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Innere Medizin 20. Jänner 2010

Syndrom X – Wenn der Lebensstil zum Verhängnis wird

Das Metabolische Syndrom ist weltweit auf dem Vormarsch. Das multifaktorielle Geschehen stellt Medizin und Gesundheitssystem vor eine große Herausforderung.

„Allein in den USA haben Studien zufolge 40 Prozent der Bevölkerung mit der Erkrankung zu kämpfen“, berichtet Dr. Christoph Säly vom LKH Feldkirch. Die Kombination von visceraler Adipositas, gestörtem Glukosestoffwechsel, hohen Triclyceridwerten, niedrigem HDL-C und arterieller Hypertonie bildet das Metabolische Syndrom, welches 1988 als Syndrom X von Gerald Reaven beschrieben wurde. Dieser vermutete bereits damals die Insulinresistenz als Ursache, weswegen es auch als Insulinresistenzsymptom gilt.

Verschiedene Gesellschaften haben unterschiedliche Definitionen zur Diagnostik des Metabolischen Syndroms vorgeschlagen, wobei jene der ATP III und der IDF die wichtigsten darstellen (siehe Kasten). Die Gefährlichkeit ergibt sich aus den Folgewirkungen und den damit einhergehenden Erkrankungen, so ist das kardiovaskuläre Risiko auf das Zwei- bis Dreifache, das Risiko, allein an Diabetes zu erkranken, um das Drei- bis Fünffache erhöht.

Das Fettgewebe ist ein hochaktives Organ

Das Fettgewebe, das im Rahmen einer Insuliresistenz vermehrt wird, spielt dabei eine wichtige Rolle. „Wie wir heute wissen, ist das Fettgewebe nicht nur ein Speicherort, sondern ein metabolisch hochaktives endokrines Organ“, sagt Dr. Christoph Säly vom LKH Feldkirch. Im Fettgewebe werden Entzündungsmediatoren gebildet, die weitreichende Folgen haben. Unter anderem können diese eine arterielle Hypertonie, bedingt durch Vasokonstriktion, gehemmte Vasodilatation und eine erhöhte Sympathikusaktivität, auslösen.

Verhältnis LDL zu HDL

Den wichtigsten Faktor stellt im Zuge des Metabolischen Syndroms jedoch der Lipidwert dar, im Besonderen in Relation zum HDL. Optimal für die Behandlung ist dabei eine Reduktion der aggressiven (LDL) und eine Steigerung der protektiven Faktoren (HDL). Im Zuge der TNT-Studie (Deedwania P et al. Lancet 2006) wurde eine Therapie mit Atorvastatin sowohl in einer Dosierung von 10 mg als auch 80 mg an KHK-Patienten mit Metabolischem Syndrom durchgeführt. Durch die aggressivere Behandlung mit 80 mg wurde eine zusätzliche Risikoreduktion um 30 Prozent und eine NNT (number needed to treat) von 29 erreicht. Den Benefit durch Stärkung der defensiven Faktoren beschreiben vor allem ältere Studien bei Verwendung von Gemfibrozil oder Nicotinsäure (Rubins HB et al. N Engl J Med 1999; Carlson LA Rosenhamer G. Acta Med Scand 1988). Welchen therapeutischen Erfolg die Kombination aus beiden Verfahren mit sich bringt, untersuchen gegenwärtig drei große Studien (ACCORD-LLA, AIM-HIGH, HPS2-THRIVE), die in den kommenden Jahren unter Umständen neue Erkenntnisse bringen.

Ziele für den Therapieerfolg

ATP III sowie AHA empfehlen eine Behandlung der zugrundeliegenden Ursachen von Übergewicht und Bewegungsmangel durch Ernährungsumstellung und vermehrte körperliche Aktivität sowie in weiterer Folge eine Behandlung der kardiovaskulären Risikofaktoren, falls diese trotz der Lifestyle-Modifikation bestehen bleiben. Die Lipidzielwerte von HDL sollten laut Grundy et al. (Diagnosis and Management of the metabolic syndrome. Circulation 2005) bei Männern > 40 mg/dl und bei Frauen > 50 mg/dl und jene des LDL-Cholesterins unter 100 mg/dl (bei Hochrisiko < 70 mg/dl) betragen.

HbA1c -Senkung von Bedeutung

Eine aggressive Glukosesenkung trägt durch HbA1c-Senkung bei Patienten mit Typ-2-Diabetes (< 6,5%) zu einer wesentlichen Reduktion der mikrovaskulären Ereignisse bei. Im Rahmen der ADVANCE-Studie (N Engl J Med 2008) konnte eine Senkung um 14 Prozent nachgewiesen werden, jedoch keine im Zuge der makrovaskulären Folgen des Diabetes.

Auch die richtige Einstellung des Blutdrucks ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, bei dem eine Reduktion des Blutdrucks auf unter 149/90 mm/Hg (bei Diabetes mindestens <130/80 mm/Hg) anzustreben ist.

„Idealerweise sollte man also fit und nicht übergewichtig sein, um dem Metabolischen Syndrom und seinen Folgekomplikationen entgehen zu können“, sagt Säly.

Kasten:
Kriterien nach NCEP-ATP-III*:
Diagnose wird gestellt, wenn mindestens drei der folgenden fünf Kriterien erfüllt sind:
• Abdominelle Fettverteilung, bestimmt durch einen Taillenumfang von über 102 cm bei Männern oder über 88 cm bei Frauen
• Triglyzeride von gleich/über 150 mg/dL
• HDL-Cholesterin von unter 40 mg/dL bei Männern bzw. < 50 mg/dL bei Frauen
• Blutdruck gleich/über 130/85 mmHg
• Nüchternblutzucker von über/gleich 110 mg/dL

*National Cholesterol Education Program (NCEP): Third Report of the Expert Panel on Detection, Evaluation, and Treatment of High Blood Cholesterol in Adults (ATP III Final Report)
Kriterien der International Diabetes Federation (IDF):
Bestehen einer bauchbetonten Adipositas bei Männern: Bauchumfang gleich/über 94 cm, bei Frauen gleich/über 80 cm.

Und zusätzlich noch mindestens zwei der folgenden Risikofaktoren:
• Nüchternglukose von gleich/über 100 mg/dl oder diagnostizierter Diabetes Typ 2
• erhöhte Triglyceride > 150 mg/dl oder spezifische Therapie dieser Lipidanomalie
• niedriges HDL-Cholesterin: < 40 mg/dl bei Männern und < 50 mg/dl bei Frauen oder spezifische Therapie dieser Lipidanomalie
• Bluthochdruck ( gleich/über 130 mmHb / gleich/über 85 mmHg) oder antihypertensive Therapie

Von Christian Vajda, Ärzte Woche 3 /2010

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