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Onkologie 6. Oktober 2014

Große Unterschiede bei palliativer Sedierung in Österreich

Einheitliche Richtlinien und spezielle Ausbildung gefordert.

Ob, wann und wie lange österreichische Krebspatienten mit unerträglichen, nicht therapierbaren Beschwerden eine palliative Sedierung bekommen, ist nicht immer nur vom Zustand der Betroffenen abhängig.

In österreichischen Palliativversorgungseinheiten kommt palliative Sedierung bei todkranken Krebspatienten höchst unterschiedlich zum Einsatz. Ob Menschen, die an unerträglichen, medizinisch nicht beherrschbaren Qualen leiden, diese Art der starken Beruhigung erhalten oder nicht, ist nicht immer nur vom Zustand der Betroffenen abhängig. Das legt eine aktuelle österreichische Studie zur gegenwärtigen Praxis der palliativen Sedierung nahe, die am Europäischen Krebskongress ESMO in Madrid diskutiert wurde.

Für die Arbeit wurden Daten von 1.994 Krebspatienten analysiert, die zwischen Juni 2012 und Juni 2013 in einer der 22 Einrichtung der Studiengruppe AUPAC (Austria Palliative Care) verstorben waren. Ein Fünftel der Patienten hatte während den beiden letzten Wochen ihres Lebens palliative Sedierung bekommen, ein Drittel nur in den letzten 24 Stunden vor dem Tod. Rund drei Viertel (73,6 %) waren kontinuierlich tief sediert worden und ein weiteres Fünftel hatte vorübergehend eine Sedierung erhalten.

Die Hauptindikationen für die Verabreichung von Sedativa waren Delirium (49 %), existenzielles Leiden (34 %), behandlungsresistente Dyspnoe (28 %) und Schmerzen (20 %).

Die Medikamente, die für die Sedierung verwendet wurden, waren: Midazolam (78 %), Lorazepam (15 %) und Haloperidol (10 %). Folgende Begleitmedikation wurde parallel zur palliativen Sedierung in den letzten drei Lebenstagen verabreicht: Nicht-Opioide (50 %), Opioide (96 %), intravenöse Antibiotika (20 %), tiefe Venen-Thrombose-Prophylaxe (24 %), Hydration (55 %) und Nahrung (24 %).

Männer und jüngere Patienten erhalten eher Sedierung

Auffällig war, dass die sedierten Patienten erheblich jünger waren als die nicht-sedierten. Außerdem wurden signifikant öfter Männer als Frauen sediert. Wie Studienautorin Dr. Sophie Schur von der Medizinischen Universität Wien betonte, wirkte es sich nicht auf die Lebensdauer der Patienten aus, ob sie Sedativa bekommen hatten oder nicht. Mit Blick auf die Untersuchungsergebnisse resümierte die Expertin auf dem ESMO: „Die Anwendung von Sedativa erfordert spezielles Fachwissen, aber noch fehlt in Österreich ein Konsens zu Best-Practice-Methoden in diesem Bereich. Der Gebrauch von palliativer Sedierung ist stark an ethische Fragen gebunden, die eine spezielle Schulung der Ärztinnen und Ärzte sowie die Einführung einer österreichweiten Richtlinie zwingend notwendig machen. Es ist höchste Zeit, das anzugehen.“

Quelle: ESMO 2014; Abstract 1348P; Schur et al.: A nationwide survey on palliative sedation for terminally ill cancer patients by the Austrian Palliative Care (AUPAC) study group

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