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Orthopädie 19. Juni 2013

Die Motivation entscheidet

Arthrosepatienten sprechen auf Bewegungsprogramme sehr gut an – sofern ihnen das Training Spaß macht.

Auf dem EFORT-Kongress vorgestellte neue Ansätze unterstreichen die Schlüsselrolle von Training auch im Zusammenhang mit orthopädischen Eingriffen. Bewegungsangebote müssen individuell auf die Patienten zugeschnitten sein, die Motivation ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg. Neuromuskuläres Training gilt als Therapie der Wahl.

Neben Gewichtsreduktion und umfassender Patientenaufklärung gehören in Europa und den USA Trainingsprogramme mit zur Standardbehandlung von Arthrose. Bewegung kann zusätzlich eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit orthopädischen Operationen bei Arthrosepatienten spielen, sagt Prof. Dr. Ewa Roos vom Institut für Sportwissenschaften und Klinische Biomechanik, Universität Odense, Dänemark. Ein individuell angepasstes Bewegungsprogramm vor einem potenziellen orthopädischen Eingriff könne zu einer gezielteren Auswahl von Patienten beitragen, die von einem Eingriff profitieren – und damit nicht zuletzt zu kürzeren Wartelisten für Hüft- oder Knieersatz.

Positive Nebenwirkungen

Bewegungsprogramme müssen auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sein, so Roos: „Ein 50-jähriger Mann mit vorangegangener Knieverletzung und eine 75-jährige übergewichtige Frau benötigen sehr unterschiedliche Bewegungsprogramme. Je nach Krankheitsentwicklung müssen die Trainingsvorgaben auch immer wieder angepasst werden.“

Roos unterstreicht den schmerzlindernden Effekt von gezieltem Training. Dieser könne häufig dazu beitragen, eine Gelenksersatzoperation hinauszuzögern. Gerade dieser Aspekt von Bewegungsprogrammen bei der Behandlung von Arthrose ist derzeit ein wichtiger Forschungsschwerpunkt in skandinavischen Ländern, eine Reihe von großen randomisierten Studien läuft gerade.

„Wenn man über einen Zeitraum von sechs Wochen zwei Mal wöchentlich gezielt trainiert, erzielt man eine zwei- bis dreimal bessere schmerzlindernde Wirkung als mit der üblichen Dosis von Analgetika“, erklärt Roos. „Dabei ist auch zu bedenken, dass Schmerzmittel problematische Nebenwirkungen für Magen und Herz haben können, während die Nebenwirkungen von Sport mit einer verbesserten Leistungsfähigkeit und Stimmungsaufhellung ausschließlich positiv sind.“

Training muss Spaß machen

Wesentlich ist, dass Patienten ausreichend motiviert sind, einen Trainingsplan auch konsequent zu befolgen, wobei die Behandler eine wesentliche Rolle spielen: „Orthopädische Chirurgen sind für Arthrosepatienten wichtige Ansprechpartner. Sie sollten dafür sensibilisiert werden, ihren Patienten die wesentliche Rolle von Sport für die Schmerzlinderung, für eine bessere Leistungsfähigkeit und für eine allgemeine Verbesserung des Gesundheitszustands nahezubringen.“ Das sei schon deshalb wichtig, weil Arthrose vor allem dann zu einer verringerten Lebenserwartung beiträgt, wenn die allgemeine Mobilität eingeschränkt ist.

Es müsse allerdings auch berücksichtigt werden, dass körperliche Betätigung für manche Patienten eine wesentliche Umstellung ihres Alltags bedeuten kann. Für einen Langzeiterfolg müssen Aktivitäten und Trainingsangebote gefunden werden, die den Patienten Spaß machen und bei denen sie sich wohlfühlen. „Lebensstiländerungen sind nie einfach, aber sie können noch schwerer fallen, wenn man unter Gelenkschmerzen leidet und Sport treiben soll.“ Die Fortschritte der Patienten sollten regelmäßig überwacht werden.

Neuromuskuläres Training

Als besonders vielversprechender Ansatz für Arthrosepatienten habe sich neuromuskuläres Training erwiesen. Roos: „Neuromuskuläres Training baut auf biomechanischen Grundsätzen auf und wurde speziell für Patienten mit Knie- oder Hüftarthrosen entwickelt.“ Um die Übungen dem individuellen Status der Betroffenen anpassen zu können, empfiehlt Roos regelmäßige Schmerzmessungen, um besser einschätzen zu können, wann ein Patient bereit für die nächste Steigerung bei der Trainingsintensität ist.

Kontrolliert und individuell

Auch bei schwerer Erkrankung sprechen Arthrosepatienten auf Bewegungsprogramme sehr gut an, berichtet Roos. „Nach derzeitigen Erkenntnissen ist gezieltes Training eine sichere und effektive Behandlungsmethode bei Arthrose. Auf der Grundlage der bestehenden Evidenz und meiner klinischen Erfahrung lautet meine Empfehlung für alle Patienten mit Knie- und Hüftarthrose: ein sechswöchiges überwachtes, individuell zugeschnittenes Bewegungsprogramm, Aufklärung zum Krankheitsbild und gegebenenfalls eine Gewichtsabnahme.“

Sowohl vor als auch nach einer Gelenkersatz-Operation sollte Training als Therapie zum Einsatz kommen, in manchen Fällen ließen sich Eingriffe sogar vermeiden.

Quelle: EFORT 2013; Instructional Lecture: Training as non-operative treatment of patients with osteoarthritis of the hip or knee

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