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Foto: B. Krobath/EBCC
Dr. Miriam Strauss, Prof. Dr. Michael Gnant, Journalistin Barbara van Melle, Natalija Frank und Prof. Dr. Thomas Helbich (v.l.n.r.).
 
Onkologie 6. März 2012

Erkenntnisse auch an die Frau bringen

Bald beginnt in Wien die Europäische Brustkrebs-Konferenz EBCC-8. Am letzten Konferenztag werden sich Patientinnen und Angehörige über aktuelle Forschungsergebnisse informieren können.

Mehr als 5.000 Fachleute aus rund 90 Ländern werden im März in Wien zur achten europäischen Brustkrebs-Konferenz EBCC-8 erwartet. Für die Experten aus unterschiedlichen Disziplinen ist dies ein guter Anlass, um neueste Entwicklungen in der Mammakarzinom-Forschung zu präsentieren und zu diskutieren. Betroffene können sich am Patientinnentag über die neuesten Erkenntnisse informieren.

 

An der Konferenz werden nicht nur Daten vorgestellt, wie etwa diejenigen zur Sicherheit einer Schwangerschaft bei Östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs, sondern es werden auch Fragen diskutiert wie: Hat die Brustdichte einen Einfluss auf das Rückfallrisiko eines Mammakarzinoms? Sagen postoperativ im Blut gefundene Krebszellen etwas über das Überleben aus? Und können diese Zellen helfen, die Therapie zielgenauer zu wählen? Hat eine Anpassung der Chemotherapie-Dosis Auswirkungen auf die Wiedererkrankungsrate bei übergewichtigen Frauen? Wie kann man Patientinnen eine Chemotherapie ersparen, ohne deren Überleben zu beeinträchtigen? Ist es möglich, die Symptome einer durch die Therapie ausgelösten Menopause ohne Medikamente zu mildern? Hat die Strahlentherapie einen schützenden Langzeiteffekt bei einem duktalen Karzinom in situ? Darüber hinaus ist die Früherkennung nach wie vor Gegenstand einer kontroversen Diskussion: Zwei Präsentationen werden sich der Frage widmen, was mehr Leben rettet: die Mammographie oder Verbesserungen bei der Therapie. Eine weitere Präsentation beleuchtet den Wert der Magnetresonanztomografie (MRT) bei Hochrisikopatientinnen.

ABCSG: Spitzenforschung

Prof. Dr. Michael Gnant (MedUni Wien) ist österreichischer Vorsitzender der EBCC-8 und Präsident der Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group (ABCSG). An den klinischen Studien der ABCSG zu Brust- und Darmkrebs nehmen mittlerweile über 23.000 Patientinnen und Patienten teil. Bei all diesen Studien muss die neue Therapie sich jeweils mit der besten bekannten Therapie messen.

Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse der Studie ABCSG-18, an der in Österreich bereits über 2.500 Frauen teilnehmen, untersucht Denosumab. „Es gibt die Hoffnung, dass dieser Antikörper nicht nur gegen Osteoporose wirkt, sondern auch einen Antitumor-Effekt aufweist“, so Gnant.

Ein wichtiges Thema speziell in der Onkologie ist derzeit die Individualisierung der Therapie: „Wir haben tolle Erfolge erzielt in der Brustkrebsforschung, aber immer noch müssen wir zu viele Betroffene behandeln, um bei einigen einen Vorteil zu erzielen“, so Gnant. „Die Vorhersage individuellen Ansprechens und damit auch die Vermeidung von Nebenwirkungen für die Patientinnen und nicht notwendige Kosten für die Allgemeinheit zu verhindern, sind das Gebot der Stunde.“

Die Study Nurses kommen

Die Studienteilnehmerinnen werden an hundert ABCSG-Zentren von 700 Prüfärzten und 200 „Study Nurses“ intensiv betreut. Eine der ersten Study Nurses in Österreich ist Natalija Frank: Sie ist eine medizinisch ausgebildete Pflegefachfrau, die zusätzlich die nationale und internationale Gesetzeslage sowie die einzuhaltenden Bestimmungen bei der Durchführung und Dokumentation von klinischen Studien kennt. Während die Study Nurses in den USA schon eine anerkannte Berufsgruppe sind, ist eine standardisierte Ausbildung für diese spezielle Fachkraft in Österreich erst in der Aufbauphase. „Brustkrebs-Patientinnen, die an klinischen Studien teilnehmen, haben durch den Kontakt mit einer Study Nurse eine fast ständig verfügbare, kompetente Partnerin für all ihre Fragen zur Seite“, sagt Frank. Sie ist auch Gründerin und Koordinatorin des Forums Study Nurses der ABCSG. Eine Initiative des Forums nennt sich Little Help: Hier wurden Tipps, Erfahrungen, Ratschläge und Wünsche von ehemaligen Brustkrebspatientinnen gesammelt und als Ratgeber herausgegeben. Die erste Broschüre kann über die Webseite http://www.studynurses.at bestellt werden.

Screeningprogramm ab 2013

Eine Senkung der Sterblichkeit bei Brustkrebs erhoffen viele Experten sich durch das Nationale Brustkrebs-Früherkennungsprogramm. Anstelle des bisherigen opportunistischen Screenings werden ab kommendem Jahr alle in Österreich gemeldeten Frauen im Alter zwischen 45 und 69 zu einer Mammografie eingeladen. Wer jünger oder älter ist, kann auf eigenen Wunsch an dem kostenfreien Programm teilnehmen.

Der Radiologe Prof. Dr. Thomas Helbich, Präsident der Europäischen Society of Breast Imaging (EUSOBI) und der Österreichischen Gesellschaft für Senologie, hat an diesem Programm mitgearbeitet und ist überzeugt, dass mit diesem Screening die Überlebenschancen der Betroffenen steigen wird, da Karzinome so bereits in einem früheren Stadium gefunden würden.

Wesentlich für das Früherkennungsprogramm ist, dass es nach festgelegten Qualitätsstandards erfolgen muss. Jede Mammografie wird nach dem Vieraugenprinzip von zwei Radiologen unabhängig voneinander beurteilt. Alle Ärzte, die am Programm teilnehmen, müssen darüber hinaus die Erfüllung strenger Qualitätskriterien nachweisen.

Eine wichtige Errungenschaft in der Mammografie ist laut Helbich die Einführung der sogenannten digitalen Plattform. Sie bietet die Möglichkeit für Innovationen wie die Tomosynthese. „Die Tomosynthese ist ein neues radiodiagnostisches Verfahren, das dreidimensionale Schichtbilder liefert. So kann man Tumore und Mikroverkalkungen besser sehen“, erläutert er. Am AKH Wien wird die Tomosynthese bereits routinemäßig eingesetzt.

Unterstützung für Patientinnen

Mitveranstalterin des europäischen Brustkrebskongresses EBCC-8 ist Europa Donna, eine unabhängige Organisation gegen Brustkrebs, die in 46 Ländern vertreten ist. Sie fördert die Vernetzung und den Austausch unter den Betroffenen, hilft bei Gründung von Selbsthilfegruppen, unterstützt bestehende und vertritt die Interessen der Frauen im politischen Entscheidungsprozess und in der Öffentlichkeit. Der Präsidentin von Europa Donna Österreich, Dr. Miriam Strauss, liegt viel daran, dass Brustkrebs in der Bevölkerung nicht als Todesurteil gesehen wird: „Heute ist die Krankheit in den meisten Fällen gut behandelbar. Fünf von sechs Frauen sind derzeit Langzeitüberlebende.“ Handlungsbedarf sei beim Entlassungsmanagement gegeben, „egal, ob die betroffene Frau auf einer chirurgischen, plastischen oder gynäkologischen Abteilung und egal in welchem Bundesland sie behandelt wurde.“ Dazu müsse allerdings fächerübergreifend besser zusammengearbeitet werden.

Wichtig ist, dass die Patientinnen über neue Entwicklungen Bescheid wissen. Daher wird zum Abschluss der Brustkrebs-Konferenz ein Informationstag abgehalten, wo Betroffene den aktuellen Stand der Forschung erfahren und Experten dazu befragen können. 

 

Weitere Informationen zur Konferenz und zum Patientinnentag:

 

EBCC-8

21. bis 24. März 2012

Austria Center in Wien

Bruno-Kreisky-Platz 1

1220 Wien

Registrierung und Programm:

www.ecco-org.eu/Conferences/Conferences/EBCC.aspx

 

Patientinnentag

24. März 2012, 9:00 bis 12:00 Uhr

Technische Universität TU Wien

Prechtlsaal

Karlsplatz 13

1040 Wien

www.ecco-org.eu/Conferences/Conferences/EBCC/Patient-Day.aspx

Die Teilnahme ist kostenlos, keine Anmeldung erforderlich.

Englischsprachige Beiträge werden ins Deutsche simultanübersetzt.

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