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Fotos (2): APA
v. l. n. r.: Jurysprecher Kurt Konopitzky, Preisträgerin Gerit Moser, Novomatic-Generaldirektor Franz Wohlfahrt, Hauptpreisträgerin Mariam Anees, Chemiereport-Herausgeber Josef Brodacz.

Mariam Anees, ALSA-Hauptpreisträgerin 2010.

 
Menschen & Taten 7. Dezember 2010

ALSA 2010 – eine Erfolgsgeschichte

Mariam Anees, eine junge Forscherin aus Pakistan, erhält den Austrian Life Science Award für ihre Forschungsergebnisse im Bereich urologische Tumoren.

Anfang November war es zum fünften Mal soweit: Der ALSA – der Austrian Life Science Award – wurde an eine herausragende junge Wissenschaftlerin verliehen.

 

Den Hauptpreis in Höhe von Euro 10.000 konnte Mariam Anees, 26-jährige Forscherin aus Pakistan, die an der Medizinischen Universität Wien unter der Betreuung des Onkologie-Experten Prof. Dr. Michael Krainer für ihre PhD-Arbeit forscht, ergattern. Krainer war es auch, der Anees auf die Bewerbung für den ALSA aufmerksam gemacht hatte.

Die junge Pakistani kann sich nun über die Publikation ihrer Arbeit im renommierten Fachjournal Cancer freuen und über den ALSA, einen mittlerweile höchst anerkannten und publikumsträchtigen Award: „Der Preis hat für mich persönlich aus zwei Gründen eine besonders große Bedeutung: Erstens ermutigt und motiviert er mich dazu, der Menschheit in jeder erdenklichen Art und Weise zu dienen. Zweitens gibt er mir die Chance, mein Land in einer Zeit zu repräsentieren, in der Pakistan durch die schwärzeste Phase seiner Geschichte gehen muss – in Form von Überschwemmungen und Extremismus – und in der die Menschen nicht viel Gutes über das Land zu hören bekommen.“

Der fünfte ALSA

Initiator Chemiereport und Hauptsponsor Novomatic möchten mit dem ALSA auf Ergebnisse „junger Forschung“ aus Österreich aufmerksam machen. Nachwuchswissenschaftler, die exzellent forschen, praxisbezogene Umsetzungen im Blickfeld haben und ihre Forschungsergebnisse anschaulich beschreiben, können sich um den Austrian Life Science Award bewerben, vorausgesetzt, die Forschungsarbeit fand zum Großteil im Inland statt.

Im Vordergrund steht die Integration der Forschungsergebnisse in das tägliche Leben. Gefördert werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Biowissenschaften und Biotechnologien einschließlich Medizin und Medizintechnik sowie Life Science-Aspekte aus den Bereichen Recht, Wirtschaft, Technik und Sozialwissenschaft. Zugelassen werden Diplomarbeiten, Dissertationen, Publikationen, die nicht älter als ein Jahr sind, aber auch Patentanmeldungen, die Bewerber dürfen zudem höchstens 35 Jahre alt sein.

Bisher fiel auf, dass speziell Österreichs Mediziner auf rege Forschungstätigkeiten verweisen können. Besonders Onkologen zählten im Laufe der fünfjährigen ALSA-Geschichte immer wieder zu den erfolgreichen Bewerbern. Das Niveau der Bewerbungen ist laut Jurysprecher Dr. Kurt Konopitzky generell ein sehr hohes. „Am liebsten würden wir eine ganze Reihe junger Forscher mit Preisen auszeichnen, denn die Qualität der Arbeiten ist beeindruckend“, freut sich der Geschäftsführer der PEA-CEE GmbH. Auch Jurymitglied DI Dr. Sabine Herlitschka von der FFG ist sehr angetan und findet auch den diesjährigen Frauenanteil, der erstmalig über 50 Prozent lag, sehr erfreulich.

Preisgekrönte Arbeiten

Titel von Anees Arbeit ist „Recurrence Free Survival in Prostate Cancer is Related to Increased Stromal TRAIL Expression“, mit anderen Worten: Anees ist es gelungen, Anhaltspunkte für genauere Prognosen und innovative Therapien bei fortgeschrittenem Prostatakrebs zu finden, indem sie einen vom TRAIL-Protein initiierten Schutzmechanismus in Prostatakrebszellen untersuchte. Im Rahmen der festlichen Preisverleihung im Schloss Schönbrunn, die viele der anwesenden Gäste zum effektiven Netzwerken zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Forschung nutzten, präsentierte die eloquente und sympathische junge Forscherin ihr Thema, das sie dem erklärten Ziel – ihre Arbeit in den Dienst der Menschheit zu stellen – ein Stückchen näher bringt.

Zwei weitere junge Forscher erhielten Anerkennungspreise: Mag. Dr. Gerit Moser von der MedUni Graz und Dr. Michael Wallner vom Christian-Doppler-Labor für Allergiediagnostik und Therapie der Universität Salzburg wurden jeweils mit Euro 1.000 für ihre Arbeiten prämiert.

Möglich wird der ALSA erst durch die Zusammenarbeit einiger Personen, die von den nachhaltigen und umfassenden Effekten der Förderung junger Wissenschaftler überzeugt sind. Chemiereport-Herausgeber Josef Brodacz rief vor fünf Jahren den Preis ins Leben und freut sich über seine steigende Popularität. Generaldirektor Franz Wohlfahrt ist mit der Novomatic AG neben ecoplus und Bayer Hauptsponsor des ALSA und begründet höchst überzeugend, warum sich Novomatic für die Wissenschaft einsetzt: „Mit Preisen wie dem ALSA wollen wir zeigen, was unser Land als Wissensstandort zu bieten hat. Schließlich profitiert Novomatic als Technologieunternehmen von einem innovationsfreundlichen Klima. Wir sehen es daher als unsere Pflicht, die Forschungslandschaft in Österreich zu fördern.“

Nicht zuletzt vertieft sich eine engagierte Jury, bestehend aus den Experten DI Dr. Sabine Herlitschka von der FFG, Dr. Eva Maria Binder, Erber AG, Dr. Kurt Konopitzky, Geschäftsführer der PEA-CEE GmbH, Vizerektor Univ.-Prof. Dr. Peter Swetly von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und Prof. Dr. Nikolaus Zacherl, Obmann der Austrian Biotech Industries, Jahr für Jahr in die Bewerbungen vieler herausragender Kandidaten. Besonders schwer fällt dabei die Festlegung auf einen Hauptpreisträger.

Junge Forschung in Österreich

„Anerkennung, Bestätigung und Honorierung sind sehr wichtig, um die Forschung am Leben zu erhalten“, sagt Anees. „Ein einfaches wissenschaftliches Projekt kann Jahrzehnte in Anspruch nehmen, ohne dass es irgendwelche fruchtbaren Resultate produziert, und das kann die Motivation der Forscher hochgradig beeinflussen. Preise wie der ALSA treiben Forscher an. Dennoch bedarf es mehr Fördermöglichkeiten für wissenschaftliche Forschung, immerhin dreht sich dabei alles darum, Leben zu retten und der Menschheit zu dienen.“ Die Wissenschaftlerin wird ihre PhD-Arbeit zu Ende führen und weiterhin im Bereich der Krebsforschung tätig sein.

Ist Österreich nun ein Land mit ausreichender Wissenschaftsförderung? Und was ist überhaupt ausreichend? „Ich bewundere viele Dinge in Österreich und eines davon ist die Art und Weise, wie wissenschaftliche und technologische Forschung hier gefördert werden“, sagt Anees. „Organisationen wie der FWF spielen eine große Rolle bei der Förderung von wissenschaftlicher Forschung auf internationalem Niveau und tragen enorm zur Entwicklung einer wissensbasierten Gesellschaft bei.“ Auch ALSA-Initiator Josef Brodacz hält Forschungspreise für ein probates Mittel, um den Wirtschafts- und Forschungsstandort Österreich attraktiv zu machen: „Forschungspreise sind ein geeignetes Instrument, um wissenschaftliche Aktivitäten aus ihrem Elfenbeinturm herauszuholen und einem breiten Zielpublikum bekannt zu machen. Gerade mit einem branchenfremden Sponsor wie Novomatic dokumentieren wir eindrucksvoll, dass Life Science ein gesamtgesellschaftliches Thema sind.“ Bleibt zu hoffen, dass auch andere großzügige Unternehmen diesen Erkenntnisstand erreichen.

Von Mag. Birgit Weilguni, Ärzte Woche 49 /2010

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