zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 9. März 2010

Berühmt, krank und gläsern

Ärzte und prominente Patienten – eine Vertrauensfrage.

Hermann Maier, Niki Lauda, Oskar Lafontaine. Ob die Behandlung schwerer Beinverletzungen, die Vornahme einer Nierentransplantation oder eine Krebsdiagnose – Krankengeschichten Prominenter wurden und werden in Medien breit dargestellt. Das Interesse der Bevölkerung am (tragischen) Schicksal Prominenter muss befriedigt werden. Zumeist kommen auch behandelnde Ärzte zu Wort – und sehr oft geben diese auch Auskunft. Wo liegen die Grenzen beim „talk about Vips“, was darf der Arzt gegenüber den Medien preisgeben? Grundsätzlich ist festzuhalten, dass der Arzt an seine Schweigepflicht gebunden ist – die Prominenz des Patienten spielt für deren Bestehen keine Rollen. Die Schweigepflicht gilt jedoch nicht uneingeschränkt. Nur „Geheimnisse“ fallen gemäß § 54 Abs 1 ÄrzteG unter die Verschwiegenheitsverpflichtung. Geheimnisse sind Tatsachen, die nur einem bestimmten Personenkreis bekannt sind und an deren Geheimhaltung der Patient ein verständliches und schutzwürdiges Interesse hat. Öffentlich bekannte Tatsachen sind daher nicht von der Schweigepflicht umfasst. Aus der Umschreibung der Geheimnisse geht hervor, dass der Arzt bei der „Plauderei“ über Prominente abzuwägen hat, welche Tatsachen geheim sind und welche nicht. Wie weit geht das schutzwürdige Interesse an Geheimhaltung, wie weit muss bzw. darf das Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit befriedigt werden?

Prinzipiell ist festzuhalten: Je bekannter eine Person ist, desto geringer ist der Raum für die Geheimhaltung. Sogenannte „Personen des öffentlichen Lebens“ haben einen wesentlich eingeschränkteren Anspruch auf Privatsphäre als der „Durchschnittsmensch“. Es empfiehlt sich für den Arzt, hier aber einen strengen Maßstab an seine Schweigepflicht zu legen – die Vernachlässigung könnte zu nicht unerheblichen Haftungen führen. Beispielsweise könnte ein Arzt, der „aus dem Nähkästchen plaudert“ und Krankheiten oder Heilungschancen eines Prominenten bekannt gibt, für eine aufgrund dieser Preisgabe erfolgte Auflösung von (Werbe)Verträgen des Prominenten schadenersatzrechtlich haften.

Die Regelungen des § 54 Abs 2 Z 1 bis 4 ÄrzteG sehen allerdings Ausnahmen von der Schweigepflicht vor. Sofern Medien Interesse an der Berichterstattung über prominente Patienten zeigen, ist insbesondere § 54 Abs 2 Z 3 ÄrzteG zu beachten: die Entbindung des Arztes von der Schweigepflicht durch den Patienten. Um eine Entbindung rechtswirksam vorzunehmen, muss diese auch konkret ausgestaltet sein. Das heißt, dass eine Entbindung von der Verschwiegenheit bezüglich aller Geheimnisse, die dem Arzt bekannt werden könnten, zu ungenau ist, um wirksam zu werden. Der Arzt hat den Patienten sowohl über die Erfordernisse für eine rechtswirksame Entbindung als auch über die Folgen einer Entbindung zu belehren. Zu empfehlen ist jedenfalls das schriftliche Festhalten von Entbindungsvereinbarungen, wobei die konkret bekannt zu gebenden Tatsachen und der konkrete Zweck der Entbindung angegeben werden sollten.

Die Behandlung von Prominenten ist für einen Arzt auch eine gute Möglichkeit, selbst bekannt zu werden. Schließlich steht der Arzt im Wettbewerb mit anderen seiner Zunft – auch er wird daher unter Umständen die Möglichkeit der Werbung über Prominenz suchen. Dabei hat er einerseits seine Verpflichtungen aus dem ÄrzteG zu wahren, darf aber auch nicht die ihn bindenden internen Regelungen der Ärzteschaft überschreiten. Eine übertriebene Zurschaustellung der eigenen Person und der eigenen Leistungen auf Basis einer Behandlung eines Prominenten kann eine unzulässige Selbstanpreisung bedeuten, mit allen standes- und zivilrechtlichen Folgen.

Letztlich wird der Arzt, der vernünftig mit seinen prominenten Patienten umgeht, mit diesen auch eine vernünftige Strategie zum Umgang mit Medien vereinbaren. Er muss durch Einhaltung solcher Absprachen das Vertrauen seines Patienten finden – nur so wird er auf Dauer auch Prominenente zu seinen Patienten zählen.

Zur Person
Dieter Heine












Der Autor des Beitrages ist geschäftsführender Gesellschafter bei der Wiener Kanzlei Prochaska Heine Havranek Rechtsanwälte GmbH (PHH) und vor allem im Prozess- und Wirtschaftsrecht sowie im Medienrecht tätig.

PHH Rechtsanwälte GmbH Julius-Raab-Platz 4 / Eingang Franz-Josefs-Kai 1 1010 Wien Tel.: +43 1 714 24 40 Email: Web: www.phh.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben