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Onkologie 13. Juni 2016

„Zeitgemäße spitzenmedizinische Diagnostik der Hirntumore“

Die aktuelle Ausgabe der WHO-Klassifikation von Tumoren des ZNS entstand unter Mitwirkung von 122 Autoren aus 19 Ländern. Beteiligt waren auch zwei Experten aus Österreich,

Grund für die neue Einteilung sind die modernen Methoden der diagnostischen Präzisionsmedizin wie DNA-Sequenzierung oder epigenetische Analysen. Damit lassen sich Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS) immer exakter typisieren und zielgerichtet behandeln.

Die Klassifikation von Tumoren des ZNS der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt als das wichtigste Standardwerk zur Systematik der Gehirntumoren und ist im Vorfeld des Welt-Hirntumortags am 8. Juni erschienen.Das neue Nachschlagewerk umfasst die gesamte Bandbreite von den kindlichen Hirntumoren bis zu jenen des Erwachsenenalters. Es beschreibt und klassifiziert die Erkrankungen, macht deutlich, wodurch sie ausgelöst werden und legt somit die Basis für die Therapieentscheidung. An der Erstellung der aktuellen Ausgabe der WHO-Klassifikation von Tumoren des ZNS war Österreich durch zwei Experten vertreten: Johannes Hainfellner, interimistischer Leiter des Klinischen Instituts für Neurologie der MedUni Wien, und Matthias Preusser, Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien und des AKH Wien.

Exakte Klassifizierung als Basis für die erfolgreiche Therapie

Die Überarbeitung und Weiterentwicklung der Klassifizierung von Hirntumoren ist deshalb zeitgemäß und wichtig, weil die frühere Einteilung der Tumoren bislang rein auf Basis histologischer Merkmale, ohne adäquate Berücksichtigung neuer molekularer Veränderungen erfolgte. Hainfellner: „Durch die Methoden der diagnostischen Präzisionsmedizin, also der DNA-Sequenzierung und der epigenetischen Analysen zuzüglich zur Histologie, wurde deutlich, dass sich die bekannten Tumorarten in immer mehr prognostisch unterschiedliche Unterarten aufgliedern. Mit den neuen Methoden kann man das Wesen und die molekularen Auslöser der unterschiedlichen Erkrankungen exakter feststellen. Das ermöglicht den präzisen Einsatz verfügbarer Therapien und bessere Prognosen für die betroffenen Patienten.“

Diese Einteilung in immer genauer definierte Subgruppen hat zur Folge, dass es immer mehr Tumor(sub)typen mit immer weniger Betroffenen gibt: Die einzelnen Tumorarten werden so zu seltenen Erkrankungen. Preusser: „Mittelfristig hat diese Entwicklung die Bildung von Zentren wie dem unseren zur Folge; denn um valide Diagnosen erstellen zu können, müssen aufwendigste molekularbiologische Testungen durchgeführt werden. Diese benötigen erfahrenes Fachpersonal mit dem entsprechenden Know-how, aber auch eine Vielzahl an teuren Hightech-Geräten.“

Service für ganz Österreich

Hainfellner ergänzt: „Die zeitgemäße spitzenmedizinische Diagnostik der Hirntumore ist sehr stark auf die Expertise der akademischen Neuropathologie angewiesen. Kleinere Zentren mit geringeren Fallzahlen und einer normalen Pathologie ohne universitäre Neuropathologie haben dafür weder die Kapazität noch die nötige Routine.“ Das Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien bietet hier als zentrale Anlaufstelle ein Service für ganz Österreich.Preusser: „Unser Zentrum hat auf mehreren Ebenen zur aktuellen Ausgabe beigetragen: direkt als Verfasser, aber auch auf wissenschaftlicher Ebene durch die klinischen und grundlagenwissenschaftlichen Vorarbeiten. Hier hat es neben den Beiträgen zu den Hirntumoren des Erwachsenenalters auch im Bereich der kindlichen Hirntumoren ganz wesentliche Inputs durch die hervorragende Kooperation zwischen der Univ.-Klinik für Kinderheilkunde, der Univ.-Klinik für Neurochirurgie, dem Klinischen Institut für Neurologie, dem Institut für Krebsforschung der MedUni Wien und dem St. Anna Kinderspital gegeben.

MedUni Wien, Ärzte Woche 24/2016

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