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Komplementärmedizin 6. September 2013

Misteltherapie bei Brustkrebs

Die Wahl des geeigneten Mistelpräparates ist besonders von der Lokalisation des Tumors abhängig.

Das Mammakarzinom zählt in Europa zu den häufigsten Krebsformen und war mit etwa 5.100 Neuerkrankungen im Jahr 2010 und einem Anteil von 29 Prozent die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Österreich. Sowohl durch Früherkennung als auch durch Fortschritte in der Therapie sind die brustkrebsbedingten Sterbefälle aber tendenziell rückläufig (Quelle: Statistik Aus- tria 2012).

Die Behandlung erfordert in der Regel eine multimodale Therapie mit primärer Operation, gefolgt von adjuvanter Strahlen-, Chemo- und/oder Hormontherapie. Wegen der häufigen Nebenwirkungen dieser Therapien, insbesondere der Chemotherapie und des Risikos einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität, gewinnt die komplementäre Therapie mit Mistelextrakten wie z. B. Iscador® immer mehr an Bedeutung. So berichten Ärzte über eine bessere Lebensqualität der Patientinnen, die ergänzend zur Chemotherapie eine Misteltherapie erhielten (Bock et al. 2004, Kienle und Kiene 2010, Loewe-Mesch et al. 2008, Tröger et al. 2009 und 2012). Mistelpräparate haben zudem immunmodulierende Eigenschaften, so dass auch ein schützender Effekt gegen eine Chemotherapie-bedingte Neutropenie vermutet wird (Tröger et al. 2009 und 2012). Teilweise kann auch das Auftreten von Metastasen verzögert sowie die Überlebenszeit verlängert werden (Bock et al. 2004).

Anwendung des Mistelextrakts

Mistelextrakte wie Iscador® werden in der Regel subkutan zwei- bis dreimal wöchentlich in die Bauchregion oder ersatzweise (z.B. bei Bestrahlung am Bauch, Dermatitis) in den Oberschenkel injiziert. Bestrahlungsfelder oder entzündete Hautareale sind jedoch in jedem Fall zu meiden. Die Misteltherapie kann mit allen üblichen Krebstherapien kombiniert werden und die subkutanen Injektionen können nach Anweisung durch den Arzt in der Regel vom Patienten selbst vorgenommen werden.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Patienten am meisten von der Misteltherapie profitieren, wenn bereits ab Diagnosestellung - am besten schon präoperativ - damit begonnen wird und die Behandlung auch während einer Radio- bzw. Chemotherapie fortgesetzt wird (Bock et al 2004, Loewe-Mesch et al. 2008, Tröger et al. 2009). Die Dauer der Anwendung richtet sich nach dem jeweiligen Rezidivrisiko und dem individuellen Befinden bzw. Befund des Patienten. Dies bedeutet in den meisten Fällen eine Fortsetzung der Therapie über mindestens fünf Jahre ab dem Operationszeitpunkt bzw. ab dem Beginn der kurativen Primärtherapie, da sich so das Rezidivrisiko vermindern lässt.

Auswahl des Mistelpräparats

Die Wahl des geeigneten Mistelpräparates ist besonders von der Lokalisation des Tumors abhängig. So wird beispielsweise Iscador® M beim prämenopausalen Mammakarzinom eingesetzt, Iscador® P wird bei postmenopausalen Mammakarzinomen, malignen Melanomen oder Sarkomen empfohlen und Iscador® Qu findet besonders bei Tumoren des Verdauungstraktes Anwendung. Weiterhin spielt auch die Tumorart, das Krankheitsstadium, die Konstitution und der Allgemeinzustand des Patienten sowie die Reaktion im Therapieverlauf für die Wahl des Iscador®-Präparates eine Rolle.

Individueller Therapieverlauf

Die Misteltherapie beginnt mit einer einschleichenden Dosierung und das Auftreten definierter Körperreaktionen bestimmt den weiteren Verlauf der Dosissteigerungen bis die Erhaltungsphase erreicht ist. Zu den Reaktionen, die ein Ansprechen des Körpers auf die Therapie anzeigen, gehören die Besserung des Allgemeinbefindens sowie eine Verbesserung des Immunstatus. Im Zusammenhang mit den Injektionen können weiterhin lokale Entzündungsreaktionen um die Einstichstelle bis zu einem Durchmesser von 5 cm und/oder eine Steigerung der Körpertemperatur auf bis zu 38°C als „erwünschte“ Begleiterscheinungen auftreten.

Literatur

1. Bock et al.: Wirksamkeit und Sicherheit der komplementären Langzeitbehandlung mit einem standardisierten Extrakt aus Europäischer Mistel (Viscum Album L.) zusätzlich zur konventionellen adjuvanten onkologischen Therapie bei primärem, nicht metastasierendem Mammakarzinom. Arzneim.-Forsch./Drug Res. 54 (8), 456-466 (2004)

2. Kienle GS and Kiene H: Influence of Viscum album L. (European mistletoe) extracts on quality of life in cancer patients: a systematic review of controlled clinical studies. Integr. Cancer Ther. 9, 142-157 (2010)

3. Loewe-Mesch A et al.: Adjuvante simultane Mistel-/Chemotherapie bei Mammakarzinom - Einfluss auf Immunparameter, Lebensqualität und Verträglichkeit. Forsch. Komplementmed. 15, 22-30 (2008)

4. STATISTIK AUSTRIA, Letzte Änderung: 11.10.2012. www.statistik.at/web_de/ statistiken/gesundheit/krebserkrankungen/brust/index.html.

5. Tröger W et al.: Quality of life and neutropenia in patients with early stage breast cancer: A randomized pilot study comparing additional treatment with mistletoe extract to chemotherapy alone. Breast Cancer - Basic and Clinical Research 3, 35-45 (2009)

6. Tröger W et al.: Five-year follow-up of patients with early stage breast cancer after a randomized study comparing additional treatment with Viscum album (L.) extract to chemotherapy alone. Breast Cancer: Basic and Clinical Research 1, 173-180 (2012)

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