zur Navigation zum Inhalt
 
Dermatologie 3. April 2013

Mehr als ein Schönheitsfehler

Vitiligo kann jucken und brennen und das Sexualleben beeinträchtigen.

Pigmentstörungen in Form weißer, pigmentfreier Hautflecken verringern die Lebensqualität erheblich, und zwar umso stärker, je mehr Hautfläche von der Vitiligo betroffen ist. Viele Patienten klagen darüber hinaus über Pruritus und ein Gefühl des Brennens der Haut sowie über eine sexuelle Dysfunktion, wie aus einer Befragung von Patienten hervorgeht.

Vitiligo tritt oft nicht isoliert auf, sondern im Rahmen von Autoimmunerkrankungen. Häufig ist die Erkrankung mit Hashimoto-Thyreoiditis, aber auch mit anderen Schilddrüsendefekten oder einem Diabetes mellitus Typ 1 assoziiert.

Stress könnte als Katalysator eines Vitiligo-Ausbruchs wirken, indem die mit dem Stress einhergehenden Auswirkungen das Immunsystem stören. Damit kann sich eine schon vorhandene Autoimmunerkrankung zum ersten Mal oder verstärkt bemerkbar machen, indem erste oder mehr bzw. vergrößerte pigmentlose Hautstellen auftauchen können.

Statistisch betrachtet am häufigsten von den weißen Flecken betroffen sind Unterarme, Handgelenke, Hände, Finger, Ellenbogen, Füße und Genitalien.

Online-Befragung

In einer prospektiven Studie wurden 1.700 US-Teilnehmer online zu Vitiligo und Lebensqualität befragt. Mehr als 1.600 von ihnen beantworteten alle Fragen, 1.541 hatten eigenen Angaben zufolge – und bestätigt durch eine Diagnose in der Praxis – die Autoimmunerkrankung.

Die Lebensqualität wurde standardmäßig mit dem DLQI (Dermatology Life Quality Index) beurteilt. Ein Score zwischen 0 und 5 entspricht keinem oder einem schwachen Einfluss auf die Lebensqualität, ein Score von 6 bis 10 einem moderaten und ein Score über 10 einem starken bis extrem starken Einfluss.

Dieser Index wird mithilfe von Fragen zu elf verschiedenen Aspekten ermittelt, unter anderem zu Pruritus und Brennen der Haut, zum Einfluss der Erkrankung auf Entscheidungen etwa bei der Kleiderwahl, auf die Beziehung zum Lebenspartner, zu Freunden und Familienangehörigen sowie auf die Sexualfunktion und den Effekt einer Behandlung auf die Lebensqualität.

Jucken und Brennen der depigmentierten Haut

Aus anderen Studien ist bereits bekannt, dass etwa jeder fünfte Vitiligopatient über Jucken und Brennen der Haut klagt. In der US-Studie war der Anteil solcher Patienten mit mehr als 35 Prozent weitaus höher. Das könnte damit zusammenhängen, dass mehr als 35 Prozent der Patienten in der aktuellen Studie weitere Autoimmunerkrankungen hatten, etwa Rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes, Sjögren-Syndrom oder Morbus Crohn.

Schlechte Lebensqualität wie bei Psoriasis

Je mehr Hautareale durch Vitiligo verändert waren, umso höher war der Score im DLQI. Die Dermatologen errechneten einen Score von im Mittel 5,9, also einen Wert, der ähnlich hoch ist wie bei Psoriasis und atopischer Dermatitis. Die statistisch hochsignifikante Assoziation mit der Lebensqualität bestand bei Patienten, bei denen mehr als 25 Prozent der Hautfläche von der Pigmentstörung betroffen waren, was Ergebnisse früherer Studien bestätigt (adjustierte Odds Ratio: 2,17; 95% CI: 1,71-2,75; p < 0,001). Referenzgruppe waren Patienten mit einer betroffenen Hautfläche unter 25 Prozent.

Abhängig von der Lokalisation

Hautareale jeglicher Körperregionen waren bei den teilnehmenden Patienten durch Vitiligo verändert. Doch nur, wenn die Veränderungen das Gesicht, Arme, Hände, Beine und Füße betrafen, berichteten die Patienten von einem Gefühl der Gehemmtheit oder Verlegenheit gegenüber anderen. Und: Nur wenn der Pigmentverlust im Genital- oder Brustbereich auftrat, war das signifikant mit einer sexuellen Dysfunktion assoziiert.

Fazit

Der Zusammenhang zwischen Vitiligo und Lebensqualität mache deutlich, wie wichtig psychologische Untersuchungen mithilfe des DLQI bei solchen Patienten sind, so die Dermatologen. Patienten mit einem Score zwischen 10 und 20, aber auch jene mit einem Wert über 20 könnten von einer intensiven Intervention, etwa mit einer Fototherapie, oder von einer systemischen Behandlung wie mit oralen Glukokortikoiden profitieren. Zudem könnten sich bei ihnen psychotherapeutische Interventionen lohnen.

Originalpublikation:

Silverberg JI et al.: JAMA Dermatol. 2013; 149(2): 159-164

springermedizin.de/ple/CL, Ärzte Woche 14/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben