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Dr. Miklos Rohla jun., Wilhelminenspital Wien
 
Kardiologie 28. Mai 2014

Patienten mit Vorhofflimmern nach PCI

Langzeit-Outcome und Behandlungspraxisdieses Hochrisikokollektivs wurde in der folgenden Studie untersucht.

Patienten mit Vorhofflimmern (VHF) und koronarer Stent-Implantation stellen aufgrund des atherothrombotischen Risikos und des Blutungsrisikos bei aggressiver antithrombotischer Therapie ein Hochrisiko-Kollektiv dar. Wir untersuchten Langzeit-Outcome und Behandlungspraxis der Patienten in einem „real-world setting“.

Methodik und Ergebnisse

In einer retrospektiven Analyse wurden 2.890 konsekutive Patienten, die zwischen 2003 und 2012 einer Stent-Implantation unterzogen wurden, hinsichtlich kardiovaskulärer Risikofaktoren, angiografischer Charakteristika, Ko-Morbiditäten und Pharmakotherapie bei Entlassung evaluiert. Insgesamt wurden 1.434 Patienten mit stabiler KHK und 1.456 Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS) in die Analyse eingeschlossen. Als primärer Endpunkt wurde das Langzeit-Gesamtüberleben zwischen Patienten mit vorbekanntem oder neu-diagnostiziertem VHF, und Patienten im permanenten Sinusrhythmus verglichen.

Von Patienten mit stabiler KHK wurden 146 (10.2%), von Patienten mit ACS 93 (6.4%) Fälle mit vorbekanntem oder neu aufgetretenem VHF identifiziert.

Der mittlere CHA2DS2-Vasc betrug 3.6 ± 1.6 und war vergleichbar zwischen stabilen/elektiven und Patienten mit ACS (p=0.97).

Ko-Morbiditäten (Herzinsuffizienz, PAVK, Z. n. Insult/TIA, Niereninsuffizienz) und kardiovaskuläre Risikofaktoren (Hypertonie, Hyperlipidämie, Diabetes melllitus-Typ 2) traten bei von VHF betroffenen Patienten signifikant häufiger auf.

Bei Patienten mit VHF wurden zu 75% „bare metal stents“ (BMS) implantiert, gegenüber nur 49% bei Patienten im Sinusrhythmus. Nach Stent-Implantation erhielten 31% der betroffenen Patienten eine „triple“ Therapie (Phenprocoumon + Aspirin + Clopidogrel, TT), während 67% unter dualer Antiplättchentherapie (DAPT) entlassen wurden. Nach Publikation des Europäischen Positionspapieres zur antithrombotischen Therapie bei VHF und nach Stent-Implantation (Lip et al., Eur Heart J 2010) wurden Patienten mit VHF signifikant häufiger unter TT entlassen als vor 2010 (64% vs. 25%, p <0.01).

Die mittlere Therapiedauer von DAPT und TT betrug 5.1 ± 4.3 und 2.9 ± 3.3 Monate bei stabilen/elektiven Patienten bzw. 7.4 ± 4.5 und 4.2 ± 4.6 Monate bei-Patienten mit akutem Koronarsyndrom. Nach einem mittleren Beobachtungszeitraum von 56 ± 29 Monaten lag die Gesamtsterblichkeit bei 41.1% bzw. 12.7% für stabile/elektive Patienten mit VHF oder im Sinusrhythmus, und 40.9% bzw. 13.5% für ACS-Patienten mit VHF oder im Sinusrhythmus. Im „Cox proportional-hazards model“ konnte nach Adjustierung für relevante Ko-Morbiditäten ein signifikant erhöhtes Mortalitätsrisiko für stabile/elektive, als auch für ACS-Patienten mit VHF gegenüber Patienten im Sinusrhythmus festgestellt werden (HR 1.77, 95% CI 1.23;2.56, p<0.01 und HR 1.71, 95% CI 1.17;2.49, p<0.01).

Zusammenfassung

Vor Veröffentlichung des Europäischen Positionspapieres zur antithrombotischen Therapie bei VHF und nach Stent-Implantation (2010), wurden lediglich ein Viertel der Patienten der empfohlenen TT zugeführt, wobei nach 2010 bereits zwei Drittel im Einklang mit diesen Empfehlungen, die auch in die VHF-ESC-Guidelines aufgenommen wurden (2010, 2012), behandelt wurden.

In dieser retrospektiven Analyse eines prospektiven „single-center“ Registers von 2.890 stabilen/elektiven Patienten und ACS-Patienten nach Stent-Implantation hatten Patienten mit VHF ein signifikant höheres Blutungs- und Ischämie-Risiko. Nach einem mittleren Beobachtungszeitraum von 4.7 Jahren ergab sich ein um etwa 70% erhöhtes Mortalitätsrisiko für die von VHF betroffenen Patienten.

Diese Ergebnisse präsentiert Dr. Miklos Rohla
am Donnerstag, den 29. Mai, um16:30 - 18:00
im Papageno-Saal

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