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Onkologie 5. Mai 2014

Future Demands

Österreich wird in den nächsten Jahren ein Drittel mehr Fachärzte für Innere Medizin mit Additivfach für Hämatologie und internistische Onkologie benötigen.

Im Jahr 2020 werden in Österreich 60 bis 80 Prozent mehr Menschen mit der Diagnose Krebs leben. Das erfordert zusätzliche Fachärzte – ergab die Studie „Future Demands“ im Auftrag der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie (OeGHO).

Krebs ist bereits jetzt die zweithäufigste Todesursache und für rund ein Viertel der Sterbefälle verantwortlich. Obwohl die Zahl der Neuerkrankungen in den meisten Altersgruppen rückläufig ist, erhöht sich die Zahl der Menschen mit der Diagnose Krebs durch die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft sowie durch verbesserte Therapiemöglichkeiten mit der in der Folge steigenden Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich. „Das stellt unser Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen“, meint Prof. Dr. Hellmut Samonigg, Präsident der OeGHO. „Es wird essenziell sein, dass wir wissen: Welche Patientenzahlen sind zu erwarten? Wie können wir die spezialisierte Versorgung dieser Menschen sicherstellen? Und wie viele Fachärzte werden wir benötigen?“

Deshalb hat die OeGHO eine – in dieser Form einzigartige – umfassende Studie in Auftrag gegeben, die Antworten auf diese Fragen finden sollte. „Um Szenarien für das Jahr 2020 prognostizieren zu können, haben wir im Auftrag der OeGHO die Bevölkerungsentwicklung analysiert und mit Hochrechnungen von Neuerkrankungen sowie Prävalenzen der häufigsten Krebserkrankungen verknüpft“, erläutert Studienautor Prof. Dr. Bernhard Güntert, Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, medizinische Informatik und Technik (UMIT). „Auf dieser Basis konnten wir den intramuralen Versorgungsbedarf und die Zahl der benötigten Fachärzte für Innere Medizin mit Additivfach Hämatologie und internistische Onkologie errechnen.“

Die Mortalität sinkt, die Prävalenz steigt

Die wichtigsten Ergebnisse: Die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken, nahm seit dem Jahr 2000 innerhalb fast aller Altersgruppen signifikant ab. Die Inzidenzrate (Zahl der Neuerkrankungen) fiel von 465,3 Personen pro 100.000 Einwohner auf 461,7 im Jahr 2010. Und dieser Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Die Forscher der UMIT rechnen mit einer Rate von 451 im Jahr 2020.

Dennoch wird die Zahl der Menschen mit Krebs (Prävalenz) bei den meisten Krebsarten bis zum Jahr 2020 zwischen 60 und 80 Prozent ansteigen. „Wir haben Krebs immer besser im Griff, und die Menschen leben länger mit ihrer Diagnose. In immer mehr Fällen gelingt die Heilung, und immer häufiger können wir Krebs zu einer chronischen Erkrankung machen“, so Samonigg. „Zusätzlich sehen wir uns mit einem demographischen Wandel konfrontiert. Die Österreicher werden immer älter. Und das hat zur Folge, dass insgesamt mehr Menschen gleichzeitig zu behandeln sind.“

Engpässe in der Versorgung sind zu befürchten

„Der Bedarf an diagnostischen, therapeutischen und betreuerischen Leistungen für Krebspatienten nimmt somit deutlich zu, und das in allen Bundesländern“, zieht Güntert den Schluss. „Nicht nur steigende Kosten für Infrastruktur, medikamentöse und andere Therapien, sondern vor allem die knappen personellen Ressourcen dürften zu Engpässen im Versorgungssystem führen.“ Freilich betrifft dies nicht alle Bundesländer gleichermaßen, weil die Dichte und die Kapazitäten bei den Versorgungseinrichtungen unterschiedlich sind. Zu spüren wird der Bedarf aber überall sein.

Mehr Fachärzte mit Additivfach werden benötigt

Im besonderen Maße werden Fachärzte für Innere Medizin mit Additivfach Hämatologie und internistische Onkologie gefordert sein, denen eine Schlüsselrolle in der Behandlung von Krebspatienten zukommt. Die Zahl dieser Spezialisten ist zwar seit dem Jahr 2005 österreichweit deutlich gewachsen (2005: 243; 2012: 356).

Die prognostizierte künftige Nachfrage nach onkologischen Leistungen wird damit aber nicht zu decken sein. „Für das skizzierte Szenario würden wir 2020 in Österreich rund ein Drittel mehr Fachärzte benötigen. Wenn man zusätzlich noch berücksichtigt, dass bis dahin etwa 80 der heute tätigen Fachärzte in den Ruhestand treten, erhöht sich der Bedarf an entsprechend kompetenten Medizinern nochmals. In Summe gehen wir davon aus, dass 170 bis 200 Fachärzte für Innere Medizin mit Additivfach für Hämatologie und internistische Onkologie neu auszubilden sind. Das entspricht in etwa der Hälfte des jetzigen Bestands“, führt Güntert aus.

„Wenn wir in Österreich die hämatologisch-onkologische Versorgung langfristig sicherstellen wollen, müssen wir alle – Gesundheitspolitik wie auch Fachgesellschaften und Ärztekammern – große Anstrengungen unternehmen, um junge Ärzte und Ärztinnen für die Ausbildung im Fach Innere Medizin mit Additivfach für Hämatologie und internistische Onkologie zu gewinnen“, appelliert Samonigg an die Entscheidungsträger des heimischen Gesundheitssystems.

Darüber hinaus wird sich dieser Wandel natürlich auch auf andere, mit der Diagnose und Behandlung von Krebs befassten, Fachdisziplinen auswirken. Diese Bereiche wurden jedoch von der vorliegenden Studie nicht erfasst. „Hier besteht generell Bedarf an weiterer gezielter Gesundheitssystemforschung“, so Samonigg.

Über die OeGHO

Als Fachgesellschaft von Hämatologen und Onkologen hat sich die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie (OeGHO) zum Ziel gesetzt, die Betreuung von Patienten österreichweit an den höchsten Standard heranzuführen. Die OeGHO zählt aktuell ca. 550 Mitglieder, davon sind ein Großteil Fachärzte oder Fachärztinnen für Innere Medizin mit Additivfach Hämatologie und internistische Onkologie.

Quelle: Pressaussendung zum Pressegespräch „Future Demands - Krebs und Krebsversorgung im Jahr 2020“, Wien, 8. April 2014

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