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Onkologie 28. September 2009

Update Glioblastom

Bewegung durch die Kombination mit Biologicals

Maligne Glioblastome sind mit etwa 600 Neuerkrankungen pro Jahr in Österreich die häufigsten und aggressivsten malignen Tumore des ZNS im Erwachsenenalter. Seit der Stupp-Studie, einer randomisierten Phase-III-Studie 2007 im New England Journal publiziert, kam Bewegung in die Primärbehandlung des malignen Glioblastoms. Es konnte gezeigt werden, dass durch die Zugabe von Temozolomid zur postoperativen Radiotherapie das Gesamtüberleben signifikant verlängert werden konnte. Ein ähnlicher Meilenstein ist die Phase-II-Studie von Vredenburgh, publiziert im Journal of Clinical Oncology 2007, die beim rezidivierten Glioblastom eine Responserate von 66 % durch die Kombination von Bevacizumab und Irinothecan ereichte. Beim ASCO 2009 in Orlando konnte der Aufwärtstrend in der Behandlung des malignen Glioblastoms weiterverfolgt werden. Die Oral-Präsentation teilte sich in zwei Teile, die Behandlung des primären und die des rezidivierten Tumors.

Shift im Survival?

Es wurden vier Phase-II-Studien zur Primärtherapie des operierten malignen Glioblastoms vorgestellt. Die Standardtherapie nach Strupp mit Temozolomid und Radiotherapie wurde um die experimentelle Therapie ergänzt und mit zwei historischen Kontrollgruppen aus der eigenen Institution, UCLA/Kaiser, und mit der Stupp-Studie, EORTC/NCI Canada, verglichen. In der Studie von Lai (2008) konnte gezeigt werden, dass die Zugabe von Bevacizumab zu Temozolomid und Radiotherapie machbar und sicher ist. An Nebenwirkungen sind etwas mehr Neutro- und Thrombopenien unter Bevacizumab beobachtet worden. Das progressionsfreie Überleben ist gegenüber den historischen Kontrollgruppen signifikant besser. Der primäre Endpunkt des Gesamtüberlebens war aufgrund der möglichen Rezidivtherapie mit Bevacizumab nach Progression nicht signifikant unterschiedlich. Überraschend war, dass auch die weiteren experimentellen Therapien Cilengitide, ein Intergrin und Angiogenese-Inhibitor, Poly-ICLC, eine Vaccine mit antiproliferativer und antiapoptotischer Wirkung und Talampanel, ein AMPA-Rezeptor Antagonist, nahezu idente progressionsfreie Überleben zeigten wie Bevacizumab. Die Toxizität der drei Substanzen war minimal im Vergleich zu alleiniger Radiotherapie und Temozolomid. Ob ein Shift im Survival auftritt, kann durch Phase-II-Studien nicht bewiesen werden. Die erfolgversprechendste Substanz ist mit Sicherheit Bevacizumab. Aber erst die Ergebnisse von randomisierten Phase-III-Studien werden die Antwort geben können.

Kombinierte Targeted-Therapie des rezidivierten Glioblastomas

Neben VEGFR als Target für maligne Gliome sind Überexprimierung und Mutationen des EGF-Rezeptors, Mutationen von PTEN und Ras/Raf, interessant. Enttäuschend waren jedoch die Ergebnisse dreier Phase-I/II-Studien, die die Kobinationen Erlotinib und Temsirolimus, Sorafenib und Erlotinib und Sorafenib und Temsirolimus testeten. In der Phase-I musste wegen unerwarteter Toxizität die Dosis von Temsirolimus, Sorafenib und Erlotinib reduziert werden. In den Phase-II-Studien war die Effektivität mit progressionsfreiem Überleben von 7 bis 8 Wochen aufgrund der Unterdosierung, aber auch durch Aktivierung von überlappenden Signalkaskaden zu gering, um weitere Studienempfehlungen abzugeben.

Zur Person
OA Dr. Brigitte Mlineritsch
Universitätsklinik für Innere Medizin III
Paracelsus Medizinische Privatuniversität
LKH Salzburg
Müllner Hauptstraße 48
5020 Salzburg
Fax: ++43/662/4482-3400
E-Mail:

Brigitte Mlineritsch, Salzburg, Wiener Medizinische Wochenschrift Skriptum 10/2009

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