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Neurologie 28. Oktober 2013

Geringere Schmerztoleranz

Rauchen kann die Schmerzempfindlichkeit beeinflussen.

Raucher und ehemalige Raucher haben eine geringere Toleranz gegen Schmerzen als Menschen, die nie Zigaretten konsumiert haben. Das zeigt eine neue norwegische Studie, die beim EFIC-Kongress in Florenz vorgestellt wurde. Eine schottische Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen Schmerzempfindlichkeit, Rauchen und Depression.

Raucher und ehemalige Raucher sind schmerzempfindlicher als Nichtraucher. Zu diesem Ergebnis kommt die norwegische „Tromsø-Studie“ (Abstract Johansen et al, Reduced cold pressor pain tolerance among smokers and previous smokers. The Tromsø Study). „Bisher waren wissenschaftliche Ergebnisse bezüglich Nikotin und Schmerzempfinden widersprüchlich. Einige experimentelle Studien haben gezeigt, dass Zigarrettenrauchen und Nikotin die Schmerzempfindung herabsetzen, während Beobachtungsstudien zeigten, dass Raucher ein erhöhtes Risiko für akute und chronische Schmerzen haben“, so Studienautor Dr. Aslak Johansen, Universitätsklinik Nordnorwegen, Tromsø. „Unser Ziel war es, den Zusammenhang zwischen Raucherstatus und Schmerzempfindlichkeit zu untersuchen.“

Insgesamt wurden 10.364 Probanden in die Studie eingeschlossen. 22,1 Prozent der Frauen und 18,8 Prozent der Männer waren Raucher, weitere 38,6 Prozent der Frauen und 46,8 Prozent der Männer waren ehemalige Raucher. Für die Erhebung der Schmerztoleranz wurde der Kältedrucktest verwendet, bei dem die Empfindlichkeit gegenüber kaltem Wasser gemessen wird.

„Raucher wiesen im Kaltwassertest die geringste Schmerztoleranz auf, ehemalige Raucher lagen im mittleren Toleranzbereich. Die größte Schmerztoleranz zeigten Männer und Frauen, die noch nie geraucht haben“, berichtete Johansen. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass Nikotinkonsum langfristig zu Schmerzüberempfindlichkeit führt.“

Rauchen, Depression und Schmerz

Den Zusammenhang zwischen Raucherstatus, chronischen Schmerzen und Depression analysierte eine schottische Studie (Abstract van Hecke et al, Exploring and explaining the relationship between chronic pain, depression and smoking status in a large general population-based cohort). „Viele Untersuchungen zeigen, dass unter chronischen Schmerzpatienten der Anteil von Rauchern höher ist als in der Durchschnittsbevölkerung, und dass Raucher eine höhere Schmerzintensität und einen höheren Behinderungsgrad aufweisen“, so Studienautor Dr. Oliver van Hecke von der Universität Dundee, Großbritannien. „Evidenz aus spezialisierten Schmerzeinrichtungen zeigt, dass Depression ein erklärender Faktor für die Beziehung zwischen Rauchen und chronischen Schmerzen sein könnte. Das haben wir jetzt in einer großen Bevölkerungskohorte untersucht.“

Analysiert wurden Daten aus der schottischen Bevölkerungsstudie „Generation Scotland: the Scottish Familiy Health Study“, die insgesamt 24.042 Teilnehmer umfasst. 36 Prozent von ihnen gaben an, unter chronischen Schmerzen zu leiden. „Schmerzpatienten, die rauchen, wiesen im Vergleich zu Nichtrauchern oder ehemaligen Rauchern höhere durchschnittliche Werte bei der Schmerzstärke und bei schmerzbedingten Behinderungen auf“, berichtete van Hecke. „In dieser Bevölkerungskohorte bestand besonders ein Zusammenhang zwischen Rauchen und Depressionserfahrungen, der wesentlich zum Einfluss von Rauchen auf die Schmerzintensität beiträgt, aber nicht auf die Behinderung.“

Quellen: 8. Kongress der Europäischen Schmerzföderation EFIC, 9. – 12. Oktober 2013, Florenz

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