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Rückgang bei Ritalin

Strenge Vorschriften bei Verordnung zeigen in Deutschland Wirkung.

Das umstrittene Arzneimittel Ritalin wird in Deutschland immer seltener verschrieben. Es wird nur zur Behandlung von ADHS eingesetzt.

In Deutschland werden immer weniger ADHS-Medikamente verschrieben. Der Verbrauch von Methylphenidat, auch bekannt unter dem Handelsnamen Ritalin, ist im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 1716 Kilo gesunken. Das teilte das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit. Vor zwei Jahren wurden noch 1.803 Kilo Methylphenidat verordnet, das vor allem zur Behandlung des sogenannten „Aufmerksamkeitsdefizits bzw. der Hyperaktivitätsstörung“ – kurz: ADHS – eingesetzt wird.

Bereits 2013 hatte sich eine Trendwende bei der Therapie des „Zappelphilipp-Syndroms“ abgezeichnet, nachdem der Medikamentenverbrauch erstmals seit 20 Jahren leicht gesunken sei. In den zehn Jahren zuvor hatte sich der Verbrauch in Deutschland verdreifacht.

Der Rückgang bestätigt laut BfArM-Präsident Karl Broich, dass die vor einigen Jahren beschlossenen Beschränkungen bei der Verordnung von ADHS-Medikamenten der richtige Weg gewesen seien. Weiterhin sei „Augenmaß nötig, damit Patienten von einer gezielten Therapie profitieren und vor unkritischer Überversorgung geschützt werden.

ADHS-Arzneien wie Ritalin sind umstritten. Im Zusammenhang damit wurden Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Angstzustände und Wachstumsstörungen bekannt. Für die Verschreibung gelten strenge Vorschriften.

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ist die häufigste psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen und kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Schätzungen zufolge sind mindestens 500.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland betroffen, Burschen drei- bis viermal so häufig wie Mädchen. Kinder mit ADHS zeigen weniger Ausdauer, sind leicht ablenkbar und haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Sie neigen zu impulsivem und unüberlegtem Verhalten und sind emotional labil. Die Ursachen der Störung sind unbekannt.

ADHS-Medikamente werden nicht nur zur Therapie eingesetzt, sondern auch von einer wachsenden Zahl von gesunden Teenagern, Studenten und Berufstätigen als eine Art Hirndoping.

Brain Booster für Manager

In Österreich geht der Ärztliche Leiter des Anton-Proksch-Instituts, Prof. Michael Musalek, von tausenden Betroffenen aus. Typisch sei der Manager mittleren Alters, der merke, dass er die Vorgaben nicht mehr erreiche. Oder ein Künstler, der jeden Tag Top-Leistungen abrufen müsse. „Sie hören von Ritalin, ein befreundeter Arzt verschreibt es ihnen“, sagt Musalek. Dem Leistungshoch, das maximal ein Jahr andauere, folge der Fall. „Man schläft nicht, arbeitet wie eine Maschine, dann stellen sich Angstzustände, Depressionen, Erschöpfung und Beklemmungszustände ein, die mit Alkohol und Schlafmitteln bekämpft werden.“

MB/APA-Med, Ärzte Woche 19/2015

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