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Leben 6. Juli 2015

Küssen: 80 Millionen Bakterien teilen

Küssen ist gesund.

Wie Küssen auf unseren Körper und die Psyche wirkt, ergründet die Philematologie – die wissenschaftliche Erforschung des Kusses. Zum Weltkusstag sprechen Experten der MedUni Graz über die Wirkung von Busserl und Co. auf die Gesundheit und geben spannende Einblicke rund um das Zeichen der Liebe.

Rote Lippen soll man küssen – das sang bereits Cliff Richards im Jahr 1963 und verbreitete damit die Botschaft, am besten gleich Tag und Nacht zu küssen. Dieser Empfehlung können auch die Experten der MedUni Graz – Prof. Dr. Ursula Wisiak und Prof. Dr. Gregor Gorkiewicz – einiges abgewinnen. „Ein Kuss wirkt nicht nur liebevoll und anregend, er ist auch gesundheitsfördernd", so Ursula Wisiak. So lässt ein leidenschaftlicher Kuss das Umfeld vergessen, bringt den Bauch zum Kribbeln und lässt die Knie weich werden. „Diese starken Wirkungen spüren wir deutlich und wohltuend", fährt Ursula Wisiak fort – gleichzeitig werden das Herz-Kreislauf-System sowie die Immunabwehr gestärkt.

Zahlreiche Studien belegen die gesundheitsfördernde Wirkung des Küssens. „Rund 80 Millionen Bakterien werden bei einem zehnsekündigen Kuss im Durchschnitt ausgetauscht", erläutert Gregor Gorkiewicz, Experte für Mikrobiomforschung an der MedUni Graz. Partner, die häufig und länger küssen, haben daher ein ähnlicheres Mundmikrobiom als jene, die weniger oft die Lippen spitzen. Der Austausch von Neuropeptiden soll stärkend auf das Immunsystem wirken und antimikrobielle Enzyme im Speichel sollen gar die Zähne vor Karies und Parodontose schützen können.

Küssen als Stresskiller

Mindestens 100.000 Küsse vergeben wir durchschnittlich im Lauf unseres Lebens und verbrauchen so an die 1,2 Millionen Kalorien. Dabei werden pro Kuss über 100 Milliarden Nervenzellen angeregt, Botenstoffe ins Gehirn geleitet und unser Körper von Glückshormonen geflutet. „Der ganze Körper wird durch das Küssen in einen gesundheitsfördernden positiven Stress versetzt", erklärt Ursula Wisiak. Dieser positive Stress des Küssens wirkt sich durchaus vorteilhaft auf unseren Alltag aus. So haben Menschen, die viel küssen mehr Erfolg im Beruf, bessere Gesundheitswerte und sind achtsamer im Straßenverkehr. Durch die Ausschüttung verschiedener Hormone kann sich der Körper entspannen, Ängste werden abgebaut und eine positive Grundstimmung wird gefördert.

Egal ob wir uns aus Liebe küssen, ein Busserl zum Abschied geben oder zur Begrüßung eines guten Freundes die Lippen spitzen – ein Kuss erfordert Empathie und die Fähigkeit, sich in den anderen einzufühlen. „Viele von uns wurden als Kind gezwungen Tanten oder Omas zu küssen, wobei die Zuneigung oft nur auf Seiten des Erwachsenen zu finden war", beschreibt Ursula Wisiak Kindheitserinnerungen, die wohl viele von uns kennen.

Zahlreiche Umfragen zum Thema Küssen spiegeln die Bedeutung wider. „56% der Frauen, aber nur 44% der Männer küssen ausgesprochen gern, wobei 43% der Frauen einen guten Kuss sogar Sex vorziehen", zitiert Ursula Wisiak aktuelle Statistiken. Insgesamt steht die Kusshäufigkeit in direkter Relation zur Zufriedenheit in der Beziehung. „11% küssen im Lauf ihrer Partnerschaft sogar mehr als zu Beginn, bei 42% lässt die Kusslust jedoch mit der Zeit nach", sagt Ursula Wisiak. Regelmäßiges Küssen ist ein klares Indiz für eine gut funktionierende Beziehung. „Ein Kuss ist ein schönes Zeichen an den Partner, dass alles in Ordnung ist und man sich gerne Zeit füreinander nimmt", schließt Ursula Wisiak ab.

Med Uni Wien/TF, springermedizin.at

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