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© Bernhard Noll / VdÄ.
Laut Dr. Elisabeth Fertl, Präsidentin der Gesellschaft für Neurologie, brauchen Raucher Unterstützung, um Präventionsziele zu erreichen.
 
Neurologie 5. April 2016

„Diese Konstellation legt den Verdacht auf das Vorliegen einer Subarachnoidalblutung nahe“

3 Fragen, 3 Antworten

Roger Cicero ist nicht der erste Prominente, der einen Schlaganfall erleidet, er ist nicht einmal der erste (relativ) junge Prominente (siehe auch Bericht auf S.5), aber sein Fall interessierte die Experten am Rande eines Pressetermins in Wien. Es geht auch um die Frage: Tun wir genug, um das Risiko klein zu halten?

Der frühe Tod des Jazzsängers Roger Cicero ging um die Welt, die medizinische Information fließt schon etwas spärlicher – als Neurologin gefragt, was vermuten Sie?

Fertl: Ich habe auch nur die Information aus den Medien, die besagt, dass es sich um einen plötzlichen Tod an einem „Hirnschlag“ handelt und dass auch der Vater des Sängers im Erwachsenenalter plötzlich an einem Hirnschlag verstorben sei.

Diese Konstellation legt den Verdacht auf das Vorliegen einer Subarachnoidalblutung, also eine Blutung aus den Gehirn-Basis-Gefäßen, nahe. Das ist ein völlig anderer Krankheitsmechanismus als beim Hirninfarkt, über den wir jetzt während der gesamten Pressekonferenz gesprochen haben, da platzen Aussackungen der Hirnbasisgefäße. Die Aussackungen, diese Wandstörungen, das hat einer von 200 Menschen, das ist gar nicht so wenig, aber sie müssen nicht bei jedem platzen. Man weiß aber, dass es ein familiäres Risiko gibt.

Hier ist also die erbliche Komponente dominant?

Fertl:Bei der Subarachnoidalblutung aus einem Aneurysma gibt es die Empfehlung, die Verwandten ersten Grades (z. B. Kinder) nachzuuntersuchen, denn ein Aneurysma kann man heutzutage sehr gut prophylaktisch behandeln.

Heutige Popstars leben recht solide, sind um ein sauberes Image bemüht, welche Risikofaktoren spielen noch eine Rolle? Streß?

Fertl: Die Risikofaktoren für Schlaganfall sind Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Diabetes, Rauchen und Hypercholesterinämie. Wichtig ist zu betonen, Schlaganfall ist oft verhinderbar. Einer der Risikofaktoren ist das Rauchen. Eine medizinische Diplomarbeit über die Frage „Wie viele Patienten mit einem Schlaganfall halten sich an die Lebensstiländerung, erreichen die Präventionsziele“ hat ergeben, dass zwei Drittel diese Ziele beim Blutdruck, beim Zucker, etc. erreichen. Nachbeobachtungszeitraum war sechs Monate. Wer sind diejenigen, die diese Ziele nicht erreichen: die Raucher, die, die vorher psychisch krank waren, und die Alkoholkranken. Dem Thema Rauchen müssen wir viel mehr Aufmerksamkeit und aktive Unterstützung angedeihen lassen, die Versorgungslage mit Ersatzmedikamenten und regelmäßigen Kontrollen ist sehr schlecht.

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