zur Navigation zum Inhalt
 
Diabetologie 24. November 2013

Typ-2-Diabetes: selber schuld?

Bei „Hochrisikopersonen“ reicht Lebensstiländerung nicht aus.

Die Risikofaktoren für den Typ-2-Diabetes sind bekannt: Bewegungsmangel, Fehl- und Überernährung. Lebensstiländerungen vermögen die Erkrankungsraten zu senken. Sie wirken jedoch nicht bei „Hochrisikopersonen“ – warum und welche individuell vorbeugenden Maßnahmen diese Menschen benötigen, diskutierten Experten bei der 7. Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft.

Internationale Studien haben gezeigt: Lebensstilmaßnahmen können fast die Hälfte aller neuen Diabeteserkrankungen in den ersten Jahren verhindern. „Daraus wird jedoch allgemein gefolgert, dass man mit einer gesünderen Lebensweise Diabetes populationsbezogen verhindern kann“, sagt Prof. Dr. Andreas Fritsche, Leiter der Abteilung „Prävention und Therapie des Typ-2-Diabetes“ am Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen am UniKlinikum Tübingen. „So entsteht der Eindruck, Diabetes-Erkrankungen seien ausschließlich ein Problem der ‚Non-Compliance‘ und der Präventionsverweigerung.“ Menschen mit Diabetes Typ 2 wird häufig unterstellt, sie seien somit selbst schuld an ihrer Erkrankung. Außerdem suggeriert dies, dass eine medikamentöse Therapie bei Diabetes Typ 2 gar nicht mehr nötig ist, wenn Betroffene nur genug Übergewicht abbauen, sich mehr bewegen und anders essen.

„Diabetes wird damit ausschließlich zu einer Lifestyle-Erkrankung erklärt“, warnt Fritsche. Menschen mit Diabetes seien jedoch auf ärztliche Behandlung angewiesen, zu der ab einem höheren Stadium der Erkrankung in der Regel eine medikamentöse Therapie gehöre. Darüber hinaus tragen bestimmte Menschen unabhängig von ihrem Lebensstil ein besonders hohes Risiko für Diabetes und sprechen gleichzeitig nicht auf die herkömmliche Diabetesprävention an.

„Ärzte müssen sich mehr diesen mit hohem Risiko und Krankheitslast geschlagenen Menschen zuwenden“, fordert Fritsche. Sie benötigen Vorbeugungsmaßnahmen, die ihre individuellen Krankheitsmechanismen spezifisch ansprechen: „Der schlanke Mensch mit Prädiabetes braucht eine andere Prävention als der Übergewichtige. Jemand mit erhöhtem Nüchternblutzucker braucht andere Maßnahmen als derjenige mit erhöhtem postprandialen Blutzucker. Menschen mit isolierter Insulinresistenz brauchen wiederum andere Maßnahmen als jene mit isolierter Insulinsekretionsstörung oder mit erhöhtem Leberfett“, betont Fritsche.

Quelle: 7. DDG-Herbsttagung, 15. bis 16. November 2013, ICC Berlin.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben