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© Peter Widmann / Blickwinkel / dpa
 
Kardiologie 14. Dezember 2015

Seltener Blutzapfen

Bei systemischen Retinoiden sind seltener Laborkontrollen nötig, als derzeit Standard ist.

Aknepatienten unter oraler Isotretinoin-Therapie in Standarddosierung können sich künftig möglicherweise einige Blutentnahmen sparen. Eine Metaanalyse konnte zeigen, dass das Risiko einer Entgleisung von Leber- und Lipidwerten in der Regel gering ist.

Bei einer Aknetherapie mit systemischen Retinoiden besteht die Gefahr schwerer Nebenwirkungen. Deshalb sollten während der Behandlung eine Schwangerschaft ausgeschlossen und bestimmte Laborwerte kontrolliert werden. Doch in welchen Zeitabständen die Kontrollen nötig sind, um die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten, darüber ist man sich bislang noch weitgehend uneinig.

Im Rahmen einer Metaanalyse haben Dr. Young Lee vom Sharp Rees-Stealy Medical Center, San Diego, und Kollegen den Einfluss der Therapie auf Lipid- und Leberwerte sowie das Blutbild untersucht. Hierzu durchforsteten sie alle relevanten Studien, von 1966 bis August 2013. Kriterien für die Aufnahme in die Analyse waren:

• klinische Studie mit oralem Isotretinoin,

• Dosierung mindestens 40 mg/Tag,

• Behandlungsdauer mindestens vier Wochen,

• mindestens zehn Probanden mit Akne vulgaris im Alter zwischen neun und 35 Jahren.

Letztlich wurden 26 Studien mit 1.574 Patienten in die Metaanalyse eingeschlossen. Die durchschnittlichen Leukozytenzahlen, Fett- und Leberwerte zu Beginn der Studien sowie zu späteren Zeitpunkten während den Therapien sind in der Tabelle angeführt.

In dieser Metaanalyse habe sich zwar eine signifikante Veränderung bei Leukozyten, Leber- und Lipidwerten unter Isotretinoin bestätigt, so die Autoren, diese signalisiere aber kein generell hohes Risiko. Der Anteil der Patienten mit pathologischen Laborwerten sei gering. Deshalb sehen Lee und Kollegen bei vielen Aknepatienten mit Standarddosierung keinen Grund für monatliche Kontrollen.

Individuelle Kontrollen werden empfohlen

Vielmehr sollte die Testfrequenz eines jeden Patienten in Abhängigkeit von seinem Ausgangswert und unter Berücksichtigung von Komorbiditäten und möglichen Gefahren durch weitere leberbelastende Medikamente individuell festgelegt werden.

Lee und Kollegen selbst kontrollieren nach Feststellung des Ausgangswertes nach zwei Therapiemonaten noch einmal. Nur wenn ein pathologischer Basiswert oder in der Anamnese Anhaltspunkte für besondere Risiken bestehen, folgen weitere Labortests. Damit spare sich der Patient nicht nur die Aufregung unnötiger Blutentnahmen, so die Autoren, dieses Vorgehen wirke auch kostendämpfend.

Originalpublikation: Lee Y H et al.; Laboratory Monitoring During Isotretinoin Therapy for Acne. A Systematic Review and Metaanalysis. JAMA Dermatology 2015; online 2. Dezember 2015; DOI 10.1001/jamadermatol.2015.3091

PK/springermedizin.de, Ärzte Woche 51/52/2015

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