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Pulmologie 30. September 2016

Spätes Asthma riskant für Herz und Hirn

Wer spät im Leben an Asthma erkrankt, hat ein deutlich erhöhtes Risiko, sich auch eine Herz- oder Gefäßerkrankung zuzuziehen.

Für eine Studie zum Einfluss verschiedener Asthmaformen auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben Matthew Tattersall von der University of Wisconsin School in Madison und Kollegen insgesamt 1.269 zu Beginn der Studie gefäßgesunde Teilnehmer der Wisconsin Sleep Cohort über einen Zeitraum von durchschnittlich knapp 14 Jahren beobachtet (J Am Heart Assoc 2016, online 24. August). Die Wissenschaftler unterschieden dabei zwischen Probanden ohne Asthma, solchen mit einer frühen Diagnose (vor dem 18. Lebensjahr) und solchen mit einer späten Diagnose (nach dem 18. Lebensjahr).

In der Gruppe der 55 Patienten mit frühem Asthma lag das mittlere Alter zum Zeitpunkt der Diagnose bei 8,9 Jahren. Die 111 Patienten mit spät einsetzendem Asthma waren bei der Diagnose im Durchschnitt bereits 39,5 Jahre alt gewesen.

In der gesamten Kohorte ereigneten sich während des Beobachtungszeitraums 223 kardiovaskuläre Zwischenfälle wie Herzinfarkt, Angina pectoris, Schlaganfall, Koronarrevaskularisation, Herzinsuffizienz oder Tod aus kardiovaskulärer Ursache. 179 dieser Ereignisse entfielen auf die Nichtasthmatiker, 22 auf die Spät- und 7 auf die Frühasthmatiker.

Die auf zehn Jahre berechnete Ereignisrate betrug bei den Spätasthmatikern 12,7 Prozent, bei den Frühasthmatikern 3,8 Prozent und bei den Nichtasthmatikern 8,9 Prozent.

Nachdem potenzielle Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Diabetes, erhöhter Lipidspiegel, Hypertonie und Body-Mass-Index in der Kalkulation berücksichtigt worden waren, ergab sich für Patienten mit spät einsetzendem Asthma ein um rund 60 Prozent – im Vergleich zu den Nichtasthmatikern – erhöhtes Risiko für die kardialen und vaskulären Komplikationen. Früh im Leben aufgetretenes Asthma führte nicht zu einer Risikosteigerung. Die Forscher verweisen darauf, dass spät und früh einsetzendes Asthma zwei verschiedene Krankheitstypen darstellen. Wo für das Frühasthma die familiäre Belastung mit atopischen Erkrankungen, bakterielle und virale Infektionen sowie die Exposition gegenüber Tabakrauch als Risikofaktoren anzusehen sind, spielen für das Spätasthma anderer Faktoren eine Rolle, etwa Umweltschadstoffe, Hormonhaushalt oder ASS-Einnahme.

Die Differenz schlägt sich auch in der Therapie nieder. Ein frühes Asthma spricht meist gut auf die Behandlung mit inhalativen Kortikosteroiden an. Ein spätes Asthma hingegen verläuft häufiger schwer, ohne auf die Standardtherapie ausreichend zu reagieren.

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