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Molekulare Medizin 16. September 2009

Induzierte pluripotente Stammzellen

Einer Arbeitsgruppe um Hans Schöler vom Max-Planck-Institut (MPI) für molekulare Biomedizin in Münster ist es erstmals gelungen, humane Nervenzellen durch Einbringen eines einzigen Gens in sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) umzuwandeln.

Die Zellen könnten laut Nature (2009; doi:10.1038/nature08436) Ausgangspunkt für die Therapie neurologischer Erkrankungen werden, so das Deutsche Ärzteblatt (online, 28. 08. 2009).

Vor gerade einmal drei Jahren war japanischen Forschern erstmals die Bildung von iPS geglückt. Ausgangsmaterial waren damals Fibroblasten, die sich in Zellkulturen leicht vermehren lassen. Die Forscher hatten sie der Haut von Mäusen entnommen. Die Integration von Genen, die mit Viren erfolgt, ist jedoch riskant, da schwer vorherzusagen ist, an welcher Stelle sich die Gene im Genom integrieren. Ist dies in der Nähe eines Onkogens der Fall, kann es schnell zur Bildung von Tumoren kommen.

Wissenschaftlicher Wettlauf

In der Folge setzte ein Wettbewerb ein, die IPS mit möglichst wenigen Fremdgenen zu realisieren, und zwar nicht nur im Tierversuch, sondern auch beim Menschen. Mit der aktuellen Studie ist ein wichtiges Zwischenziel erreicht. Mithilfe eines Retrovirus schleusten die Forscher ein einziges Gen (Oct-4) in menschliche Zellen ein und verwandelten diese in eine IPS. Dies gelang ihnen zudem noch an Nervenzellen, die sich in Zellkulturen nur sehr schwer vermehren lassen. Diese Zellen könnten zum Ausgangspunkt neuer Therapien neurologischer Erkrankungen werden. Der Trend geht derzeit dahin, Stammzellen aus Zellen jener Gewebe zu generieren, für die sie später benötigt werden. Die Frage, ob sie für Therapien am Menschen geeignet sind, ist allerdings noch offen.

 

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