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Mundtrockenheit ist ein komplexes Symptom mit vielen möglichen Ursachen.
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Allgemeinmedizin 29. April 2014

Wenn die Spucke wegbleibt

Xerostomie: Das Wüstenklima im Mund bekämpfen.

Situationen, in denen die Spucke wegbleibt, gibt es genügend. Ein Schluck Wasser hilft meist weiter. Doch einige Patienten erleben diesen Zustand ständig und haben dadurch nicht nur Probleme mit dem Schlucken und Sprechen, sondern es gesellen sich auch Schlafstörungen und ein allgemeines Krankheitsgefühl hinzu oder es kommt zu Infektionen der angegriffenen Schleimhäute.

Zwischen einem halben und einem Liter Speichel produziert ein gesunder Mensch pro Tag. Ist es weniger, wird es unangenehm. Die Symptome einer Xerostomie reichen von aufgesprungen Lippen und eingerissenen Mundwinkeln über Zungenbeläge und Wunden bis hin zu einem verminderten oder veränderten Geschmacksempfinden.

Im Alter immer zäher

Mundtrockenheit ist ein komplexes Symptom mit vielen möglichen Ursachen. Besonders häufig treten die Beschwerden im Alter auf. Zwar konnten mehrere Studien zeigen, dass die Funktion der Speicheldrüsen bei gesunden älteren Menschen nicht abnimmt, doch offenbar verändert sich die chemische Zusammensetzung des Speichels, was diesen zäher werden lässt.

Medikamente: Die sich im Alter häufenden Erkrankungen ziehen die Einnahme mehrerer Medikamente nach sich – mit entsprechend zahlreichen Nebenwirkungen. Eine davon ist die Mundtrockenheit, die bei insgesamt 400 Präparaten aufgeführt wird, u.a. bei Medikamenten zur Behandlung von Asthma oder M. Parkinson, bei Antihistaminika, Protonenpumpeninhibitoren, Psychopharmaka und Antihypertensiva. Bei diesen Patienten gilt es zu überprüfen, ob sie auf ein weniger speichelreduzierendes Medikament umsteigen können oder ob gegebenenfalls. die Tagesdosis auf mehrere Dosen verteilt werden kann.

Systemische Erkrankungen: 56 Prozent der Patienten mit einem lange bestehenden Typ-2-Diabetes klagen über häufiges Zungenbrennen, 18 Prozent über Mundtrockenheit. Auch im Zusammenhang mit chronischer Niereninsuffizienz sowie bei rheumatischen Erkrankungen kommt es sehr häufig zu Xerostomie.

Entzündungsgeschehen und Infektionen: Durch Krankheiten wie etwa eine infektiöse Mononukleose, Angina Plaut-Vincenti, Parotitis marantica oder eine Sialolithiasis kann die Funktion der Speicheldrüsen direkt beeinträchtigt sein. Aber auch zahlreiche Veränderungen im Mundbereich können eine Xerostomie begünstigen. Häufig sind es Pilzinfektionen, die die Schleimhaut verändern und Mundbrennen verursachen. Auch mangelnde Mundhygiene bzw. eine Parodontitis können das Austrocknen der Mundschleimhaut begünstigen.

Radiotherapie: Von einer Radiotherapie im Kopf- und Halsbereich werden die kleinen Speicheldrüsen in Mitleidenschaft gezogen, sodass die Produktion versiegt.

Lebensstil: Stark angegriffen werden die Schleimhäute auch in folgender Konstellation: viel reden, rauchen und trinken.

An erster Stelle bei der Suche nach den Ursachen der Mundtrockenheit stehen bildgebende Verfahren wie vor allem Ultraschall, Computertomographie und Kernspintomographie. Speichelsteine können meist nur durch die Kombination verschiedener Methoden ausgeschlossen werden.

Beschwerden infolge von Schnarchen und Schlaf-Apnoe-Syndrom werden im Schlaflabor abgeklärt. Besteht Verdacht auf ein Sjögren-Syndrom muss die primäre Form mit isolierter Siccasymptomatik von der sekundären unterschieden werden, die zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen auftritt. Um die Mundtrockenheit zu verbessern, sollte über den ganzen Tag verteilt möglichst viel getrunken werden. Für den Patienten ist es hilfreich, wenn die Gesamttrinkmenge vorgegeben wird, z.B. zwei Flaschen Mineralwasser täglich. Durch Kauen von zuckerfreiem Kaugummi oder das Lutschen von Bonbons lässt sich die Speichelproduktion aktivieren.

Wann kommt künstlicher Speichel zum Einsatz?

Bei starken Beschwerden kann die Speichelproduktion auch medikamentös stimuliert werden (s. Tabelle). Außerdem stehen heute mehrere Produkte für eine Substitution mit künstlichem Speichel zur Verfügung. Sie können beispielsweise Pa-tienten nach einer Radiotherapie in Kombination mit Lidocain-Lösungen Linderung verschaffen.

Neben sialagogischen Maßnahmen sollte zudem zu einer besonders guten Mundhygiene mit Spülungen geraten werden, weil die verringerte Speichelproduktion das schnelle Fortschreiten einer Strahlenkaries begünstigt. Da man annimmt, dass der Xerostomie bei Typ-2-Diabetikern eine Mikroangiopathie und Neuropathie zugrunde liegen, ist in diesem Fall möglicherweise eine Behandlung mit Alpha-Liponsäure erfolgreich. Sollte die Mundtrockenheit im Rahmen einer Hypochondrie oder somatoformen Störung auftreten, kann bereits die Aufklärung über die Harmlosigkeit des Symptoms Erleichterung verschaffen.

Originalartikel: O. Michel, HNO-Nachrichten 4/2012, © Springer Medizin

 

www.springermedizin.de
, Zahnarzt 5/2014

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