zur Navigation zum Inhalt
© angiolina / fotolia.com
 
Onkologie 19. September 2016

Krebs beim Kind

Bessere Prognosen. Hirntumoren gelten bei Kindern als die zweithäufigste Krebsart nach Leukämie. Sie sind nicht selten von Medulloblastomen oder atypischen teratoiden/rhabdoiden Tumoren betroffen und bedürfen besonderer Therapiemethoden.

Da nicht jeder Hirntumor Beschwerden verursacht oder mit neurologischen Ausfällen einhergeht, gestaltet sich die Diagnosestellung mitunter schwierig. „Erste Symptome sind bei Kindern meist sehr subtil und unterscheiden sich kaum von jenen, die harmlosen Erkrankungen zugrunde liegen“, so Prof. Dr. Irene Slavc, die am AKH Wien die Neuroonkologie leitet, in einer Meldung des Verein BONsurprise. Aus diesem Grund dauere es bei Hirntumoren oft länger, bis sie diagnostiziert würden, so die Medizinerin.

Klaren Aufschluss über die Erkrankung geben eine neurologische Untersuchung sowie eine Magnetresonanztomographie. „Bei Kindern geht man häufig von einer Virusinfektion aus und denkt vor allem deshalb nicht an einen Tumor im Gehirn, weil nicht jede Raumforderung in diesem Gebiet neurologische Ausfälle verursacht. Kinder, die öfter erbrechen, werden nicht automatisch als mögliche Krebspatienten gesehen“, weiß Slavc. Hirnstammtumoren gehen mit eindeutigen neurologischen Symptomen einher, während jene, die auf der Mittellinie lokalisiert sind, vor allem Kopfschmerzen und Erbrechen auslösen, was dem Verschluss des Ausflusstraktes des dritten oder vierten Ventrikels geschuldet ist, der zu einer Hirndrucksteigerung führt. Derartige Begleiterscheinungen lassen nicht jeden Kinderarzt automatisch an einen Tumor denken.

Die Überlebenschancen in Bezug auf den frühkindlichen oder kindlichen Hirntumor sind schwer zu prognostizieren. Allerdings hat sich die Medizin in diesem Bereich stetig weiterentwickelt, wie Slavc erläutert: „Wir haben in den letzten zehn Jahren einen völlig neuen Behandlungsansatz für Patienten mit Rezidiven von Tumoren des Kleinhirns oder jenen des zentralen Nervensystems entwickelt und initiiert. Früher verstarben diese Patienten alle, im Falle eines Rezidivs gab es praktisch keine Überlebenschance.“

Ein anti-angiogener Ansatz in Form einer oralen Therapie kombiniert mit einer intravenösen Antikörperbehandlung sowie regelmäßiger Chemotherapie intrathekal funktioniere sehr gut.

Die nicht stationäre Medulloblastom-Therapie werde von den Patienten zufriedenstellend angenommen, da sie nur im Falle eines Infekts im Spital verbleiben müssen und am Leben teilnehmen können. „Die Patienten sind extrem infektanfällig, weshalb sie regelmäßig von uns überwacht werden müssen.“

Auswirkungen auf das Umfeld

Die Diagnose Hirntumor betrifft bei sehr jungen Patienten das gesamte Umfeld und führt nicht selten zum Schockzustand. Sowohl die Betroffenen als auch Familie und Freunde benötigen spezielle Betreuung, die vom Verein BONsurprise ermöglicht werden kann. Wer nicht in Wien lebt, benötigt eine Unterbringung in der Nähe des Krankenhauses sowie Unterstützung im Alltag. All dies machen Spendengelder und die Hilfe von Vereinsmitgliedern möglich, sodass die Patienten sich auf ihre Therapie konzentrieren und ihre Angehörigen sich um sie kümmern können – ohne Existenzängste oder Alltagssorgen. BONsurprise hat es sich zur Aufgabe gemacht, betroffenen Familien, die außerhalb von Wien wohnen, für den nötigen Zeitraum kostenfreie Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Diese liegen in der Nähe des AKH Wien, um eine gute medizinische Versorgung zu gewährleisten.

Der Originalartikel „Krebs im Kindesalter“ ist erschienen in „Pädiatrie & Pädologie“ (51/2016), doi:10.1007/s00608-016-0402-8, © Springer-Verlag Wien

BONsurprise/MB, Ärzte Woche 38/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben