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Onkologie 16. August 2013

Erste Leitlinien zu tumorbedingten Durchbruchschmerzen

Anspruch auf Schmerztherapie als Grundrecht des Menschen

Schon seit langem angekündigt, stehen nun erstmals Praxisleitlinien der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin zu tumorbedingtem Durchbruchschmerz jedem Interessierten online zur Verfügung. Konzipiert wurde das Dokument für Ärzte, nichtärztliche Therapeuten und Pflegekräfte.

„Der Anspruch auf eine Schmerztherapie nach dem aktuell erreichten hohen medizinischen Standard gehört – auch für Patienten mit tumorbedingten Durchbruchschmerzen – zu dem vom Grundgesetz garantierten Existenzminimum und den Grundrechten eines jeden Menschen“, heißt es in den Praxisleitlinien. Triebfeder für deren Entwicklung war der Wunsch, Menschen mit tumorbedingten Durchbruchschmerzen zu helfen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, „die ihnen verbliebene Zeit – trotz ihrer nun offensichtlichen Endlichkeit – weitestgehend frei von Schmerzen durchleben und auch ein Stück weit genießen zu dürfen“, wie Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der Gesellschaft, und Privatdozent Dr. Michael A. Überall, Vizepräsident der Gesellschaft und Präsident der Schmerzliga, in der Einleitung betonen.

Wissen und Erfahrung von mehr als 250 Schmerztherapeuten

Da bisher keine einheitliche Definition für tumorbedingte Durchbruchschmerzen existiert, einigten sich die meisten der 260 Schmerztherapeuten der Gesellschaft und der Liga auf folgenden Wortlaut: vorübergehende Schmerzexazerbationen, die bei Patienten mit einer vorbestehenden Tumorerkrankung spontan oder im Zusammenhang mit einem bestimmten vorhersehbaren oder nicht vorhersehbaren Auslöser trotz relativ konstanten und angemessen kontrollierten Dauerschmerzen auftreten.

Die mit mehr als 180 Seiten umfangreichen Leitlinien liefern einen Überblick über die aktuell verfügbaren Methoden zu Diagnostik, Vorbeugung und vor allem zur Behandlung (74 von 128 Empfehlungen) von Patienten mit tumorbedingten Durchbruchschmerzen. „Sie sollen Perspektiven öffnen, Horizonte erweitern und die Versorgung in jedem Einzelfall konkret verbessern“, heben die Schmerztherapeuten hervor, sie sollten jedoch nicht „als Argument für ökonomische Einsparungen herangezogen werden“.

WHO-Stufe III als Orientierung

Die meisten an der Erarbeitung der Leitlinien beteiligten Schmerztherapeuten sind sich einig, dass bei tumorbedingten Durchbruchschmerzen stark wirksame Opioid-Analgetika der WHO-Stufe III mit schnellem Wirkeintritt und nicht-retardierter Wirkung die Bedarfsmedikation der ersten Wahl sind. Die derzeit verfügbaren schnell wirkenden Opioide in dieser Stufe seien allesamt fentanylhaltige Fertigarzneimittel, bei denen das Opioid transmukosal über die Mundschleimhaut oder die Nasenschleimhaut resorbiert werde, so die Leitlinien. Die optimale Dosis der Opioid-Bedarfsmedikation sollte sowohl bei Einsatz kurz wirksamer nicht-retardierter als auch schnell freisetzender Opioide der WHO-Stufe III durch individuelle Titration ermittelt werden.

Den Empfehlungen zufolge sollte zudem vor der reaktiven Behandlung bei tumorbedingten Durchbruchschmerzen eine Anpassung der Dauerschmerztherapie, also der „Rund-um-die-Uhr-Behandlung“, in Betracht gezogen werden. Dadurch könnte gegebenenfalls „einer Manifestation kritischer Durchbruchschmerzen präventiv begegnet werden“.

Die Leitlinien liegen in Versionen sowohl für Fachkreise als auch für Patienten vor. Derzeit noch erarbeitet wird die Praxisleitlinie „Tumorschmerz“. Es wird damit gerechnet, dass spätestens im Herbst die Konsentierung beendet sein wird.

springermedizin.de/ki, springermedizin.at

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