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Allgemeinmedizin 23. Juni 2009

Meinungen und Fehlmeinungen

Umfrage unter Allgemeinmedizinern zur Prävention der Osteoporose.

Alle niedergelassenen Ärzte für Allgemeinmedizin in Österreich haben einen strukturierten Fragebogen zugesendet bekommen. Lediglich 3,2 Prozent schickten ihn an die Studienautoren um Dr. Thomas Dorner, MPH, vom Institut für Sozialmedizin, Zentrum für Public Health der MedUni Wien, zurück. Dennoch lassen die Untersuchung und der Vergleich mit Ergebnissen aus einer gleichartigen Befragung im Jahr 1993 den Trend der Meinungen und Einstellungen der Ärzte zum Thema Osteoporose erkennen. Sie zeigen, dass es noch Spielraum für Verbesserungen in der Prävention und im Management der Osteoporose gibt.

Im Management von Osteoporose kommt Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern eine Schlüsselrolle zu. Die Ergebnisse der Fragebogenaktion wurden mit jenen von 1993 verglichen. 84,4 Prozent der befragten Ärzte sahen die Public-Health-Relevanz von Osteoporose als „ziemlich wichtig“ oder „sehr wichtig“ an, verglichen mit 49,2 Prozent 1993. 83,3 Prozent erachteten die Osteoporoseprävention als „effektiv“ oder „sehr effektiv“. Dieser Anteil ist gestiegen, 1993 waren es noch 66,2 Prozent. Warum, erscheint unklar. Möglicherweise führten die demografischen Veränderungen in der Bevölkerung und damit der Erhöhung der Prävalenz von Osteoporose zu einer erhöhten Aufmerksamkeit. Auch die verbesserten Möglichkeiten von Diagnose, Therapie und Rehabilitation könnten verantwortlich sein. Nicht zuletzt könnten in letzter Zeit durchgeführte Awareness-Kampagnen zur Bedeutung der Osteoporose die Aufmerksamkeit der Allgemeinmediziner verstärkt haben.

Meinung zu den Risikofaktoren

Als stärksten Risikofaktor sehen die Praktiker fehlende körperliche Aktivität an. Geringes Körpergewicht und Zigarettenkonsum werden nur von 37,5 und 20,7 Prozent der antwortenden Ärzte als wichtige Risikofaktoren bewertet. Dabei besteht eine hohe Evidenz für diese Zusammenhänge. Es müssen hier wohl noch größere Anstrengungen unternommen werden, um diese wichtige Information in die medizinische Gemeinde zu transportieren, betonen die Studienautoren.

Weniger als die Hälfte der Ärzte erachtete Rauchen, missbräuchlichen Alkoholkonsum, Vitamin-D-Mangel, eine generell eher ungesunde Ernährungsweise und raschen Gewichtsverlust als Faktoren, die für eine Knochenmineraldichtemessung sprechen, obwohl diese als Osteoporose-Risikofaktoren bekannt sind.

Erhebung der Risiken

Nur jeder dritte niedergelassene Arzt (33,6 Prozent) gab an, vor einer Knochenmineraldichtemessung ein standardisiertes Risiko-Assessment durchzuführen. Und das, obwohl es klare Empfehlungen in den nationalen und internationalen Leitlinien für ein solches Vorgehen gibt.

Möglichkeiten der Prävention

Nahezu alle Befragten gaben körperliche Bewegung als „sehr effektiv“ für die Vorbeugung an. Sie nimmt im Ranking „effektive Osteoporoseprävention“ nach Meinung der Hausärzte den ersten Platz ein, gefolgt von kalziumreicher Ernährung sowie Vitamin D- und Kalziumsupplementierung. Der Anteil der Allgemeinmediziner, die körperliches Training als „gute Methode“ zur Sturzprävention anpreisen, erscheint eher klein. So empfehlen 57,5 Prozent der Befragten Balancetraining, 48,1 Prozent Krafttraining und 42,3 Prozent Ausdauertraining.

Quelle: Dorner et al.: „Meinungen und Einstellungen österreichischer Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner zu Osteoporose“. Wiener Medizinische Wochenschrift 9–10/2009, Seite 247 © Springer-Verlag Wien.

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 25 /2009

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