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Abb. 1: Ereignisfreies Überleben in der NOAH-Studie (HER2-positive Population)
 
Onkologie 28. September 2009

Chemotherapie und Anti-HER2 im (neo)adjuvanten Setting

Günther Steger, Wien

Therapieoptimierung bei HER2-positivem Mammakarzinom

Den Stellenwert der Anthrazyklin-Behandlung im adjuvanten Setting bei Lymphknoten-positivem Mammakarzinom untersuchte die N-SAS-BC02-Studie. Zwei der vier Studienarme wurden anthrazyklinfrei nur mit Paclitaxel oder Docetaxel behandelt, die anderen beiden mit Doxorubicin gefolgt von Paclitaxel oder Docetaxel. Hinsichtlich des krankheitsfreien Überlebens (DFS) fand sich in der HER2-positiven und der Östrogenrezeptor-positiven Untergruppe gegenüber der alleinigen Taxantherapie ein deutlicher Vorteil unter der Sequenz, während bei HER2-negativen Patientinnen praktisch kein Unterschied bestand.

Die Autoren schließen, dass bei bestimmten Patientengruppen postoperativ auf Anthrazykline wahrscheinlich verzichtet werden kann. Eine Anthrazyklin-Zugabe geht bei HER2-Expression mit einem möglichen Benefit einher. Unter den Taxanen ist Docetaxel bei Lymphknoten-positivem Mammakarzinom dem Paclitaxel vorzuziehen. Für die tägliche Routinee- Entscheidung hinsichtlich einer anthrzy- klinhältigen Therapie in der Praxis er- scheinen diese Daten aber dzt. nicht nicht genügend abgesichert, sodass weiterhin die bestehenden nationalen und internationalen Empfehlungen (St. Gallen 2009) bezüglich Anthrazaklin-Indikation Gültigkeit haben.

NOAH & HERA

In der NOAH-Studie erfolgte bei Patientinnen mit HER2-positivem, lokal fortgeschrittenem Mammakarzinom eine neoadjuvante Therapie entweder nur mit Chemotherapie oder zusätzlich mit Trastuzumab. Eine kleine HER2-negative Subgruppe erhielt dasselbe Chemotherapie-Regime. Die Resultate bestätigen die vorhandenen Daten; es kam zu einer Verdopplung der pathologischen kompletten Remissionsraten bei HER2-positivem Karzinom (43 % vs. 23 %; p = 0,002). HER2-negative Patientinnen profitierten zu 17 % von der Behandlung. Hinsichtlich des ereignisfreien Überlebens resultierte in der HER2-positiven Population eine hochsignifikante Risikoreduktion um 44 % (p = 0,006) (Abb. 1).

 

Die HERA-Studie umfasst Patientinnen mit HER2-positivem frühem Mammakarzinom, die im Anschluss an eine (neo)adjuvante Chemotherapie entweder Trastuzumab erhielten oder nur beobachtet wurden. Der bereits bei einer früheren Analyse beobachtete DFS-Vorteil durch die einjährige Trastuzumab-Gabe blieb auch nach einem medianen vierjährigen Follow-up bestehen (6,4 %; p < 0,0001), obwohl 885 Patientinnen im Observationsarm zu Trastuzumab gewechselt hatten.Wie sich zeigte, profitierten auch Patientinnen, die zu einem späteren Zeitpunkt mit Trastuzumab begonnen hatten (im Median 2 Jahre nach Abschluss der systemischen Adjuvanstherapie) , von der Trastuzumab-Verabreichung über ein Jahr.

Insgesamt stellt die einjährige Trastuzumab-Therapie unabhängig davon, ob sie neoadjuvant oder adjuvant gestartet wird, bei HER2-positivem frühem Mammakarzinom den Standard dar. Auch über den längeren Beobachtungszeitraum fand sich eine gute kardiale Sicherheit des HER2-Blockers.

Risiko bei allen Tumorgrößen

Eine relativ große Anzahl an Studien hat mittlerweile die Bedeutung der HER2-Positivität auch bei kleinen, Lymphknoten-negativen Tumoren (pT1a, b; N0) etabliert. Im Hinblick auf das Rezidivrisiko schneiden sogar tripelnegative Karzinome besser ab als kleine, HER2-positive Tumoren. In Absenz entsprechender Daten aus prospektiv-randomisierten klinischen Studien können diese Daten für die individuelle Therapieempfehlung als zusätzliches Kriterium zur Risikoeinschätzung herangezogen werden, sollten aber nicht eine routinemässige Entscheidung für eine adjuvante Trastuzumabtherapie bei diesen sehr kleinen, Lymphkoten-negativen Tumoren induzieren.

Redaktion: Dr. Judith Moser
Zur Person
Univ.-Prof. Dr. Günther Steger
Klinische Abteilung für Onkologie
Univ.-Klinik für Innere Medizin I
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien
Fax: ++43/1/40 400-6081
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