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Foto: Buenos Dias/photos.com / wikipedia
Bei Frauen mit einer Überfunktion steigt das Osteoporose-Risiko.
 
Endokrinologie 30. September 2009

Hyperthyreose verkürzt Leben

Auch bei einem subklinischen Befund sollte eine Therapie eingeleitet werden.

Eine Metaanalyse ergab, dass bereits eine leichte Überfunktion der Schilddrüse die Sterblichkeit um 41 Prozent erhöht. Dies betrifft vor allem Männer ab dem 60. Lebensjahr.

Produziert die Schilddrüse zu große Mengen Hormone, führt dies zu schwereren Folgen als bisher angenommen: Belgische Forscher stellten fest, dass sich die Sterblichkeit von Menschen, insbesondere von Männern ab dem 60. Lebensjahr, um 41 Prozent erhöht, auch wenn sie an einer nur leichten Überfunktion leiden.

Häufiger Vorhofflimmern

Angesichts der neuen Erkenntnisse ist auch bei einer subklinischen Hyperthyreose zur Therapie zu raten. Diese fällt meist zufällig bei einer Laboruntersuchung durch eine erniedrigte Konzentration des Hormons Thyreotropin (TSH) im Blut auf. Dieses Hormon aus der Hirnanhangdrüse regt beim Gesunden in geregelter Form die Bildung der Schilddrüsenhormone an. Wenn bei Schilddrüsenerkrankungen deren Zellen aber zu viel Hormon produzieren, wird das TSH unterdrückt. Langfristig wird der Körper durch diese Überfunktion geschädigt: Die Betroffenen erkranken im Alter häufiger an Vorhofflimmern. Bei Frauen kommt es außerdem häufiger zu Osteoporose.

Derzeit wird untersucht, ob durch eine Therapie der subklinischen Hyperthyreose einem Vorhofflimmern vorgebeugt werden kann. Eine Behandlung könnte auch Beschwerden lindern, die bisher nicht mit einer Überfunktion der Schilddrüse in Verbindung gebracht werden. Dazu gehören etwa Angststörungen. Untersuchungen zeigen, dass Schilddrüsenhormone direkt auf Zentren im Gehirn wirken, die das Gefühlsleben steuern, heißt es von Seiten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. So leide jeder zweite Mann mit erhöhten Schilddrüsenhormonen unter Erektionsstörungen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann, häufiger bei Jüngeren, durch die Basedow‘sche Erkrankung hervorgerufen werden. Bei Älteren wiederum, insbesondere mit Knoten oder größeren Kröpfen, werden die Schilddrüsenzellen selbst autonom und entziehen sich der Regulation durch die Hirnanhangdrüse.

Therapie

Für die Behandlung einer Hyperthyreose stehen drei Verfahren zur Auswahl: Bei der Basedow‘schen Krankheit hemmen Thyreostatika die Bildung der Hormonüberproduktion zeitweise. Eine dauerhafte und nebenwirkungsarme Behandlung ist die Radiojodtherapie. In anderen Fällen, etwa bei einem Knoten oder bei ausgeprägtem Kropf, kann eine Operation die Ursache der Überfunktion beseitigen. Der Endokrinologe muss den Patienten dauerhaft – das heißt jahre- und jahrzehntelang – begleiten, um ein Wiederaufflackern der Überfunktion erkennen und behandeln zu können. Kontrollen sind auch notwendig, um eine – oft erst nach vielen Jahren auftretende – Unterfunktion der Schilddrüse rechtzeitig zu entdecken.

 

Quelle: Kharlip, J., Cooper, D. S.: Lancet 2009; 373: 1930-2

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