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© M. Ernert, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, Heidelberg
 
Onkologie 8. Juni 2015

Unbegründete Angst

Keine schlechtere Brustkrebs-Prognose trotz familiärer Vorbelastung

Junge Krebspatientinnen mit positiver Familienanamnese haben öfter ungünstige Tumoreigenschaften. Ihr Rezidivrisiko ist mit den heute üblichen Therapien aber nicht erhöht.

Wenn außer ihnen auch Familienmitglieder erkrankt sind, fürchten junge Brustkrebspatientinnen oft, dies könnte prognostisch ein schlechtes Zeichen sein. Nach Ergebnissen der britischen POSH-Studie ist ihre Sorge unbegründet. „Die Familiengeschichte per se ist kein unabhängiger Risikofaktor für ein Brustkrebsrezidiv“, so die Autoren um Bryony K. Eccles von der Universität Southampton.

Die POSH-Studie, kurz für: Prognostic Outcomes in Sporadic vs. Hereditary breast cancer, ist eine prospektive Kohortenstudie mit Frauen, bei denen vor dem 41. Lebensjahr Brustkrebs diagnostiziert wurde und die gemäß moderner Standards behandelt wurden. Von 2.850 Teilnehmerinnen hatten 34,1 Prozent nach eigenen Angaben mindestens eine Verwandte ersten oder zweiten Grades mit Brust- oder Eierstockkrebs.

Tumorpathologie

Tumoren bei Frauen mit positiver Familiengeschichte (FH+) wurden erwartungsgemäß häufiger durch Kontrollen entdeckt (3,0 vs. 0,1 % bei FH-). Sie wurden zudem häufiger als Grad 3 klassifiziert (63,3 vs. 58,9 %) und waren seltener HER-2-positiv (24,7 vs. 28,8 %). Diese Unterschiede in der Tumorpathologie bei Frauen mit und ohne betroffene Verwandte verschwanden, wenn Frauen mit Östrogenrezeptor(ER)-positiven und -negativen Tumoren separat betrachtet wurden. Die chirurgische Therapie bestand in der FH+-Gruppe häufiger in einer Mastektomie (54,4 vs. 48,5 %). Bei der Chemotherapie gab es keine Gruppenunterschiede Frei von Fernmetastasen waren nach fünf Jahren 74,9 Prozent der Patientinnen ohne und 77,4 Prozent mit familiärer Vorbelastung. „Nach Adjustierung für bekannte Risikofaktoren leistet eine positive Familienanamnese für Brust- oder Ovarialkrebs keinen signifikanten unabhängigen Beitrag zum Risiko, Fernmetastasen zu entwickeln“, so das Fazit.

Für weitere Nachrichten aus der Onkologie siehe auch www.springermedizin.at/memo---inoncology

www.springermedizin.de, Ärzte Woche 24/2015

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