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Von Mag. Susanne Glawatsch, MEDplan
 
Praxis 15. Dezember 2014

Bin auf Urlaub

Steuern in der Praxis

Ordinationsvertretungen sollten immer offengelegt werden, ansonsten könnten Sie für die Fehler Ihrer Kollegen haftbar gemacht werden.

Bald brechen wieder die Winterferien an und viele Familien zieht es in die Skigebiete. Wenn auch Sie die Ferien nutzen wollen und sich von einem Kollegen in Ihrer Ordination vertreten lassen, sollten Sie Ihre Patienten über die Vertretung informieren. Weil es andernfalls zu unliebsamen Folgen kommen könnte.

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet – der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“ Ob Friedrich Schiller bei der Verfassung dieser Zeilen an Ordinationsvertretungen dachte, darf redlich bezweifelt werden. Dennoch sollten Sie als niedergelassener Arzt diesen Satz in puncto Urlaubsvertretung beherzigen, selbst wenn Sie sich nicht „ewig“, sondern nur ein paar Wochen vertreten lassen.

Welche Folgen eine unqualifizierte Urlaubsvertretung haben kann, zeigt der Fall einer Zahnärztin aus Oberösterreich. Über ein Stellenangebot, das an einer Universitätsklinik auflag, suchte sie Kollegen, die sie vertreten sollten. Es bewarb sich ein ehemaliger Zimmermann mit gefälschten Zeugnissen, der kurzfristig als zahnärztlicher Assistent gearbeitet hatte und über Basiswissen verfügte. Nach kurzer Praxis fungierte er als Vertretung und nahm bei einer Patientin eine Wurzelbehandlung vor. Da der Zahn weiterhin schmerzempfindlich blieb, klagte die Patientin auf Schadenersatz.

Behandlung mit Schmerzen

Obwohl das Erstgericht sogar davon ausging, dass die Behandlung kunstgerecht erfolgte (auch bei Wurzelbehandlungen lege artis kommt es in fünf Prozent der Fälle zu dieser Problematik), musste die Zahnärztin Ersatz leisten. Die Patientin war über die Vertretung nicht aufgeklärt worden und musste den Eindruck gewinnen, vom Ordinationsinhaber oder jemanden, der in dessen Verantwortungsbereich fällt, behandelt zu werden. Ob dabei die Behandlung kunstgerecht erfolgt oder nicht, spielt keine Rolle.

Selbst wenn nicht anzunehmen ist, dass auch bei Ihnen Handwerker als Urlaubsvertretung vorstellig werden, kann auch die Vertretung durch echte Berufskollegen ohne entsprechende Offenlegung nachteilig sein.

Das Um und Auf bei jeder Vertretung: die Offenlegung

So geschehen in Wien. Ein niedergelassener Radiologe ließ sich von einem Kollegen, der hauptberuflich im Spital tätig ist, vertreten. Dem Vertreter unterlief ein Behandlungsfehler und die Gerichte entschieden, dass der abwesende Arzt dafür einstehen muss. Da er die Patienten nicht über die Vertretung aufgeklärt hatte, war der Behandlungsvertrag zwischen ihm und dem geschädigten Patienten zustande gekommen.

Damit Sie solche Szenarien nie erleben müssen, empfehlen wir Ihnen, Ihre Patienten umfassend darüber zu informieren, wenn Sie sich vertreten lassen:

• Bringen Sie Hinweise am Ordinationsschild oder an der Eingangstür zum Behandlungsraum an.

• Weisen Sie Ihren Vertreter und Ihre Mitarbeiter an, die Patienten unbedingt über die Vertretung zu informieren.

Wenn Sie diese Tipps beherzigen, minimieren Sie die Verwechslungsgefahr, und können damit Ihren Urlaub umso mehr genießen.

Mag. Susanne Glawatsch ist geschäftsführende Gesellschafterin der Steuer- und Unternehmensberatungskanzlei MEDplan.

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