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© Petro Domenigg FILMSTILLS.AT KG / Thimfilm
Verlebt und faszinierend zugleich: Krisch ist Jack.
 
Leben 31. August 2015

Kinotipp: Jack Unterweger im Kino

Jack – Poet, Liebhaber, Mörder

Ein Film von Elisabeth Scharang mit Johannes Krisch, Corinna Harfouch, Birgit Minichmayer, Paulus Manker und anderen.

Die Schreibmaschine ist sein Weg in die Freiheit. Nur der Gefängnispsychologe Ziehofer (gespielt von Paulus Manker) kratzt sich am Bart und glaubt nicht an die Läuterung des verurteilten Mädchenmörders Jack Unterweger. „Wird es (das Manuskript seines Buches, Anm.) genügen, die Dämonen zu besiegen?“ Frauen haben den Aufstieg Unterwegers vom Gefängnis-Poeten zum Society-Liebling wesentlich befördert, als Leserinnen, Gönnerinnen, Netzwerkerinnen. Der wortkarge Häfenbruder meistert nach 15 Jahren des heftig verspürten Haftübels den Wiedereinstieg in die Gesellschaft und wird zum neuen „King of Cool“ in der Kultur-Schickeria und Medien-Szene. Eine Geliebte finanziert ihm eine Wohnung, eine Reporterin verhilft dem Dandy im weißen Anzug zu einem Buchvertrag, und man hat das Gefühl, alle wollen mit ihm ins Bett – sogar die junge Regieassistentin nach seinem „Club 2“-Auftritt im Fernsehen. „Wie machst du das nur?“, fragt ihn sein Verleger. Jacks Antwort im Film: „Frauen mögen es nicht, wenn man zu viel über sich selbst redet. Man muss ihnen zuhören, ihnen die Chance lassen, alles für dich zu geben.“

Das klingt als ausgesprochener Dialog platt. Auch der Schmäh, mit dem Unterweger (Krisch) seiner Redakteurin (Minichmayer) schmeicheln will, kommt etwas ungelenk daher: „Du hast einen wunderbaren Arsch.“ Die Rundungen der Journalisten überzeugen den wortkargen Mann binnen Sekundenbruchteilen davon, die angebotene Reportage im Huren-Millieu trotz seiner anfänglichen Ablehnung zu übernehmen. Hinter der glatten Fassade lauert der Peitscherlbua Jack.

Unterwegers Aufstieg war nicht nur herbeigeschrieben – er war erwünscht. Das liberale Bürgertum schmückte sich mit einem resozialisierten Mörder. Als Jacks Mutter unerwartet auftaucht, bekommt die neue Fassade Risse. Außerdem setzt sich eine Spirale aus Gerüchten in Gang, die er nicht aufhalten kann. So gut er die Gesetze im Häfen kennt, so wenig sind ihm die Regeln der Medienwelt vertraut. Die Stimmung droht zu kippen, als eine Serie ungeklärte Prostituiertenmorde die Zeitungen beherrschen und sich Polizei und Presse auf Jack einschießen. „Einmal Mörder, immer Mörder?“, fragt er.

Unterweger wurde 1994 nach einem Indizienprozess für neun Morde schuldig gesprochen. Er erhängte sich daraufhin in seiner Zelle. Hauptdarsteller Krisch zum Kurier: „Für mich ist es gut möglich, dass er es war. Es ist auch gut möglich, dass er es nicht war. Und eigentlich hieße das, ob man das will oder nicht, in unserem Rechtssystem: ,Im Zweifel für den Angeklagten.’“ Ab 11. September im Kino.

www.jack-film.at

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