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© Mathias Ernert,Klinik für Anaesthesie
Mit hochauflösenden Schallköpfen werden extrem zarte Nervenbahnen und Plexus sichtbar und gezielt anästhesiert.
 
Radiologie 28. Oktober 2013

Fakten und Fortschritte

Ultraschallexperten tagen in Stuttgart.

Ultraschall ist das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin und sehr vielfältig. Ärzte untersuchen damit nahezu alle inneren Organe und Gewebe sowohl im Bauch- als auch Brustraum und darüber hinaus Blutgefäße, Gehirn, Gelenke, Muskeln, Nieren, Geschlechtsorgane und Brust. Auch bei Kindern, in der vorgeburtlichen Diagnostik, in medizinischen Notfällen und bei Operationen kommt das schonende Verfahren zum Einsatz.

Neueste Methoden und Techniken der Sonografie waren Thema des 37. Dreiländertreffens der Deutschen, Österreichischen, Schweizer und Europäischen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM, ÖGUM, SGUM, EFSUMB).

Medizinischer Ultraschall kommt in der Inneren Medizin, Chirurgie, Neurologie, Urologie, Frauen- und Kinderheilkunde, Dermatologie und sogar in der Tiermedizin vielfach zum Einsatz. In allen Bereichen entwickeln sich Methoden und Geräte immer weiter, beispielsweise der Notfallultraschall: „Oft bringt die Sonografie schon in Notaufnahmen und auf Intensivstationen ein schnelles erstes Ergebnis“, erläutert Kongresspräsident Dr. Andreas Schuler aus Geislingen. Dies sei in hohem Maße ausschlaggebend für die weitere Behandlung.

So vielfältig wie die Sonografie selbst gestaltete sich das Kongressprogramm. Fast 400 Experten aus verschiedenen Disziplinen referierten auf dem 37. Dreiländertreffen in Stuttgart Themen aus Grundlagenforschung und angewandte Ultraschalltechnologien in der Medizin.

Interventionelle Sonografie bei Leberkrebs

Bei Leberzellkrebs kommt Ultraschall als bildgebendes Verfahren bei der Diagnose, neuerdings aber auch therapeutisch zum Einsatz: Bei Lebertumoren operieren Ärzte unter sonografischer Kontrolle, um noch gezielter vorgehen zu können.

Das hepatozelluläre Karzinom (HCC) ist weltweit die dritthäufigste tumorbedingte Todesursache. Bis vor einiger Zeit galt das HCC in unseren Breiten als eine eher seltene Tumorerkrankung. Inzwischen nimmt die Häufigkeit hierzulande und in anderen Ländern Europas deutlich zu. Der Grund: „Immer mehr Fälle von Leberzirrhose und massiv steigende Zahlen von Hepatitis-C-Neuinfektionen in den letzten vier Jahrzehnten“, so Schuler.

Die Diagnose größerer Lebertumoren mittels Ultraschall ist Standard. Vor allem zur regelmäßigen Überwachung bei Hochrisikogruppen und zur Charakterisierung mittels Ultraschallkontrastmittel kommt dem qualitätsgesicherten Ultraschall in der aktuellen S3-Leitlinie HCC jedoch eine besondere Bedeutung zu. „Neben der besonderen Geräteausstattung spielt die Qualifikation und Erfahrung des Untersuchers eine herausragende Rolle. Dies wird jetzt erstmals in der im Juni veröffentlichten Leitlinie besonders berücksichtigt“, berichtet Schuler.

In der Krebstherapie ist das Verfahren erst seit Kurzem im Einsatz. „Bei minimalinvasiven Eingriffen ist die sonografische Kontrolle mittlerweile unabdingbar“, betont Prof. Dr. Klaus Schlottmann vom Katharinen-Hospital in Unna. Am Bildschirm verfolgt der Operateur mittels Ultraschall in Echtzeit den Weg der Nadel bis zur krankhaften Region. Dort angekommen injiziert er das Medikament oder erhitzt den Tumor, damit dieser abstirbt. „Die sonografische Überwachung gewährleistet, dass wir unser Ziel punktgenau treffen und benachbartes, gesundes Gewebe nicht verletzen“, erläutert Schlottmann. Ultraschall sei dafür sehr geeignet, ließe sich gut handhaben, und belaste die Patienten nicht so wie andere bildgebende Verfahren. Schädigende Strahlen gehen davon nicht aus. Der Patient muss nicht still liegen oder gar fixiert werden.

„Die neue S3-Leitlinie zur Behandlung von Leberkrebs misst auch dem interventionellen Ultraschall einen völlig neuen Stellenwert bei“, so Schuler. „Bei kleinen Tumoren ist die ultraschallgezielte Therapie bezüglich der lokalen Radikalität der Operation gleichwertig, aber weit weniger belastend und hilft Patienten und Ärzten, die Wartezeit auf ein Spenderorgan zu überbrücken“.

Fuß verdreht statt Tor geschossen

Profifußballer verletzen sich überdurchschnittlich häufig: Ein Fußballteam aus 25 Spielern hat pro Saison rund fünf Verletzungen zu verkraften. Am häufigsten ist der Oberschenkel betroffen. Mobile Ultraschallgeräte ermöglichen jetzt schon im Stadion eine schnelle Diagnose.

Fällt ein Spieler plötzlich verletzt auf den Rasen, ist schnelles Handeln angesagt: Sportmediziner müssen vor Ort so rasch wie möglich feststellen, wo genau die Verletzung vorliegt und ob Bänder, Sehnen oder sogar Knochen betroffen sind. „Die Sonografie ist etabliert und ein unverzichtbares Hilfsmittel bei häufigen sportmedizinischen Krankheitsbildern, um eine exakte Diagnosestellung zu ermöglichen“, erklärt Prof. Dr. Andrea Klauser, Universitätsklinik für Radiologie, Medizinische Universität Innsbruck. In manchen Fällen kann natürlich auf ein Röntgenbild zum Ausschluss knöcherner Begleitverletzungen oder MRT nicht verzichtet werden. „Wichtige Indikationen zur Ultraschalldiagnostik sind vor allem Weichteilverletzungen, bei denen eine knöcherne Beteiligung unwahrscheinlich ist.“

Bei Muskelverletzungen ist die Sonografie für die schnelle Abgrenzung zwischen Minor- und Majorverletzung unverzichtbar geworden, hat aber laut Klauser in manchen Regionen (Soleus, proximaler Gastrocnemius und proximale Hamstringgruppe) ihre Grenzen, wo dann ergänzend eine MRT weitere Info liefern kann. Eine Verletzung gilt als „minor“, wenn die Ausfallzeit des Spielers weniger als eine Woche beträgt. Dauert sie länger als einen Monat, wird als „major“ eingestuft.

„Der Arzt steht hier in einem Spannungsfeld zwischen ‚Return to competition‘ und der Gefahr einer Rezidivverletzung“, betont Klauser. „Die Ziele der Diagnostik müssen deshalb sein: Richtige Einschätzung und Klassifizierung der Verletzung, anatomische Zuordnung, Einschätzung der Therapie und Prognose, sportartspezifische Belastung und Training.“

Portable Geräte

In der Sportmedizin wird der Einsatz tragbarer Ultraschall-Systeme nicht nur im Fußball, sondern auch bei anderen Sportarten immer wichtiger: Das bildgebende Verfahren kommt unter anderem auch bei Radrennen oder Lauf-Wettkämpfen zur ersten Notfalldiagnostik zum Einsatz. „Vorteile tragbarer Ultraschallgeräte sind ihre flexiblen Einsatzmöglichkeiten, ihre Mobilität sowie ihre immer kompaktere Größe: Sie sind neuerdings kaum größer als ein Tablet-PC“, so Schuler. So können Sportler schon während des Rennens zügig untersucht und bei Bedarf vor Ort umgehend sporttherapeutisch behandelt werden, ohne in eine Praxis oder Klinik transportiert werden zu müssen. Auf diese Weise sind auch diagnostische oder therapeutische Injektionen unter sonografischer Sicht punktgenau und minimal invasiv durchführbar, was sich unter anderem bei den Olympischen Spielen 2012 in London als wertvoll erwiesen hat.

Ultraschallgezielte Eingriffe

Neben den Verfahren zur Versorgung von Tumorpatienten bietet die Sonografie etliche weitere Möglichkeiten zur Diagnostik und Therapie von Patienten: Gefäße zur Anlage von Venenkathetern können nachgewiesen werden; mit hochauflösenden Schallköpfen können extrem zarte Nervenbahnen und Plexus sichtbar gemacht und durch dergestalt gesteuerte Injektion von Betäubungsmitteln Nervenblockaden ermöglicht werden.

„Häufig müssen Eiteransammlungen im Körper durch eine Drainagentherapie entleert werden“, berichtet Schlottmann. „Der Ultraschall hilft bei der Lokalisierung des Eiters und bei der punktgenauen Einlage des Drainagekatheters.“

Gallenwegsverschlüsse können nicht in allen Fällen endoskopisch angegangen werden: hier sei die Sonografie ein zuverlässiges Verfahren, um die Gallenwege zu punktieren und das Abflusshindernis zu beseitigen oder einen Zugang zum Dünndarm zu schaffen.

„All diese Verfahren sind enorm schnell und nahezu komplikationsfrei durchführbar, wenn die Ausbildung entsprechend qualifiziert erfolgt“, betont Schlottmann.

Quelle: Presseaussendung DEGUM

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