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© Christian Jungwirth

KH der Barmherzigen Schwestern in Linz: 2017 soll hier der erste Gesundheitspark eröffnet werden.

© Bebeto Matthews / picture alliance

Fitnessstudios gehören zum Angebot der neuen Gesundheitsparks der Vinzenz Gruppe in Oberösterreich und Wien.

 
Praxis 26. Oktober 2015

„Reha gleich an Ort und Stelle“

Die Vinzenz Gruppe plant die Errichtung und Anmietung von Gesundheitsparks neben ihren Spitälern.

Während noch um einen gesetzlichen Rahmen für die Primärversorgung gerungen wird, werden Tatsachen geschaffen. Sei es in der Steiermark mit Styriamed, sei es in Linz, wo die Vinzenz Gruppe neben ihrem Spital einen Gesundheitspark errichtet. Weitere sollen folgen.

Es geschah ungefähr zwei Wochen vor der Wien-Wahl. Gesundheitsstadträtin Mag. Sonja Wehsely saß entspannt im Veranstaltungszentrum der Ärztekammer – die Körperhaltung allerdings nicht ganz so leger wie bei ihrem Chef Michael Häupl in der sogenannten „Elefantenrunde“ – und parierte die Anwürfe der Standesvertreter. Neue Kassenverträge? Iwo, Geld ist nicht alles, zuerst müssten sich Strukturen ändern. Einzelträge für PHC-Mediziner statt Gesamtvertrag? Wenns sein muss! Sie, Wehsely, lasse sich nicht erpressen. Doch irgendwann riss dem Polit-Routinier dann doch der Geduldsfaden.

Anlass: das geplante PHC beim Donauspital. Wehsely: „Herr Doktor (ÄK-Vizepräsident Johannes Steinhart, Anm.), da tunma jetzt seit einem Jahr umadum. Da meldet sich niemand.“ Primärversorgung, so scheints, ist nicht nur ein Wortungetüm, sondern ist auch verflixt schwer in die Tat umzusetzen, wie es der Bundeszielsteuerungsvetrag – noch so ein Wortmonster – verlangt.

Nun ist die Wien-Wahl geschlagen und in den verfahrenen PHC-Karren kommt wieder Schwung. Angestoßen allerdings nicht von der Politik oder gar der Standesvertretung, sondern von der Vinzenz-Gruppe. Der große Spitalsträger (sieben Krankenhäuser, Reha- und Pflegeeinrichtungen) wird sich künftig in der Gesundheitsversorgung im niedergelassenen Bereich engagieren.

Die von der Vinzenz Gruppe seit Jahren geplanten „Gesundheitsparks“ sind allerdings keine Hausärztezentren, sondern eher eine Art Gesundheits-Supermarkt. Mit Fachärzten, Kurzzeit-Pflegern, Psychologen und Ernährungsberatern. Außerdem werde es ambulante Reha und Fitnessstudios geben. Geschäfte für medizinisch-technischen Bedarf und Fortbildungs- und Schulungsanbieter seien ebenfalls als Mieter willkommen, sagt der Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, Michael Heinisch.

Die Gesundheitsparks werden direkt neben den sieben Akutspitälern der Gruppe in Wien und Oberösterreich gebaut oder angemietet werden. Am weitesten seien die Pläne in Linz gediehen, verriet Heinisch im Sommer der Presse. Neben dem Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern habe die Vinzenz Grupp ein 4.000 Quadratmeter großes Gebäude erstanden, das 2017 fertig ausgebaut und eingerichtet sein soll.

Das Vorbild für den oberösterreichischen Gesundheitspark ist die Ernst von Bergmann-Klinik in Potsdam. Der hiesige Gesundheitspark ist das ehemalige Bezirkskrankenhaus, übrigens eine kommunale Einrichtung ( http://goo.gl/sbPMRE ). Neu errichtet wurden ein modernes Notfall-OP-Zentrum, das Zentrum für Frauen- und Kinderheilkunde sowie das Präventions- und Rehazentrum. Neue Kassenverträge kann Heinisch auch nicht aus dem Boden stampfen, daher werden zunächst Wahlärzte angesprochen. À la longue sollen aber die „Parks“ mit Kassenvertragsärzten bestückt werden. „Das ist unser Ziel.

Die Gesundheitsparks der Vinzenz-Gruppe sollen am gleichen Standort wie ihre Spitäler entstehen. Für Patienten bedeute dies: „Kurze Wege und ein niederschwelliges Angebot. Sie können die Reha gleich an Ort und stelle machen.“

Gemeinnützige Gruppe

Groß verdienen will die Vinzenz Gruppe mit den neuen Gesundheitsparks nicht. „Wir sind gemeinnützig und brauchen, trotz steigender Immobilienpreise, mit unseren Gesundheitsparks keine Gewinnmarge zu erzielen.“ Für die ambulanten Reha-Zentren in Wien-Speising und Linz (onkologische und orthopädische Reha) wurden mit der Pensionsversicherungsanstalt Verträge abgeschlossen. „Die Patienten brauchen nichts privat zu zahlen.“

Warum tut man es dann, wenn nicht des Geldes wegen? Heinisch: „Weil ich es für eine wirklich gescheite Idee halte, Standorte zu schaffen, die ein komplettes Angebot außerhalb des Krankenhauses anbieten.“

Unterdessen fliegen zwischen der SPÖ-dominierten Wiener Gesundheitspolitik und der Ärztekammer die Fetzen. Die ÄK läuft gegen gesetzliche Vorgaben für die geplante Primärversorgung Sturm und will die neuen Strukturen selbst aufbauen (s.S.2). „Wir werden kein Gesetz brauchen“, meint Vizepräsident Steinhart.

Oberhausers Fahrplan

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser bleibt optimistisch, „wir fahren nach Fahrplan fort“. Bis Jahresende soll das Gesetz fertig sein.

In einem offenen Brief hatte die Ärztekammer Oberhauser aufgefordert, „den Weg der Konfrontation zu verlassen“. Oberhauser möge ein Zeichen gegen Privatisierung und Zentralisierung setzen.

Außerdem solle sie die Zwei-Klassen-Medizin in Österreich nicht weiter verschärfen, sich an den gemeinsamen Konsens zu „Primary Health Care“-Zentren aus dem Jahr 2014 halten und sich gegen die Abschaffung der Hausärzte aussprechen, so die von Vizepräsident Steinhart und Präsident Thomas Szekeres unterzeichnete Botschaft.

Die ÄK warnt vor „Gesundheitsgroßinstitutionen, die von Konzernen nach deren betriebswirtschaftlichen Überlegungen geleitet werden sollen“. Nicht einmal ein Arztkontakt sei dort zwingend vorgesehen, so die Horrorvorstellung der Standesvertreter. Befürchtet wird, dass die Kammer um ihre zentrale Position beim Aushandeln der Gesamtverträge mit den Kassen gebracht wird.

Die von der Ärztekammer an sie gestellten Forderungen würde Oberhauser selbst unterschreiben, sie mache sich „keine Sorgen“.

Sie betonte, dass es nicht darum gehe, den Hausarzt zu ersetzen. Es komme etwas Neues hinzu. Es werde sich vielleicht zeigen, dass der Wunsch der Patienten jenem der Ärzte entspricht. Eventuell nicht jenem der Funktionäre.

„Das werden vielleicht nicht Sie sein und vielleicht nicht ich“

Manches ist in Bewegung gekommen. Wehsely, seit 2007 im Amt, sagte vor der Wahl, dass sie für die volle Legislaturperiode zur Verfügung stehe. Über kommende Verhandlungsrunden mit der Standesvertretung meinte sie jedenfalls: „Das werden dann vielleicht nicht sie (Anm.: ÄK-Vizepräsident Johannes Steinhart) sein und das werde vielleicht nicht ich sein.“

Martin Burger, Ärzte Woche 44/2015

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