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An zunehmendem Sehverlust erkranken allein in Europa jährlich rund fünf Millionen Menschen.
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Die meisten Behandlungen einer Makuladegeneration werden österreichweit in Wien durchgeführt.

 
Augenheilkunde 18. August 2015

Sauteuer, aber es wirkt

Medikamentöse Behandlung der diabetischen Retinopathie verdrängt die Lasertherapie.

Bei schwerer Retinopathie wirkt Aflibercept am besten. Die Laser-Therapie kann die diabetische Retinopathie zwar stabilisieren, führt aber, anders als die Arzneimittel, keine Verbesserung herbei. Nur rund 30 Prozent der von einer Makuladegeneration Betroffenen werden optimal behandelt. Die Wiener Uniklinik für Augenheilkunde ist die neue Koordinierungsstelle für die Entwicklung von Diagnose- und Behandlungsrichtlinien.

600.000 Österreicher sind zuckerkrank. Die diabetische Retinopathie als Folge ist, wie auch die altersbedingte Makula-Degeneration, eine häufige Ursache für Erblindung. Die Wiener Universitätsklinik für Augenheilkunde (AKH/MedUni Wien) wurde von der Europäischen Gesellschaft für Netzhautspezialisten zur Koordinationsstelle für die Entwicklung von Diagnose- und Behandlungsrichtlinien gewählt.

Die Ergebnisse einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie, bei welcher die Effizienz mehrerer Medikamente bei diabetischer Makula-Degeneration verglichen wurde, werden nun im „Vienna Reading Center“ der Klinik an der MedUni Wien genauer analysiert. „Das Vienna Reading Center ist eines der führenden Zentren weltweit, zur Analyse von Bildern der menschlichen Netzhaut“, sagt Ursula Schmidt-Erfurth, Leiterin der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie. „Unsere Analysen und Studien bilden eine Basis für die Zulassung neuer Medikamente.“

Für die Behandlung der diabetischen Netzhautdegeneration zeigen aktuelle Untersuchungen aus Wien, dass eines jener Arzneimittel (Aflibercept), die bei der Behandlung von Retinopathien als regelmäßige Injektion ins Auge eingesetzt werden, einen besseren Effekt haben könnte. „Diabetiker sind ganz besonders auf normales Sehvermögen angewiesen, allein zum täglichen Einstellen ihres Blutzuckers“, erklärt die Klinikchefin.

Millionen Neuerkrankungen

An einer Makuladegeneration, dem zunehmenden Sehverlust durch Schäden an der Netzhaut, erkranken allein in Europa jährlich rund fünf Millionen Menschen. Es handelt sich um eine die weltweit häufigste Augenerkrankung. Die Degeneration der Augennetzhaut sorgt für einen allmählichen Funktionsverlust der Zellen und führt zu fortschreitendem Gesichtsfeldverlust. Seit Jahren gibt es in Österreich auf diesem Gebiet heftige Diskussionen. Dabei geht es vor allem um den Preis für die in der Therapie verwendeten Arzneimittel und um den Ort, wo die Behandlung stattfindet.

Laut einer Untersuchung werden in Österreich nur rund 30 Prozent der von einer Makuladegeneration Betroffenen „State of the Art“ behandelt. Die Injektion der Arzneimittel, welche im Auge die krankhafte Neubildung von Blutgefäßen in der Netzhaut unterbinden, wird von den Krankenkassen bei niedergelassenen Augenärzten nicht bezahlt und erfolgt ausschließlich in Krankenhäusern mit Augenabteilungen.

„Wir müssen festhalten, dass über alle Zentren – es sind zwölf Zentren in acht Bundesländern –, Indikationen und Patienten im Jahr 2013 durchschnittlich nur 3,3 der Injektionen durchgeführt wurden. Die Behandlung sollte aber acht bis zehn Mal pro Jahr erfolgen“, sagte vor kurzem die Wiener Gesundheitsökonomin Anna Vavrovsky. In Österreich wurden 2014 nur 63.000 solcher Therapien durchgeführt. 21.000 davon in Wien, dann folgten Oberösterreich mit 17.500 und die Steiermark mit 11.500. In Großbritannien werden die Injektionen sogar schon vom nichtärztlichen Personal durchgeführt, um allen Patienten die notwendige Therapie zu ermöglichen.

Zur Wirksamkeit der medikamentösen Behandlung der diabetischen Retinopathie hat der US-Experte Lee Jampol von der Northwestern University in Chicago im März diese Jahres mit Co-Autoren im New England Journal of Medicine eine in der Fachwelt viel beachtete Vergleichsstudie mit den Wirksubstanzen Bevacizumab, die eigentlich nicht für die Ophthalmologie zugelassen – Ranibizumab und Aflibercept – veröffentlicht.

Neuer Goldstandard?

Diese drei Arzneimittel hemmen demnach die Wirkung des Gefäßwachstumsfaktors VEGF in der Netzhaut. Jampol: „Bei einer noch milden Form der diabetischen Retinopathie zeigen alle drei Substanzen eine ähnliche Wirkung, bei schwerer Retinopathie wirkt Aflibercept am besten.“ Laut Schmidt-Erfurth dürften die Medikamente die Laser-Therapie bei der diabetischen Retinopathie verdrängen.

Jampol weiter: „Die Laser-Therapie war bis vor kurzem der ‚Golden Standard‘. Sie kann die diabetische Retinopathie stabilisieren, führt aber, anders als die Arzneimittel, keine Verbesserung herbei. Wahrscheinlich wird man in Zukunft den Laser nur noch dann verwenden, wenn Patienten nicht gut auf die Anti-VEGF-Therapie ansprechen.“

APAmed/MedUni Wien, Ärzte Woche 29/34/2015

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