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© malerapaso / istockphoto.com
Wenn die Taille weniger Umfang hat, können Patienten mit Diabetes mellitus auch mit weniger Medikamenten auskommen.
 
Diabetologie 18. März 2013

Abnehmhilfen

Antidiabetika helfen bei extremer Adipositas beim Abbau der Kilos.

Auch wenn es schwerfällt: Das Gewicht mit konservativen Mitteln zu senken, bleibt für adipöse Diabetiker die erste und wichtigste Therapiemaßnahme. Mit der geeigneten blutzuckersenkenden Therapie kommen sie leichter ans Ziel.

Von extremer Adipositas spricht man üblicherweise erst ab einem BMI von 40 kg/m2; bei Typ-2-Diabetes wird diese Grenze wegen des hohen kardiovaskulären Risikos schon bei einem BMI von 35 kg/m2 gezogen. Welche speziellen Therapieziele für diese besonders gefährdeten Patienten gelten, hat Prof. Dr. Hans Hauner von der TU München in der Zeitschrift Der Diabetologe zusammengefasst.

Weil die Adipositas „ein Schrittmacher für metabolische und kardiovaskuläre Störungen“ ist, muss als zentrales Behandlungsziel eine Gewichtsabnahme angestrebt werden. Der Gewichtsverlust sollte zwischen zehn und 20 Prozent, bei einem BMI ab 40 kg/m2 bis zu 30 Prozent betragen. Diese Vorgaben sind laut Hauner zwar nicht streng evidenzbasiert, sie orientieren sich aber an Machbarkeit und Nutzen.

Durch ein Programm mit Diätvorgaben, Sport und regelmäßiger Betreuung schafften (stark) übergewichtige Diabetiker in der Look-AHEAD-Studie eine Gewichtsreduktion von neun Prozent, nach vier Jahren waren sie immerhin noch fünf Prozent leichter. Sie brauchten außerdem weniger Antidiabetika, hatten ein besseres kardiovaskuläres Risikoprofil, waren beweglicher und stuften ihre Lebensqualität als besser ein. Der Wermutstropfen: Auch nach elf Jahren hatten die Patienten nicht weniger Herz-Kreislauf-Komplikationen erlitten als die weniger intensiv betreuten Patienten, die kaum abgenommen hatten.

Antiglykämische Therapie

Sulfonylharnstoffe und mehr noch Insulin lassen das Gewicht von Typ-2-Diabetikern steigen. Metformin dagegen bewirkt einen geringen Gewichtsrückgang und ist daher das Medikament der Wahl, das bei adipösen Diabetikern auch dann beibehalten werden sollte, wenn sie insulinpflichtig werden. Im Mittel sogar um 2–5 kg leichter werden übergewichtige Typ-2-Diabetiker unter der Therapie mit einem GLP-1-Mimetikum. Die Substanzklasse verlangsamt die Magenentleerung und erhöht das Sättigungsgefühl und ist daher eine „wertvolle Therapieoption für diese Patientengruppe“.

Wirksam, aber riskant: bariatrische Operationen

Der wirksamste Schlankmacher ist die Adipositaschirurgie: Durch Magenband und Schlauchmagen, allein oder in Kombination mit einer partiellen Ausschaltung des Dünndarms, lässt sich das Gewicht um bis zu 30 Prozent senken. Die glykämische Kontrolle bei adipösen Typ-2-Diabetikern wird damit durchschlagend verbessert.

In der SOS-Studie kam es bei 72 Prozent der Patienten zu einer Remission ihres Diabetes, die bei jedem Zweiten nach zehn Jahren noch Bestand hatte. Bariatrische Operationen sind jedoch nicht nur enorm wirksam, sondern auch mit erheblichen Risiken verbunden. Das zeigt sich auch an der verhältnismäßig niedrigen Zahl von jährlich maximal 3.000 adipositaschirurgischen Eingriffen bei Diabetikern. Unabhängig davon, ob der anfängliche Gewichtsverlust mit oder ohne chirurgische Hilfe erzielt wurde, müssen die Patienten ihren Lebensstil dauerhaft gesund gestalten. Dazu gehören eine Kost mit wenig Fett bzw. niedriger Energiedichte und täglich 30–60 Minuten Bewegung. Entscheidend für den Langzeiterfolg ist die Motivation der Patienten sowie ein langfristiges Betreuungskonzept.

 

springermedizin.de/IS, Ärzte Woche 12/2013

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