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Pflege 1. November 2010

Hat Ihnen jemand beim Erstellen Ihrer Patientenverfügung geholfen? Eine qualitative Untersuchung

FRAGESTELLUNG: Die Erstellung einer Patientenverfügung ist mit einem hohen Maß an Selbstverantwortung für den Unterzeichner verbunden, muss er doch komplexe medizinische Situationen antizipieren. In der Literatur wird oft auf den Hausarzt als wichtigste Instanz zur Beratung bei Erstellung einer PV verwiesen. Es ist allerdings wenig bekannt darüber, ob sich Verfasser tatsächlich medizinisch beraten lassen und inwieweit auf ärztlicher Seite Bereitschaft zur Beratung vorhanden ist. Ziel der Studie war es herauszufinden ob, von wem und in welcher Form Hilfestellung beim Verfassen der PV geleistet und wie dies begründet wurde.

METHODE: Halbstrukturierte Interviews mit Gesunden, chronisch Kranken und Palliativpatienten mit Fragen zur Beratung bei Erstellung der Patientenverfügung; Zeitraum 8/2008–7/2009. Einschlusskriterien: Alter zwischen 55–70 Jahren und Patientenverfügung ≥3 Monate alt. Die Interviews wurden vollständig transkribiert und anhand eines induktiv gebildeten Kategoriensystems analysiert.

ERGEBNISSE: Insgesamt 53 Interviews (Gesunde n = 20, chronisch Kranke n = 17, Palliativpatienten n = 16); 18 Probanden waren männlich. Durchschnittsalter: 63.2 ± 4.4 Jahre (Range 55–70 Jahre). Professionelle Beratung erhielten 12 Probanden (Arzt = 2, Krankenschwester = 1, Notar/Anwalt = 8, Selbständiger Berater = 1), weitere 8 Befragte inkludierten Familienmitglieder. In 17 Fällen kannte der behandelnde Arzt die Patientenverfügung des Probanden, 36 Befragte setzten ihren Arzt nicht über das Vorhandensein einer Patientenverfügung in Kenntnis. Kategorien zu Gründen für Inanspruchnahme oder Verzicht auf Beratung waren Vertrauen/Mangel an Vertrauen, Autonomie, Ablehnung und finanzielle Erwägungen.

SCHLUSSFOLGERUNGEN: Informationen über medizinische Folgen von Präferenzen für die Versorgung am Lebensende scheinen nicht der Interessensschwerpunkt zu sein, wenn Menschen eine Patientenverfügung verfassen. Autonomie und der Wunsch nach notariell beglaubigten Dokumenten scheinen eine wichtigere Rolle zu spielen. Falls Ärzte eine Rolle bei der Verfassung einer PV ihrer Patienten spielen möchten, sollten sie initiativ auf sie zugehen.

Matthias Becker, Birgit Jaspers, Claudius King, Lukas Radbruch, Raymond Voltz, Friedemann Nauck, Wiener klinische Wochenschrift 21/22/2010

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