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Allgemeinmedizin 19. Mai 2010

Meinung

Alles was sticht, ist für gehetzte Ärzte nicht.

Ich kenne kaum einen Arzt, der keine Geschichte über einen Spritzenunfall zum Besten geben kann. Zumeist werden die Bonmonts mit einem Lächeln und nachsichtigem Kopfschütteln über die eigene Schusseligkeit erzählt. Dabei ist so ein Unfall nicht wirklich lustig und das Schlimmste am Zusammenstoß von Fingerkuppe mit Nadelspitze ist die Zeit danach, die bangen Wochen zwischen Verletzung und Blutbefund. Letztlich gefährdet eine Infektion nicht nur die Karriere, sondern auch Leib und Leben. Es war daher dringend notwendig, dass sich die zuständigen EU-Gremien dieses Problems ernsthaft annahmen. Die Mitgliedstaaten müssen die Nadelstich-Richtlinie nun innerhalb von drei Jahren in nationales Recht umsetzen. Änderungen wird es in Österreich vor allem beim Meldeverfahren geben, das hierzulande eher lax gehandhabt wird. Die EU verlangt jedoch nicht nur lückenlose, sondern auch deutlich mehr ins Detail gehende Meldungen.

Fraglich ist freilich, wie im Hintergrund der chronischen Zeitnot innerhalb des österreichischen Gesundheitsapparates die Verpflichtung zur sofortigen Meldung umgesetzt werden soll. Und hier wären wir auch schon bei einem Hauptverursacher derartiger und anderer Unfälle: Schließlich ist der Turnusarzt, der mit seinem Spritzenwagerl in Rally-Manier unterwegs ist, als müsse er zwischen Paris und Dakar alle Patienten versorgen, nichts Neues. Zur Unfallprävention gehören demnach nicht nur moderne Schutzmechanismen und bessere Schulungen, sondern auch vernünftigere Zeitregelungen und Dienstpläne im Gesundheitsbetrieb. Strategien in diese Richtung werden im EU-Papier zwar angeschnitten, leider aber nicht bis zum Ende verfolgt. Denn ein Arzt mit Überblick und genügend Zeit zum Nachdenken gefährdet sich weniger – und auch seine Patienten.

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