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Psychiatrie und Psychotherapie 5. September 2012

Die molekularen Ursachen der Internetsucht

Viele Menschen tummeln sich stundenlang online und fühlen sich sofort unwohl, wenn sie dazu einmal keine Möglichkeit haben. Medizinisch ist das Phänomen noch nicht so klar erfasst wie etwa die Nikotin- oder Alkoholabhängigkeit. Eine Studie gibt nun Hinweise auf molekulargenetische Zusammenhänge.

Insgesamt 843 Menschen wurden zu ihrem Internetverhalten befragt. Die Auswertung zeigte, dass davon 132 Personen ein problematisches Verhalten im Umgang mit dem Online-Medium aufweisen: Sie befassen sich im Alltag gedanklich sehr ausgeprägt mit dem Internet und fühlen sich in ihrem Wohlbefinden stark beeinträchtigt, wenn sie darauf verzichten müssen.

Häufung einer Genvariation

Das Erbgut der problematischen Internetnutzer wurde mit gesunden Kontrollpersonen verglichen. Dabei stellte sich heraus, dass bei ersteren deutlich häufiger eine Mutation auf dem Gen CHRNA4 vorlag, die das Erbgut für die Untereinheit alpha 4 am nikotinergen Acetylcholinrezeptor verändert. Vom nikotinergen Acetylcholinrezeptor ist bekannt, dass eine Mutation auf dem dazu gehörigen Gen das Suchtverhalten fördert. Das im Tabak vorkommende Nikotin passt genauso wie das vom menschlichen Körper produzierte Acetylcholin auf den Rezeptor. Beide Botenstoffe spielen eine wichtige Rolle für die Aktivierung des Belohnungssystems im Gehirn. Dieser Zusammenhang ist offenbar nicht nur für die Nikotinsucht von Bedeutung, sondern auch für die Internetsucht.

Frauen sind stärker betroffen

Die Genvariante tritt insbesondere bei Frauen mit problematischem Internetverhalten gehäuft auf, obwohl eher Männer als Frauen zu Online-Suchtverhalten neigen. Möglicherweise ist der geschlechtsspezifische genetische Befund auf eine spezielle Untergruppe der Internetabhängigkeit zurückzuführen.

Montag C et al.: J Addict Med. 2012 Sep; 6 (3): 191–195.

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