internisten, acht Prozent von Gynäkologen und sechs Prozent von Orthopäden diagnostiziert.

Allein in Wien mussten im Jahr 2000 (das sind die aktuellsten vorliegenden Zahlen) 11.611 Menschen im Alter von über 50 Jahren wegen einer Osteoporose-bedingten Fraktur stationär aufgenommen werden. Betroffen waren 9.358 Frauen und 2.253 Männer. Marcus Köller ortet besonders in der Basisversorgung, gerade bei älteren Patienten, Lücken: „Kalzium und Vitamin D gehören zur Basistherapie der Osteoporose“, so Köller, der sich eine bessere Vernetzung zwischen niedergelassenen Medizinern und den Kollegen in den Krankenhäusern wünscht.

Wann messen?

Frauen sollten ab dem 65. Lebensjahr zur Knochendichtemessung gehen. Wer Risikofaktoren aufweist, soll bereits ab dem 60. Lebensjahr eine Basis-Densidometrie (DXA) durchführen lassen. Für Männer gilt: Messen ab 70 Jahren. Patienten, die Erkrankungen mit dem Risiko einer Knochenmasseverminderung aufweisen, sollten bereits ab dem 60. Lebensjahr eine Knochendichtemessung durchführen lassen. Für Patienten, die voraussichtlich länger als drei Monate Cortison-Präparate einnehmen, ist ebenso eine DXA indiziert.

Altersabhängiges Frakturrisiko

Nach der Knochendichtemessung ist für eine sinnvolle Therapieentscheidung die Altersabhängigkeit für das Frakturrisiko zu bedenken. So gilt bei Frauen – nach den Richtlinien des deutschen Dachverbandes Osteologie e. V. – zwischen 50 und 60 Jahren und bei Männern zwischen 60 und 70 Jahren eine Therapieempfehlung erst bei einem T-Score von < 4,0. Ganz anders gestaltet sich dies bei Frauen über 75 und Männern über 85 Jahren. Hier muss bereits ab einem T-Score von -2,0 bis -2,5 behandelt werden (siehe Tab.). Aber auch hier gilt: Liegen zusätzliche Risikofaktoren wie etwa eine proximale Femurfraktur eines Elternteiles oder fortgesetzter Nikotinkonsum vor, erhöht sich das Frakturrisiko um den Faktor 1,5 – 2.

Frag den FRAX

Nicht immer ist aber gleich eine Knochendichtemessung notwendig. „Eine ausgezeichnete Möglichkeit, das Frakturrisiko einzuschätzen, stellt das WHO-Fracture Risk Assessment Tool – kurz FRAX – dar“, erläuterte Köller. Dieses Questionnaire ist unter der Adresse: www.sheffield.ac.uk/FRAX/ für alle europäischen Länder zu finden. „FRAX ermöglicht eine rasche Einschätzung des Risikos und benötigt nicht viel Zeit“, fasste Köller die Vorteile dieses Online-Fragebogens zusammen.

Abschließend stellte er das Programm PROTECT vor, das alle wesentlichen Eckpfeiler einer wirksamen Osteoporoseprävention und -therapie enthält: P steht für Prävention und damit für Maßnahmen, die allen Patienten zugute kommen sollen. R meint die Risiko-Evaluierung, die regelmäßig stattfinden soll. O steht für Observation, damit Zeichen osteoporotischer Frakturen rasch erkannt werden können. Der Buchstabe T steht für Test – und dies gilt für alle Risikopatienten. Das E meint „Erklärung“, damit Befunde richtig interpretiert werden können. C schließlich steht für die consecutive Messung für Patienten mit niedriger Knochendichte und T heißt Therapie – und die sollte, so Köller, immer adäquat sein.

Empfehlung für eine spezifische medikamentöse Therapie1, 2 ohne WK-Fraktur bei Lebensalter (Jahre) T-Wert (nur anwendbar auf DXA-Wert)
                                             
Tabelle
Risikofaktoren für die Entwicklung einer Osteoporose
1. Genetische Disposition:
a. erstgradig Verwandte mit osteoporotischen Frakturen
2. Prädisponierende Erkrankungen:
a. Hyperthyreose
b. COPD/Asthma
c. chronische Polyarthritis
d. Autoimmunerkrankungen
e. Leberzirrhose
f. Niereninsuffizienz
g. Nierensteine
h. Magenresektion
i. Darmerkrankung
j. Laktoseintoleranz
k. Diarrhoen
l. Karzinom
m. Hypogonadismus
n. Hyperkalziurie
3. Medikamente:
a. Cortisontherapie
b. Zytostatika
c. Psychopharmaka
d. Antiepileptika
a. Antikoagulantien
b. Antiöstrogentherapie
c. Antiandrogene
d. Immunsuppressiva
4. Lebensstil und Ernährung:
a. Rauchen
b. übermäßiger Alkoholkonsum
c. wenig Milch und Milchprodukte
d. wenig körperliche Betätigung
e. lange Immobilisation
f. niedriges Körpergewicht
g. starker Gewichtsverlust
h. geringe Sonnenexposition
5. Sexualanamnese:
a. später Eintritt in die Pubertät
b. Zyklus häufig unregelmäßig
c. lange (> 6 Monate) gestillt
d. keine Hormontherapie bei Ovarektomie
e. frühe Menopause (< 47 a)
Empfehlung für eine spezifische medikamentöse Therapie1, 2
ohne WK-Fraktur bei Lebensalter (Jahre)T-Wert (nur anwendbar auf DXA-Wert)
Frau Mann - 2,0 bis -2,5 -2,5 bis -3,0 -3,0 bis -3,5 -3,5 bis -4,0 < -4,0
50 – 60 60 – 70 Nein Nein Nein Nein Ja
60 – 65 70 – 75 Nein Nein Nein Ja Ja
65 – 70 75 – 80 Nein Nein Ja Ja Ja
70 – 75 80 – 85 Nein Ja Ja Ja Ja
> 75 > 85 Ja Ja Ja Ja Ja
mit WK-Fraktur Ja – Rasche Therapie wichtig, da hohes akutes Folgerisiko für WK-Frakturen!
Bei zusätzlichen Risikofaktoren wie 1. Proximale Femurfraktur eines Elternteils; 2. periphere Fraktur nach Bagatelltrauma; 3. fortgesetzter Nikotinkonsum; 4. multiple Stürze; 5. Immobilität ist das Risiko 1,5 – 2 x erhöht  „1,0“ T-Score frühere Therapie
Tabelle

Von Sabine Fisch, Ärzte Woche 21 /2010

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