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Händedesinfektion: Das irritative Potenzial der eingesetzten Alkohole ist gering und mit dem von Wasser vergleichbar.
 
Lebensqualität 14. Mai 2015

Zuviel des Guten

Händewaschen nach Desinfektion ist schädlich.

Durch regelmäßiges Händewaschen lassen sich in Kliniken und Praxen Infektionen vermeiden – doch man sollte es richtig machen. Das Robert Koch-Institut benannte anlässlich des Tags der Händehygiene am 5. Mai typische Fehler und gab Tipps, worauf zu achten ist.

Händewaschen mit lauwarmen Wasser und flüssigen Waschpräparaten ohne antimikrobielle Zusätze ist als Standard für die Infektionsprävention nicht geeignet, betonte das Robert Koch-Institut (RKI) zum Internationalen Tag der Händehygiene am 5. Mai in einem Übersichtsartikel ( Epi Bull 2015; 18: 149 ).

Die enthaltenen seifenfreien Tenside führen zwar als Netzmittel zu verbessertem Schmutzabtrag, sie stören aber auch die Struktur des Stratum corneum: Lipide und andere Substanzen werden aus der Haut gelöst. Die für die Hautbarriere nötigen Substanzen kann die Haut nur verzögert ersetzen. Auch wird hierbei Wasser in die oberen Schichten des Stratum corneum eingelagert. Die Hyperhydratation wird oft als angenehm empfunden. Das Wasser verdampft aber durch die geschädigte Hautbarriere binnen acht bis zehn Minuten. Die Hyperhydratation verdünnt zudem aufgetragene Desinfektionsmittel und schränkt deren Wirkung ein.

Waschen spült Lipide ab

Als Händedesinfektionsmittel sind Alkohole wie Ethanol, Propanol (1-Propanol) und Isopropanol (2-Propanol) meist die wirksame Grundlage. Auf der Haut stören sie ebenfalls die Struktur des Stratum corneum, insbesondere die dort vorhandenen Lipidschichten.

Dabei werden, ähnlich wie beim Waschen, Hautfette mobilisiert und herausgelöst. Im Unterschied zum Waschen werden die Lipide jedoch nicht abgespült, sondern bei der üblichen Einreibemethode wieder in die Haut gerieben. Es kommt nicht zur Entfettung der Haut, was ein Grund für die bessere Verträglichkeit der Händedesinfektion im Vergleich mit der Händewaschung ist. Das irritative Potenzial der eingesetzten Alkohole ist gering und mit dem von Wasser vergleichbar, so das RKI. Alkohole können auf vorgeschädigter Haut jedoch ein brennendes Gefühl erzeugen.

Vorsicht bei Feuchtklima unter Handschuhen

Flüssigkeitsdichte Handschuhe sind eine mechanische Barriere für Verschmutzungen und Infektionserreger. Unter dem Handschuh bildet sich aber ein Feuchtklima, das die Hautbarriere schädigt und Hautfette herauslöst. Dies kann schon längerfristig die (Mit-)Ursache für ein Handekzem sein, zudem erhöht sich wiederum die Gefahr des Eindringens von Fremdstoffen in die Haut, was Hautirritationen und Allergien begünstigt.

Die Belastungen lassen sich durch Unterziehhandschuhe aus Baumwolle reduzieren. Diese können auch mit geeigneten Verfahren kostengünstig wiederaufbereitet werden. Bei der Tragedauer von Einmalhandschuhen scheinen 15 Minuten ein guter Kompromiss zu sein. Hautschutzprodukte sollten vor Arbeitsbeginn aufgetragen werden und auf die spezifischen Belastungen abgestimmt sein. Auch bei Pflegeprodukten ist auf Verträglichkeit und Kompatibilität mit anderen Produkten der Händehygiene und Handschuhen zu achten.

Händewaschen, -desinfektion und Schutzhandschuhe werden in vielfältigen Kombinationen eingesetzt. Besonders belastende Abfolgen sind zu vermeiden, betont das RKI.

Desinfektion plus Waschen schädigt Hände

Immer noch häufig ist zum Beispiel die Händedesinfektion mit nachfolgender Waschung. Dies wäre einzig zur Dekontamination von Sporenbildnern zu rechtfertigen, so das RKI. Aus Hautschutz-Sicht sei das Vorgehen aber kaum an Schädigung zu überbieten. Hautfette werden durch Alkohol angelöst und dann beim Waschen fortgespült. Auch erst zu Waschen und dann zu Desinfizieren ist kaum günstiger, zumal die Wirkung des Alkohols auf der hyperhydratisierten Haut abgeschwächt ist.

Besonders problematisch ist auch, wenn bei Vorschäden auf die Desinfektion aufgrund des Brennens und der fälschlich abgeleiteten Annahme der Irritation verzichtet, und nur noch gewaschen wird. Der Satz „Meine Hände sind schon so kaputt, ich kann nur noch waschen“ ist dafür symptomatisch. Tatsächlich verschlechtert sich dadurch der Hautzustand nur noch mehr. Weitere falsche Praktiken sind das Anziehen der Handschuhe mit noch feuchten Händen, unnötig langes Waschen und Bürsten der Hände und der Verzicht auf eine Tätigkeitskarenz in hygienesensiblen Bereichen bei Infektionen an der Hand.

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