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Allgemeinmedizin 3. Juni 2014

Jung bleiben – alt werden

Wissenschaftler, Politiker und Sportler werden bei der Academia Medicinae in Lech referieren.

Die Grundlagen der Anti-Aging-Medizin beruhen neben der Genetik vor allem auf Aspekten der Ernährung, Umwelt, Bewegung und des Zusammenspiels von Körper und Geist. Diese wesentlichen Säulen der Anti-Aging-Medizin werden im Rahmen der Tagung „Academia Medicinae Lech“ präsentiert und die Forschungsergebnisse und Erkenntnisse mit den Besuchern diskutiert.

Der große Erfolg des „Philosophicum Lech“ war für den Bürgermeister von Lech/Arlberg Ludwig Muxel und den Vorarlberger Mediziner Prof. Markus Metka Inspiration, jährlich zur Zeit der Alpenrosenblüte im Juni eine „Academia Medicinae Lech“ zu veranstalten.

Im Rahmen der Akademie soll über Themen der Medizin im geisteswissenschaftlichen Kontext mit Philosophie, Ethik und Kunst reflektiert werden. Die dem Jahresthema „Jung bleiben – alt werden“ gewidmeten Vorträge werden von herausragenden internationalen Persönlichkeiten gehalten und danach am Podium unter Beteiligung des Publikums diskutiert. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Didaktik und Rhetorik der Vortragenden gelegt.

Die populärwissenschaftliche Aufarbeitung der verschiedenen Themen auf hohem Niveau soll dem interessierten Publikum den Zugang erleichtern.

Dem „Altern“ – Hauptthema der ersten „Academia Medicinae“ in Lech –kann man sich von verschiedenen Seiten nähern: Von der Prävention (welche Palliativa hat die Medizin bereits Verfügung, um diesen Prozess abzufedern?), vonseiten der Sozialökonomie (werden wir uns auf Dauer soviel alte Zeitgenossen leisten können?) und vonseiten der Soziologie (wie werden sich die Jungen in diesem Jurassic Park zu verhalten beginnen?).

Allerdings drängen sich zunehmend auch philosophische Fragen auf: Die uralte Frage des Augustinus – „Was ist die Zeit?“ – wird von radikalen Denkern erneut artikuliert, die meinen, dass es die Zeit gar nicht gebe, sie sei nur eine Fiktion unseres Gehirns sei, wo man tatsächlich Strukturen entdeckte, die unsere Welt in ein chronologisches Korsett drängen.

Möglicherweise gibt es in Wirklichkeit nur eine Gegenwart – oder eine Ewigkeit, in der lediglich Eindrücke von Zeitabläufen die Entstehung und Vermehrung von Kohlenwasserstoff-Großmolekülen der „Schöpfung“ ermöglichen sollten.

Neuronen mit Silicium koppeln?

Noch utopischer erscheint ein Programm, das aber deshalb ernst genommen werden möge, weil hinter ihm ein mittel- und wirkungsmächtiges Unternehmen (Google) steht, das ein eigenes Programm und ein Unternehmen schuf: Calico, das den Alterungsprozess überhaupt genauso wie die Zeit relativieren soll. Silicium, das Element der Halbleiter, steht in der gleichen Hauptgruppe der Elemente wie der Kohlenstoff, der Grundwährung alles Lebendigen. Wie kann man beide verbinden? Das ist die grundlegende Frage von Calico, um eine „Neuron-Silicium-Kopplung“ zu schaffen, die den Informationsaustausch zum und auch vom menschlichen Gehirn ermöglichen soll.

Damit verbunden ist auch die zentrale Frage, der sich die Koalition zwischen Datenverarbeitung und Biologie widmet: Was bestimmt die Lebenszeit einer Spezies? Altern wir wie ein Auto? Oder gibt es Befehlsstrukturen in unserem Körper, die den Alterungsprozess anzuordnen beginnen.

Dies scheint der Fall zu sein, die darin involvierten Moleküle wurden entziffert, die die Lebensspanne einer Gattung so lange prolongiert, bis die für die Erhaltung der Art notwendige Reproduktion abgeschlossen ist. Dann drückt das Gehirn den „Off-Schalter“ – der Alterungsprozess beginnt.

Aber der Ehrgeiz von Calico geht noch weiter: Wir sind nicht der Endpunkt der Evolution, der Mensch steht mitten drin, und wenn er den Planeten nicht in die Luft sprengt, so geht sie kontinuierlich voran. Selbst der Geburtshelfer bemerkt das: In den vier letzten Dekaden werden die Kinder immer größer, schwerer und kommen auch mit einem immer breiter werdenden Schulterumfang zur Welt. Die Mechanismen, die dazu führen, glaubt man zu kennen. Droht hier – sollte tatsächlich ein Evolutionssprung glücken, wie er so oft in der Natur schon stattgefunden hat – eine biologische Zweiklassengesellschaft, von der man sich bis jetzt noch gar nichts träumen hat lassen?

Die Academia Mediciae Lech 2014 findet von 21. bis 24 Juni in Lech am Arlberg statt.

Prof. DDr. Johannes Huber hat zusammen mit Prof. Dr. Markus Metka die wissenschaftliche Leitung der Tagung inne.

Für die Veranstaltung wurden von der Österreichischen Ärztekammer 14 DFP-Punkte vergeben.

Programm und nähere Informationen: www.aml.or.at .

Johannes Huber, Ärzte Woche 23/2014

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