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Bier geht in der GfK-Studie als klarer Favorit unter den alkoholischen Getränken hervor.
 
Allgemeinmedizin 24. März 2015

So trinkt Österreich

Eine Umfrage zum Alkoholkonsum zeigt, dass die heimische Bevölkerung 12,2 Liter reinen Alkohol pro Kopf und Jahr konsumiert.

Die Österreicher trinken oft, viel und am liebsten Bier. Hochgerechnet 200.000 Personen aller Altersgruppen neigen zu exzessivem Trinken. Männer, Jüngere und Arbeitslose sind besonders gefährdet. Diese und weitere Ergebnisse wurden im Rahmen einer langjährigen Umfrage zum Thema „Einstellung zu Alkohol“ analysiert.

Wie Österreicherinnen und Österreicher mit alkoholischen Getränken umgehen, wie viel sie trinken und was, hat Prof. Dr. Rudolf Bretschneider vom Marktforschungsinstitut GfK Austria bei 4.000 Personen über 15 Jahre erhoben. Seine Studienergebnisse präsentierte er beim 5. Internationalen Suchtsymposium am Grundlsee.

OECD-Zahlen zufolge trinkt die österreichische Bevölkerung 12,2 Liter reinen Alkohol pro Kopf und Jahr. Die Alpenrepublik reiht sich damit im EU-Vergleich unter die Top-Drei-Nationen mit dem höchsten Alkoholkonsum und wird nur von Litauen (12,7 Liter) und Estland (12,3 Liter) überholt. Bretschneider meint dazu: „Selbst wenn solche Vergleichsdaten mit Vorsicht zu genießen sind: Fakt ist jedenfalls, dass der Alkoholkonsum hierzulande hoch und in der Mitte der Gesellschaft angesiedelt ist. Das zeigt auch unsere Studie ganz deutlich“. So gab im Rahmen der GfK-Erhebung nur jeder Zehnte an, in den letzten zwölf Monaten nichts getrunken zu haben. Nur jeder Dritte konnte von sich behaupten, nur einmal im Monat zum Glas gegriffen zu haben. Umgekehrt berichteten neun Prozent, mindestens zweimal pro Monat einen Schwips zu haben – bezogen auf die Gesamtbevölkerung über 15 wären das 650.000 Menschen.

Regelmäßig und exzessiv

Auch übermäßiger Alkoholkonsum ist den Studiendaten zufolge mehr als präsent: Knapp die Hälfte berichtete von Personen in ihrem Lebensumfeld, die ihrer Meinung nach zu viel trinken. Sechs Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen, die in den letzten zwölf Monaten mehrmals pro Woche Alkohol getrunken hatten, geben an, dass sie mindestens zweimal pro Woche sechs oder mehr Gläser bei einer Gelegenheit gebechert hätten. „Auf die Bevölkerung umgelegt heißt das: 200.000 Personen praktizieren mit gewisser Regelmäßigkeit, was in Großbritannien bereits für beide Geschlechter unter ‚Binge Drinking‘, also exzessives Trinken fallen würde“, merkt Bretschneider an.

Nach Beschäftigung betrachtet ist die Gruppe der Arbeitslosen mit sieben Prozent und der un- oder angelernten Arbeiter mit sechs Prozent besonders gefährdet, exzessiv zu trinken. Anders als Medienberichte vielfach suggerieren, kann das exzessive Trinken laut GfK-Studie nicht primär den Jungen zugeordnet werden. „Durchschnittlich sind es drei Prozent in allen Altersgruppen, die wiederholt im genannten Ausmaß über die Stränge schlagen, die Älteren machen das aber eher im privaten Rahmen“, so Bretschneider.

Die Studie legt zudem nahe, dass Junge seltener trinken, aber weniger kontrolliert mit Alkohol umgehen können. Nur sechs Prozent der Generation Z (15 bis 18 Jahre) sagte beispielsweise, in den letzten zwölf Monaten mehrmals die Woche Alkohol getrunken zu haben – bei der 68er- und der Kriegsgeneration war es dagegen mehr als ein Drittel. Umgekehrt vermeldete jeder zehnte 15- bis 18-Jährige und jeder fünfte 19- bis 38-Jährige, in den letzten zwölf Monaten mindestens zwei Mal pro Monat einen Schwips gehabt zu haben, bei den älteren Generationen war dies nur ein Bruchteil davon. Rund vier Prozent der Jüngeren empfinden deswegen auch Reue- und Schuldgefühle und räumen alkoholbedingte Blackouts ein.

Drei Prozent können nicht mehr aufhören

Durchschnittlich drei Prozent der Gruppe, die mehrmals pro Woche Alkohol konsumiert, berichteten, dass es ihnen mindestens zweimal pro Monat nicht gelingt, mit dem Trinken aufzuhören, wenn sie erst einmal begonnen hätten. Das betrifft überwiegend Männer (5 %) und vor allem die jüngere Generationen, am stärksten jedoch die Generation Y (19 bis 38 Jahre) mit sieben Prozent.

Ein Glas am Morgen, um wieder in Schwung zu kommen und, wie Bretschneider vermutet, um Schuldgefühle wegzuspülen, brauchen vor allem die beiden jüngsten Altersgruppen (zwischen 15 und 38 Jahren), und zwar zu je vier Prozent. Arbeitslose gaben dieses Verhalten sogar zu neun Prozent zu Protokoll. Sechs Prozent der Menschen auf Arbeitssuche berichteten außerdem, aufgrund des Alkoholkonsums nicht immer tun zu können, was von ihnen erwartet würde. „Die vergleichsweise hohen Werte beim Alkoholkonsum Arbeitsloser legen nahe, dass die Betroffenen nicht unbedingt wegen eines Alkoholproblems ihren Job verloren haben, sondern oft auch aufgrund ihrer belastenden Lebenssituation zum Glas greifen“, so Bretschneider.

Bier ist das Lieblingsgetränk

Bier geht in der GfK-Studie als klarer Favorit unter den alkoholischen Getränken hervor. 34 Prozent der Männer, aber nur sieben Prozent der Frauen gaben an, das Hopfengetränk mindestens zweimal pro Woche zu konsumieren. Facharbeiter sind mit 35 Prozent die Berufsgruppe, die am häufigsten das Bierglas leert. Nach Altersgruppe betrachtet verzeichnet die 68er-Generation (54 bis 74 Jahre) mit knapp einem Viertel den intensivsten Bierkonsum, dicht gefolgt von der Generation X (39 bis 53 Jahre) mit einem guten Fünftel an Biertrinkern.

Wein wird am zweithäufigsten getrunken. 17 Prozent der Männer und zehn Prozent der Frauen gaben an, zweimal und öfter pro Woche dem Traubensaft zuzusprechen. Nach Berufsgruppen betrachtet trinken Landwirte am häufigsten Wein (28 % Wein, 11 % Bier), was wohl dem Umstand geschuldet ist, dass auch viele in oder bei einem Weinbaugebiet leben. Eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielen Mixgetränke wie Radler oder Spritzer, Spirituosen oder Schaumwein.

Trinken, um mit Freunden zu feiern

Auch warum Menschen trinken, wurde vom GfK analysiert. Im Vordergrund stehen soziale Motive und Verstärkungsmotive. Zwei Drittel erheben das Glas, um ein besonderes Ereignis mit Freunden zu feiern. 40 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen, weil der Alkoholgenuss selbst Freude macht und positive Gefühle weckt. Ein Fünftel der Männer und ein Viertel der Frauen trinken, um lockerer zu werden. Nur wenige trinken aus Konformitätsgründen: Konkret konsumieren acht Prozent der Männer und sechs Prozent der Frauen Alkohol, um nicht als Spaßverderber dazustehen.

Quellen: OECD (2014): Health at a Glance: Europe 2014; Bretschneider, R.: Einstellung zu Alkohol, GfK-Studie 2015

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