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© Franz Weingartner
Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek „the Tree“
© Anna Stöcher

Mag. Kurt Mayer ICG Austria

 

Ins Aus gekickt: Burnout am Arbeitsplatz

Expertenforum über sinnvolle Prävention, frühzeitige Intervention und erfolgversprechende Therapie.

Jeder Sechste ist Burnout-gefährdet. Keine Kleinigkeit. Denn psychische Erkrankungen kosten Ländern wie Österreich 4 bis 10 Prozent des BIP.

Noch vor ein paar Jahren hieß es: „Was früher der Herzinfarkt für Manager war, ist heute das Burnout.“ Mittlerweile sind aber längst nicht nur Führungskräfte von Burnout betroffen, sondern Menschen in den unterschiedlichsten beruflichen Positionen. „Das ist ein global stark ansteigendes Phänomen“, sagt Mag. Kurt Mayer, geschäftsführender Gesellschafter der ICG beim 6. Lundbeck Presseforum Psychiatrie: „Psychische Erkrankungen wie Depression, bipolare Störung und Burnout mutierten in den vergangenen 20 Jahren zu den häufigsten Volkskrankheiten. Jeder Fünfte leidet hierzulande einmal in seinem Leben an einer Depression, jeder Sechste hat Angststörungen. Eine ähnlich große Anzahl ist Burnout-gefährdet.“

Alarmierend sei, dass in Österreich mittlerweile mehr als die Hälfte der krankheitsbedingten Frühpensionierungen auf psychische Erkrankungen zurückgehen. Allein Frühpensionierungen aufgrund der Diagnose Burnout seien seit 2009 um 42 Prozent angestiegen. Das wiederum verursache beträchtliche volkswirtschaftliche Kosten. Global wurden diese Kosten für 2010 auf 2.493 Milliarden US-Dollar (1.842 Milliarden Euro) geschätzt. Psychische Erkrankungen kosten entwickelten Staaten wie Österreich etwa 4 bis 10 Prozent des BIP.

Mayer kritisierte, dass Gesundheitssysteme und Politik nur sehr zögerlich handeln. So erhalten in etwa nur 50 Prozent jener Menschen, die in der Europäischen WHO-Region von psychischen Störungen betroffen sind, auch tatsächlich professionelle Hilfe; und noch weniger erhalten diese in einem angemessenen Ausmaß. Mayer: „Österreich widmet gerade bei den direkten öffentlichen Gesundheitsausgaben wenig Mittel der Behandlung von psychischen Erkrankungen: ca. 800 bis 850 Millionen Euro pro Jahr – rund 3 Prozent der öffentlichen Gesundheitsausgaben. Damit liegt Österreich am unteren Ende der europäischen Industrieländer.“

Prim. Prof. Dr. Michael Musalek, Ärztlicher Direktor des Anton Proksch Instituts in Wien, erläutert, dass „ein Burnout nicht plötzlich entsteht, sondern es nimmt in der Regel eine über längere Zeitstrecken hinwegreichende Entwicklung, die im Gesunden beginnt und im Kranken endet.“ Im letzten Stadium, dem „Erkrankungsstadium“, fühlen sich die Betroffenen völlig erschöpft und „ausgebrannt. Eine partielle bzw. später absolute Arbeitsunfähigkeit ist die Folge. Der zunehmende soziale Rückzug führt in die völlige soziale Isolation. Massive Schlafstörungen bis hin zu Schlaflosigkeit oder aber massiv verlängerter Schlaf, chronische Schmerzsyndrome und manifeste körperliche Erkrankungen sind keine Seltenheit.“

Die Gereiztheit gehe in eine krankheitswertige Dysphorie (gereizte Missstimmung) über, die ihrerseits in eine ausgeprägte Depression münden kann. Am Ende steht das für schwere Depressionen typische völlige „Losigkeitssyndrom“: Freudlosigkeit, Lustlosigkeit, Interesselosigkeit, Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit und Aussichtslosigkeit bis hin zum Lebensüberdruss. Das Erlebnisfeld des Betroffenen ist geprägt vom Wissen: „Ich kann nicht mehr ...“

Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek vom Interdisziplinären Gesundheitszentrum „the Tree“ meint, dass Burnout als phasenhafter Prozess umkehrbar und behandelbar sei. Betroffene erleben sich gegenüber früher als verändert, leiden unter massiven Selbstzweifeln und scheuen oft davor zurück, sich Hilfe zu suchen. Führungskräfte haben die Verantwortung, Warnsymptome ernst zu nehmen, Mitarbeiter anzusprechen und Unterstützung anzubieten.

Musalek sagt, dass es die Möglichkeit von „partiellen“ Reintegrationsschritten brauche: „Ein Alles-oder-nichts-Prinzip, im Rahmen dessen nur danach gefragt wird, ob man arbeitsfähig ist oder nicht, ist in der Arbeitsrehabilitation bzw. -reintegration als realitätsverweigernde Haltung abzulehnen.“ Dies führe zu einem unnötigen Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess.

Quelle: Lundbeck Presseforum

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