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© Hohenstein-Institute
Mittels 3D-Bodyscanner wurden die anatomischen Werte von Brustkrebs-Patientinnen berührungsfrei ermittelt und daraus die ideale Schnittführung des BHs abgeleitet.
 
Onkologie 13. Juni 2012

Spezial-BH für Krebspatientinnen

Neuentwicklung berücksichtigt Veränderungen des Brustvolumens und die hohe Empfindlichkeit der bestrahlten Haut.

Forscher der Hohenstein Institute haben einen speziellen Büstenhalter für Brustkrebspatientinnen entwickelt. Der neue BH kann während und unmittelbar nach der Strahlentherapie getragen werden.

Trotz der heutzutage vergleichsweise schonend ablaufenden Strahlentherapie leiden die Patientinnen oft unter starken Hautirritationen. Abhängig vom Hauttyp können außerdem Nebenwirkungen wie Rötungen, Lösung oberflächlicher Hautschichten, Schuppungen, Schwellungen und nässende Hautstellen bis hin zu offenen Wunden auftreten. Jede Reibung und Einengung der bestrahlten Haut durch Kleidungsstücke insbesondere durch den Büstenhalter wird deshalb als äußerst unangenehm empfunden, zum Teil auch noch Monate nach der eigentlichen Behandlung. Die verwendeten Materialien oder Nähte können die Haut zusätzlich irritieren und Druckschmerzen verursachen.

Ziel der Wissenschaftler war es deshalb, einen speziellen BH für diese Patientinnen zu entwickeln. Konstruktion, Materialwahl und Verarbeitung berücksichtigen das überempfindliche Brustgewebe und die entzündete Haut.

Idealer Schnitt

Auf Basis der anatomischen Daten von Brustkrebspatientinnen, die mit Hilfe eines 3D-Scanners berührungsfrei ermittelt wurden, entwickelte das Projektteam eine ideale Grundschnittform. Daraus wurde die optimale Nahtführung abgeleitet, welche den spezifischen Anforderungen der Patientinnen entspricht. Die hautsensorischen Eigenschaften der verwendeten Materialien wurden ebenfalls untersucht. Im Labor wurden dazu reale Tragesituationen nachgestellt und ermittelt, welche Empfindungen bestimmte textile Materialien auf der Haut hervorrufen.

Für die bereits entzündete Haut ist es besonders wichtig, dass die Stoffe weich und atmungsaktiv sind; sie sollen den Schweiß sofort aufnehmen und schnell vom Körper wegleiten. Um die mechanische Reizung der Haut zu minimieren, dürfen die Materialien weder zu glatt noch zu rau sein.

Neben der Schnitt- und Nahtführung sowie Materialauswahl ist die angepasste Verarbeitungstechnik ein wichtiger Aspekt des neuen BH. Zusätzliche mechanische Reizung durch ungünstig platzierte Nähte oder Ähnliches wird somit vermieden. Das verbesserte Tragegefühl während und nach der Therapie führt zur Linderung der Beschwerden und erhöht das Wohlbefinden der Trägerin.

Bei diesem Spezial-BH handelt es sich weltweit um das erste textile Produkt, das explizit für Brustkrebspatientinnen in Zusammenarbeit mit einem Forschungsinstitut entwickelt wurde.

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