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Bewegung und Stressabbau sind einige der Faktoren, die Gesundheit fördern.
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Prof. Dr. Markus Metka Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien

 

Lifestyle statt Pillen

Positiver Lebensstil ist der wichtigste Parameter für gesundes Altern.

Möglichst alt werden und dabei noch gesund bleiben – das ist ein großer Wunsch, der nicht zuletzt an Altersforscher herangetragen wird. Die Ärzte Woche sprach mit dem Gynäkologen und Anti-Aging-Experten Prof. Dr. Markus Metka, Medizinische Universität Wien, über 20 Jahre Menopause-Kongress und die Entwicklung der Altersforschung in diesem Zeitraum.

 

Der Fokus in der Anti-Aging-Medizin ist von Hormonen und anderen pharmakologischen Präparaten hin zu Empfehlungen zu einem gesünderen Lebensstil gerückt. Der Kongress punktet daher auch mit Interdisziplinarität, wie Prof. Dr. Markus Metka im Interview erklärt.

 

20 Jahre Menopausekongress: In diesen zwei Dekaden hat sich auf dem gynäkologischen Sektor viel getan.

Metka: Ich erinnere mich, dass wir vor 20 Jahren zu Beginn des Kongresses als Gynäkologen erstmalig auf die Problematik der Osteoporose hingewiesen haben. Bei Internisten oder Orthopäden war dies noch kein Thema. Damals schon haben wir hierfür die Früherkennung propagiert und eingeführt. Später wurde dies ein riesiger Boom. Und heute haben wir es mit dem Phänomen zu tun, dass die Osteoporose nicht mehr zur Kompetenz der Gynäkologie gezählt wird. Dies halte ich für nicht richtig.

 

Welchen Stellenwert hat hier die Gynäkologie?

Metka: Wir sind in der Lage, die Risikogruppen lange vor Manifestation der Erkrankung, zu erkennen. Wenn etwa eine 20-jährige Frau mit Amenorrhoe vorstellig wird, so werden wir sie in der Praxis auf die Problematik einer möglichen Osteoporose hinweisen und therapeutisch frühzeitig gegensteuern. Liegt die Krankheit bereits vor, wenden sich die Menschen natürlich in erster Linie an die orthopädischen oder internistischen Kollegen. So werden wir nicht müde, in den Osteoporose-Sitzungen darauf hinzuweisen, wie wichtig die Gynäkologie hier ist.

 

Im Laufe der vergangenen 20 Jahren kann auch die Hormonersatztherapie (HRT) auf eine bewegte Geschichte verweisen.

Metka: Es ist eine fast unglaubliche Story. Vor 20 Jahren bestand ein großer Bedarf an Aufklärung der Bevölkerung und der Ärzte zur Hormonersatztherapie. Das Pendel schlug danach sicher zu extrem aus, dies muss man selbstkritisch anmerken. In den letzten Jahren hat sich jedoch eine irrationale Beurteilung dieser Behandlungsform etabliert. Alles, was irgendwie mit Hormonen zu tun hat, wird mit Gift gleichgesetzt. Nun gilt es erneut, viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

 

Dies wird auch auf dem diesjährigen Kongress thematisiert ...

Metka: Wir werden heuer versuchen, die zahlreichen Indikationen für eine Hormongabe herauszustreichen. Schließlich wird viel Schaden angerichtet, wenn nun zu restriktiv vorgegangen wird. Bei vielen Risikogruppen kann dies zu großen Problemen führen. Diese Verteufelung müssen wir dringend korrigieren.

 

Welche neuen Aspekte berücksichtigt die moderne Altersforschung?

Metka: Wir bemühen uns, Krankheiten, die mit dem Altern assoziiert sein können, frühzeitig zu erkennen und Gegenstrategien zu entwickeln. So müssen wir uns stets die Frage stellen, welche Analysen sinnvoll sind und welche sich als nicht hilfreich erwiesen haben. Auch hier gab es in den letzten Jahren ein großes Auf und Ab. Nach der Erforschung des Genoms mit seinen Polymorphismen oder des Proteoms konzentrieren sich die neuen Analyseverfahren auf das Metabolom, wo Stoffwechselvorgänge auf zellulärer Ebene gemessen werden.

 

Wohin geht der Trend?

Metka: Es ist in den letzten 20 Jahren ein interessanter Trend zu beobachten, dass wir immer mehr weg von Pharmaka, auch von Hormonen, in Richtung Lifestyle driften. Ging es früher darum, welches Hormon in welcher Form bei welcher Indikation zu verabreichen ist, so steht heute die Ernährung oder die Bewegung im Vordergrund. Wenn wir uns mit der Menopause oder Anti-Aging beschäftigen, so stellt die positive Modifikation des Lebensstils eine der wichtigsten Bereiche dar, um gesund zu altern und alt zu werden. Und diesem Umstand werden wir nun auch auf dem Kongress gerecht: Sport- und bewegungsmedizinische Aspekte finden sich hier ebenso wie die Psychosomatik. Wir haben den Überbegriff der Spiritualität als besonders wichtigen Faktor gewählt. Betrachtet man Personen, die das 100. Lebensjahr erreicht haben, so sieht man, dass es sich um durchwegs schlanke Personen mit positiven Stressbewältigungsmechanismen handelt.

 

Was ist als Besonderheit der Jubiläumsveranstaltung zu nennen?

Metka: Die Interdisziplinarität ist das Geheimrezept unseres Kongresserfolges. Nur auf diese Weise kann an die Problematik des Klimakteriums und des Anti-Aging herangegangen werden.

Wir bieten in diesem Rahmen eine Reihe interessanter Workshops. So sollen die Fettsäuremetabolismen nicht nur wissenschaftlich beleuchtet, die Vorteile von omega-3- und omega-6-Fettsäuren, von Linol- und Linolensäure theoretisch aufgezeigt werden, all dies wird auch praktisch präsentiert. Von einer Olivenöldegustation über Kochworkshops bis hin zur Vermittlung von praktischer Philosophie. Lifestyle schlägt sich auch im Kongress nieder.

 

Das Gespräch führte Dr. Ronny Teutscher

Von Dr. Ronny Teutscher, Ärzte Woche 49 /2009

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