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Molekulare Medizin 17. Oktober 2007

Nanotechnologie in der Medizin

Die Vision der punktgenauen Intervention in der Zelle ist bestechend. Es wird aber noch viele Jahre dauern, bis Nanomedizin klinische Wirklichkeit werden kann. Nanotechnologie ist eine Querschnittstechnologie, deren Kennzeichen die konstruktive Beherrschung und das Hantieren mit einzelnen Molekülen und Atomen in Größenordnungen von nur einigen Nanometern ist.

Experten rechnen damit, dass die Palette möglicher medizinischer Interventionen durch die Nanotechnologie bereits in den nächsten 20 Jahren deutlich wachsen wird. Die Hoffnungen konzentrieren sich vor allem auf Krebs, kardio­vaskuläre Erkrankungen, Autoimmunkrankheiten und virale Infektionen. Erste In-vivo-Anwendungen sind beispielsweise in Tumorzellen eingebrachte Nanopartikel, die durch ein Magnetfeld erhitzt werden und den Tumor zerstören. Auch der Einsatz von Nanostrukturen als Biomarker oder für die gezielte Medikamentenabgabe wird bereits genutzt.

Unklare Folgen der Nanomedizin

Das Nebenwirkungspotenzial der Nanomedizin ist aber noch höchst unklar: Als Folgen ihrer Kleinheit sind Nanopartikel äußerst reaktionsfreudig, was die Bildung freier Radikale und damit die Tumorbildung begünstigt. Die hohe Mobilität von Nanopartikeln, ihre Fähigkeit, Barrieren zu durchdringen, prädestiniert sie für zielgenauen Einsatz im Körper, macht sie für diesen aber auch gefährlich. Die langfristigen Auswirkungen von unerwünschtem Eindringen und Einlagerungen synthetischer Nanopartikel in Lunge oder Gehirn sind noch wenig erforscht, eine Toxizität ist aber wahrscheinlich.
Während schon in wenigen Jahren nanotechnologische Diagnoseverfahren verfügbar sein könnten, die schneller, genauer und oft schon vor Ausbruch einer Krankheit anwendbar sind, sind in der Therapie große Durchbrüche nicht so bald zu erwarten. Die Schere zwischen Diagnoseerkenntnissen und den effektiv möglichen Therapien könnte noch größer werden.
Sobald medizinische Anwendungen klinisch verfügbar sein sollten, werden sie auch gesellschaftliche Implikationen mit sich bringen: z. B. könnte der Druck zur Vorsorge steigen und die Akzeptanz für Krankheit sinken. Missbrauchsrisiken, wie z. B. der Manipulation am Genom, muss rechtzeitig durch legistische Maßnahmen begegnet werden.

Quelle: HTA-Newsletter Nr. 60
http://hta.lbg.ac.at

Elisabeth Breyer, Ärzte Woche 42/2007

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