zur Navigation zum Inhalt
 
Orthopädie 14. Juli 2009

Chronischer Rückenschmerz muss behandelt werden

Fachübergreifende Zusammenarbeit und moderne minimal-invasive Therapieverfahren führen zum Erfolg.

Durch die Entwicklung moderner Therapiekonzepte kann heutzutage bei vielen Patienten mit Rücken- und Nackenschmerzen auf eine Operation verzichtet und mit geringerem Aufwand ein zufriedenstellender Erfolg erzielt werden. Besonders wichtig ist bei der Abklärung und Therapieplanung jedoch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit, um dem Patienten unnötige Eingriffe zu ersparen und mittels individuellem Behandlungsrahmen gute Erfolge zu erzielen.

 

Vier von fünf Menschen sind laut verschiedener Statistiken zumindest zeitweise von Rückenschmerzen betroffen, in vielen Fällen strahlt der Schmerz auch ins Bein oder in den Arm aus und schränkt damit die Beweglichkeit zusätzlich ein. Arbeitsunfähigkeit und eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität sind häufige Folgen. Hauptverursacher von Rückenschmerzen sind neben Muskeldysbalancen und Haltungsfehlern vor allem Abnützungen und Erkrankungen der Gelenke, Bandscheiben und Knochen. Während man früher davon ausging, dass sich akute Schmerzzustände auch ohne Behandlung rasch spontan bessern, weiß man mittlerweile, dass ohne adäquate Therapie kurz- bis mittelfristig mit einer hohen Rückfallrate zu rechnen ist und auf diese Art die Beschwerden chronisch werden können.

Kriterien der adäquaten Therapie

Während für die Behandlung akuter Rückenschmerzen hauptsächlich schmerzstillende Medikamente verabreicht werden, steht für die Therapie chronischer Rückenschmerzen ein reichhaltiges Angebot zur Verfügung. Neben der physikalischen Therapie werden häufig sogenannte „blinde“ Infiltrationen in die Muskulatur durchgeführt. Studien zeigen, dass bei diesen Infiltrationen die Medikamente in 40 bis 50 Prozent der Fälle nicht dorthin gelangen, wo sie ankommen sollten, nämlich am Ort der Ursache des Schmerzgeschehens. Häufig wird dann diese Therapie allgemein als unwirksam verworfen und zu rasch die Entscheidung für einen orthopädisch-neurochirurgischen Eingriff an der Wirbelsäule getroffen. Diese Operationen haben jedoch öfter auch wesentliche Nachteile für den Patienten. Bei akuten Lähmungen im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall oder hochgradig knöchernen Einengungen des Wirbelkanals ist die Operation nach wie vor Methode der Wahl. Für einen Großteil der Rückenschmerzpatienten hat sich das Nutzen-Risikoprofil dieser Eingriffe aber nicht als optimal erwiesen, zudem ist der Langzeitnutzen nicht gesichert. Oft führen Wirbelsäulenoperationen kurzfristig zu guten Ergebnissen, langfristig aber sogar zu intensiveren Schmerzen aufgrund von Narbenbildungen und verstärkter Abnützung in den benachbarten Segmenten sowie zu weiteren Operationen an der Wirbelsäule.

Neue Perspektive durch Mikrotherapie

Die relativ neue Methode der Mikrotherapie könnte hier völlig neue Perspektiven eröffnen. Das Prinzip heißt weg von großen, offenen Operationen und hin zu minimal-invasiven Eingriffen mittels Bildsteuerung. Beim Rückenschmerz stehen im Wesentlichen drei verschiedene Ansätze für die wichtigsten Schmerzursachen zur Verfügung: Das ist zum einen die bildgesteuerte Infiltration oder Injektion von schmerz- und entzündungshemmenden Substanzen direkt an die Nervenwurzel, in die Bandscheibe, um das Rückenmark oder in das Wirbelgelenk. Sie führt bei richtiger Indikationsstellung in mehr als 70 Prozent der Fälle zu Schmerzfreiheit oder einer deutlichen Schmerzlinderung. Als zusätzliche Option bei unzureichendem Therapieerfolg ist neuerdings die Reduktion von Bandscheibenmaterial bei Vorfällen und Vorwölbungen mittels Laser oder Kanüle über einen kleinen Hautstich unter Lokalanästhesie möglich. Der Vorteil dieser Technik liegt in der Vermeidung der Vollnarkose, des Schnitts, der postoperativen Schmerzen und somit einer deutlich kürzeren Rekonvaleszenz. Die Erfolgsaussichten einer etwaigen späteren Operation werden nicht verringert. Liegen als Schmerzursache bei Osteoporosepatienten oder Patienten mit Wirbelkörpermetastasen Wirbelkörperbrüche vor, wird die Injektion von Knochenzement (Vertebroplastie) angeboten. Bei dieser Methode liegen die Erfolgsraten über 90 Prozent und die Patienten sind nach dem Eingriff rasch mobilisierbar.

Moderne Rückenschmerztherapie sollte auf jeden Fall interdisziplinär erfolgen. Am Zentrum für Mikrotherapie an der Wiener Privatklinik werden zum Beispiel alle Patienten, die schon länger als drei Wochen unter andauernden Rücken- und/oder Nackenschmerzen mit oder ohne Schmerzausstrahlung oder belastungsabhängige Beinschmerzen leiden, in enger fachübergreifender Zusammenarbeit mit Spezialisten der physikalischen Medizin, Orthopädie und Neurochirurgie abgeklärt. Im Anschluss wird für jeden ein optimales individuelles Behandlungskonzept erstellt.

 

 Internettipp: Detailinformationen zum Thema: www.pk-mikrotherapie.at

 

Doz. Dr. Robert Bucek ist Facharzt für Radiologie und Leiter des Zentrums für Mikrotherapie an der Wiener Privatklinik.

Von Doz. Dr. Robert Bucek, Ärzte Woche 28 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben