zur Navigation zum Inhalt
© michaeljung / shutterstock.com
Echte Stützen erleichtern Arthrosepatienten das Gehen — und das Leben dazu.
 
Orthopädie 22. Februar 2013

Kniearthrose

Am Stock dem Schmerz davonlaufen.

Wer am Stock geht, dem geht es schlecht — jedenfalls unterstellt das die bekannte Redewendung. Für Patienten, die an Kniearthrose leiden, haben Gehstöcke aber durchaus ihr Gutes: Der Mensch geht besser und dem Gelenk geht’s besser.

Ab dem fünften Lebensjahrzehnt nimmt die Inzidenz der Gonarthrose stetig zu. Eines der Therapieziele bei dieser Erkrankung ist es, im Wortsinn Last von den Knien zu nehmen. Was ein Gehstock dazu beitragen kann und wie sich dies auf die Leistungsfähigkeit der Patienten auswirkt, haben Orthopäden und Pneumologen der Universität São Paulo in Brasilien untersucht (Jones A et al. Ann Rheum Dis 2012; 71: 172–9) .

Die Wissenschaftler teilten 64 Patienten mit Gonarthrose nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein. Probanden der Gruppe eins benutzten zwei Monate lang täglich einen Stock, die Teilnehmer aus Gruppe zwei mussten ohne Gehhilfe auskommen. Primärer Endpunkt war der Einfluss auf die Schmerzsituation; in zweiter Linie ging es darum zu erfahren, wie sich die Beweglichkeit, die Lebensqualität und der Energieaufwand der Patienten veränderten.

Wie sich zeigte, vertrieb der Gehstock, auf der dem lädierten Knie entgegengesetzten Seite gehalten, die Schmerzen zumindest teilweise. Auf einer visuellen Analogskala von 0 (schmerzfrei) bis 10 (unerträgliche Schmerzen) hatten die Probanden der Gruppe eins zu Beginn der Studie den Grad ihrer Schmerzen mit durchschnittlich 5,6 angegeben; nach zwei Monaten am Stock lag der Wert noch bei 3,8. In der Kontrollgruppe ohne Stöcke hingegen waren die Werte leicht gestiegen (5,4 bzw. 5,9). Signifikante Verbesserungen wurden mit den Stöcken auch in puncto Kniefunktion (gemessen am Lequesne-Score) und bei einigen Aspekten des Allgemeinbefindens erzielt — etwa bei der sogenannten körperlichen Rollenfunktion, mit der im SF-36-Gesundheitsfragebogen die Beeinträchtigung bei der Arbeit oder im Alltag erfasst wird.

Im Sechs-Minuten-Gehtest verbesserte sich bei den Teilnehmern der Gruppe eins während der zwei Monate die mit Stöcken zurückgelegte Strecke von 327 auf 404 m. Im Vergleich zu dem Weg, den die Probanden aus Gruppe zwei — für diesen Test ebenfalls mit Stöcken ausgerüstet — zurückzulegen imstande waren, nämlich 325 m bzw. 321 m, bedeutete dies eine signifikante Erweiterung des Bewegungsradius. Das zweimonatige Gehen am Stock hatte also einen Trainingseffekt bewirkt. Sauerstoffumsatz und Kohlendioxidproduktion nach zwei Monaten sprachen ebenfalls für eine gebesserte Kondition. Während des ersten Monats hatte die Effizienz des Stockeinsatzes aber noch Defizite gezeigt. Die vergleichsweise kürzere Gehstrecke bei höherem Energieumsatz drückte aus, wie anstrengend es in der ersten Zeit war, mit einem Stock zu gehen. Die Gehstrecken ohne Gehhilfen blieben in beiden Gruppen während der zwei Monate übrigens annähernd gleich bei rund 400 m.

Fazit: Es muss nichts Schlechtes verheißen, wenn jemand am Stock geht. Arthrotischen Knien jedenfalls tut die Stütze gut, was sich vor allem in geringeren Schmerzen niederschlägt. Allerdings erfordert der Stockeinsatz etwas Eingewöhnung und kostet während des ersten Monats einige Kraft.

 

springermedizin.de, Ärzte Woche 8/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben