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© Hagen Hellwig /dpa
Subkutane Saugkürettage
 
Chirurgie 18. Mai 2015

Sie wollen nie mehr entstellt sein

Junge Erwachsene leiden unter zu viel Achselschweiß und Pickeln, manchmal hilft aber nur „aktives Nichtstun“

Hautprobleme hat keiner gern. Belastend sind sie in einem Alter, in dem körperliche Gesundheit, beneidenswerte Attraktivität, volle Leistungsfähigkeit und sexuelle Aktivität vorrangige Attribute sind. Junge Erwachsene mit Dermatosen brauchen wirksame Hilfe.

Zu den häufigsten dermatologischen Erkrankungen bei jungen Patienten gehören die Hyperhidrose, die Pityriasis rosea und die Akne. Die fokale Hyperhidrose manifestiert sich typischerweise bis zum 25. Lebensjahr. „Die Therapie stellt eine besondere Herausforderung dar“, sagt Prof. Henning Hamm aus Würzburg. Die Behandlung mit Aluminiumsalzen ist nach seinen Worten in den letzten Jahren wegen einer angeblich erhöhten Gefahr für Brustkrebs und Demenz ins Gerede gekommen, weshalb Alternativen gefragt sind.

Eine bewährte Therapie vor allem bei der axillären Hyperhidrose ist die Botulinum-Toxin-Injektion. Diese Behandlung ist hocheffektiv und praktisch nebenwirkungsfrei, muss allerdings in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Viele Betroffene erwarten aber eine dauerhafte Beseitigung des lästigen Phänomens. Dann kommen dermatochirurgische Verfahren zum Einsatz wie die subkutane Saugkürettage der Axillen. Ein neuer vielversprechender Ansatz ist die Zerstörung ekkriner und apokriner Schweißdrüsen durch Mikrowellenhitze. Dabei kann es aber bei fettarmen Achseln zu Neuropathien durch Plexusschädigungen kommen.

OP gegen den Achselschweiß

„Ultima Ratio bei der palmaren Hyperhidrose ist die endoskopische transthorakale Sympathektomie, die allerdings bei ca. 5 bis 10 Prozent der Patienten zu einer schweren kompensatorischen Hyperhidrose anderer Körperregionen führt“, so Hamm. Medikamentös sei auch ein Versuch mit dem Anticholinergikum Oxybutynin sinnvoll, das aber für diese Indikation nicht zugelassen sei.

Die Akne kommt nicht nur bei Jugendlichen, sondern auch bei jungen Erwachsenen vor. Man spricht von der Late-Onset-Akne oder Acne tarda. Im Unterschied zur juvenilen Akne sind die U-Zone des Gesichts (untere Wangenpartien, Perioralregion, Kinn, seitliche Unterkieferränder) und die seitlichen Halspartien bevorzugt befallen. „Die kosmetische Beeinträchtigung kann enorm sein“, betonte Hamm. Oft finden sich Zeichen der Manipulation, postinflammatorische Hyperpigmentierungen und Narben.

Hyperandrogenismus

Auslöser können Medikamente, Kosmetika, Nahrungsbestandteile und Nikotin sein. „Aber auch an einen Hyperandrogenismus sollte gedacht werden“, so Hamm. Darauf weisen neben den Hauteffloreszenzen Zyklusstörungen, Hirsutismus, Seborrhoe, androgenetische Alopezie und Akanthosis nigricans hin. Die häufigste Ursache des Hyperandrogenismus ist das Syndrom der polyzystischen Ovarien, eine komplexe hormonelle Störung bei Frauen. Androgenproduzierende Tumoren sind sehr viel seltener.

Die Acne tarda ist in der Regel schwieriger zu behandeln als die juvenile Form. Empfehlenswert sind topische Aknetherapeutika mit geringem irritativen Potenzial wie das Retinoid Adapalen, 5 Prozent Benzoylperoxid und Azelainsäure. Als systemische Therapie kommen neben Tetrazyklinen Kontrazeptiva mit einem antiandrogenen Bestandteil zum Einsatz.

Die Röschen-Flechte, auch Pityriasis rosea genannt, ist eine entzündliche, selbstlimitierende Dermatose, die meist Personen zwischen dem 10. und 35. Lebensjahr betrifft und vermehrt im Herbst und Frühjahr auftritt.

Typisch ist der zweiphasige Verlauf: Zunächst entsteht eine symptomlose solitäre ovale Primärplaque am Stamm, die von einer kleieartigen Schuppung bedeckt ist. Anschließend entwickelt sich innerhalb von ein bis zwei Wochen entlang der Hautspaltlinien ein symmetrisch angeordnetes Exanthem am Rumpf und den proximalen Extremitäten mit leichtem Juckreiz. Innerhalb von drei bis sechs Wochen bilden sich die Hauterscheinungen spontan zurück, nur selten persistieren sie bis zu drei Monaten. Eine wichtige Differenzialdiagnose, an die man bei diesen jungen Patienten immer denken sollte, ist die sekundäre Lues“, so Hamm.

Herpesviren nachgewiesen

Die Frage, ob es sich bei der Röschen-Flechte um ein infektiöses oder parainfektiöses Exanthem handelt, kann bisher nicht eindeutig beantwortet werden. „Das gelegentliche Vorkommen bei Kontaktpersonen, milde Allgemeinsymptome und saisonale Häufigkeitsschwankungen sprechen für eine infektiöse Ätiologie“, so Hamm. Auch konnten in den Hautläsionen humane Herpesviren Typ 6 und 7 nachgewiesen werden.

Wegen der spontanen Rückbildungstendenz sollte man therapeutisch sehr zurückhaltend sein, zumal jede Behandlung irritierend wirken kann. Patienten sollten häufiges Duschen und Baden mit Seifen meiden. Systemische Glukokortikoide wirken kaum. Positive Erfahrungen gibt es mit Erythromycin und hoch dosiertem Aciclovir.

springermedizin.de, Ärzte Woche 21/2015

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